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Christian Lugerth zieht die Zuhörer in den Bann.

Schmerzhafte Prosa in den Marktlauben

Gießen (few). »Die Texte, die heute verlesen werden, sind schwere Texte und tun manchmal auch ein bisschen weh«, kündigte Organisator Uwe Lischper vor Beginn der Veranstaltung an. Rund 100 Zuschauer waren gekommen, um der Lesung des Gießener Schauspielers Christian Lugerth in den Marktlauben zu lauschen. Im Rahmen der Veranstaltung »Eine/r liest« erinnerte Lugerth an den bekanntesten Autor der Trümmerliteratur, Wolfgang Borchert, und dessen 100.

Geburtstag.

Die Idee, Gedichte und Prosa von Borchert vorzutragen, kam vom langjährigen Freund und Initiator Uwe Lischper. Da Lischper wie auch Borchert aus Hamburg stammt, hatte er sich schon viele Jahre mit seinen Gedichten beschäftigt und ist fasziniert von seiner Person. Borchert war 18 Jahre alt, als der Krieg begann. Schon früh begann er, Gedichte zu schreiben, und strebte den Beruf des Schauspielers an. Kurz nach Beendigung seiner Ausbildung wurde er an die Front geschickt. Dort zog er sich schwere Verletzungen und Infektionen zu. Außerdem wurde er wegen Kritik am Regime des Nationalsozialismus und sogenannter Wehrkraftzersetzung verurteilt und inhaftiert. Borchert wurde nur 26 Jahre alt und starb an den Folgen seiner Kriegsverletzung bei einem Kuraufenthalt in der Schweiz. In den letzten beiden Lebensjahren schrieb Borchert besonders viel und versuchte möglichst ungefiltert wiederzugeben, was er im Krieg und im Leben erlebt hat.

»Borchert hat zwei Jahre lang alles rausgehauen. Seine Gedichte sind alle schonungslos und ungefiltert«, sagte Lugerth. »Der Tod scheint etwas zu sein, was viele Menschen verdrängen. Dabei ist das eigentlich etwas ganz Normales und ist genauso ein Teil von uns Menschen, wie das Leben.« Wohl auch ein Grund, wieso die Zuschauer so gespannt auf die Texte hörten. Viele waren an diesem Mittag überrascht von der Schwere der Themen, die Borchert in seinen Gedichten verkörpert. Lugerth ergänzte: »Ich finde es gut, auch mal schwere Themen zu behandeln. Das hilft der Gesellschaft, auch mal über solche Themen nachzudenken. Gerade durch Corona werden wir häufig mit dem Tod konfrontiert, schieben das aber oft einfach weg.«

Der nächste Termin bei »Eine(r) liest« findet am 15. August statt. Anette Daugardt und Uwe Neumann berichten per szenischer Collage über Heinrich Heines Texte.

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