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»Schmuckstücke« offiziell eingeweiht

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Von: Christoph Hoffmann

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oli_botanik3_170922_4c © Oliver Schepp

Die neuen Gewächshäuser im Botanischen Garten sind bereits seit einigen Monaten für Öffentlichkeit und Forschung nutzbar. Nun sind die drei imposanten Bauten auch offiziell eingeweiht worden. Die Liste der Ehrengäste belegt, welche Bedeutung die Gewächshäuser für Land, Stadt und Universität haben.

Ein kleiner Schauer fiel just in dem Moment vom Himmel, als die Feierstunde beginnen sollte. Regen ist bei solchen Anlässen normalerweise kein gern gesehener Gast, am Freitagnachmittag im Botanischen Garten war das jedoch anders. Zum einen wissen die Menschen, die der Einrichtung des Justus-Liebig-Universität verbunden sind, wie wichtig Wasser in diesen Tagen für die Natur ist. Abgesehen davon mussten die Ehrengäste wie Wissenschaftsministerin Angela Dorn, Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sowie die Bundestagsabgeordneten Helge Braun und Felix Döring nicht im Regen stehen. Die offizielle Einweihung der neuen Gewächshäuser fand schließlich unter dem Glasdach des Palmenhauses statt.

»Sehr lange haben wir darauf gewartet, die neuen Schmuckstücke unseres Botanischen Gartens der Öffentlichkeit zu präsentieren«, betonte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. »Wir sind stolz auf die Gewächshäuser, die architektonisch außergewöhnlich gelungen sind und gleichzeitig eine enorme Bedeutung für die Lehre in unseren lebenswissenschaftlichen Fachbereichen haben.«

Auch Becher war die Freude über die Gewächshäuser anzusehen - in seiner Funktion als Oberbürgermeister natürlich in erster Linie aus Sicht der Stadt. »»Der Botanische Garten ist eine Oase der Naherholung mitten in der Innenstadt und erfreut sich sehr hoher Beliebtheit in der Bevölkerung.« Zudem hob Becher die Bedeutung für das innerstädtische Mikroklima hervor. In den heißen Sommermonaten habe ein Besuch im Botanischen Garten spürbare Abkühlung gebracht.

Das neue Ensemble, das die Öffentlichkeit bereits seit einigen Monaten bewundern kann, besteht neben dem Palmenhaus, in dem im Winter die Kübelpflanzen Schutz vor der Kälte finden und das ansonsten für Veranstaltungen genutzt wird, aus dem Ernst-Küster-Haus, in dem bei warmen Temperaturen etwa Kakteen, Sukkulenten und Palmen wachsen, sowie dem runden Victoria-Haus, das Wasserbecken und die große Victoria-Seerose beherbergt.

Kosten von acht Millionen Euro

Die Baumaßnahme, die 2017 mit dem Abriss der alten Anlagen begann, kostete laut JLU acht Millionen Euro. 4,8 Millionen davon stammten aus den Mitteln des Bund-Länder-Programms Hochschulpakt 2020. Die Gießener Uni hat sich mit 3,2 Millionen Euro beteiligt. Die alte Gewächshausfläche musste aufgrund ihres Bauzustands und eingeschränkter Nutzbarkeit erneuert werden. In den Neubauten mit einer Gesamtnutzfläche von 833 Quadratmetern können auch im Wintersemester Veranstaltungen der Fachbereiche durchgeführt werden.

Als wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens legt Prof. Volker Wissemann auf Forschung und Lehre natürlich ein ganz besonderes Augenmerk. In seiner Rede erinnerte er aber auch an die besondere Architektur der Gebäude. »Diese Gewächshäuser sind nicht einfach eine modische Location und auch keine peppige Hülle für die Vielfalt der botanischen Sammlung an der JLU, sondern hochspezialisierte Orte von Forschung, Lehre und Wissenstransfer.«

Als hessische Wissenschaftsministerin steht besagter Wissenstransfer ganz oben auf der Prioritätenliste von Angela Dorn. Gleichzeitig hob sie aber auch die ökologische Funktion der Einrichtung hervor, auch mit Blick auf das Artensterben. »Im Hinblick auf den Klimawandel werden Botanische Gärten auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Hier in Gießen kann mit den neuen Gebäuden die praktische Lehre im wahrsten Sinne des Wortes neu erblühen.«

Bevor die Ehrengäste anstoßen und bei einer Ausstellung mehr über das koloniale Erbe der Sammlungen der JLU erfahren konnten, ergriff noch Petra Zellner, Vertreterin des Direktors des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH), das Wort. »Der Botanische Garten ist mehr als ein Garten - er ist ein Kulturdenkmal. Deshalb haben die Kolleginnen und Kollegen unseres Landesbetriebs die neuen Gewächshausbauten nicht nur in enger Abstimmung mit der Universität, sondern auch mit zahlreichen Genehmigungsbehörden geplant und umgesetzt.« Es mache sie stolz, dass dieser lebendige Ort mitten in der Stadt durch die Gewächshausanlagen noch einmal aufgewertet worden sei.

Davon konnten sich die Besucher bei einem abschließenden Rundgang durch die Gewächshäuser selbst überzeugen. Und das ohne Regen.

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oli_botanik4_170922_4c © Oliver Schepp
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chh_bot_170922_4c © Christoph Hoffmann

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