Mit improvisierten Apparaturen wie diesen haben sich die Frauen Stromstößen ausgesetzt. FOTO: PM
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Mit improvisierten Apparaturen wie diesen haben sich die Frauen Stromstößen ausgesetzt. FOTO: PM

Urteil

Schmerzensgeld für Gießenerin für Stromschläge

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Im Prozess um lebensgefährliche Stromschläge am Landgericht München, in dem eine Gießenerin als Nebenklägerin auftritt, soll am Montag das Urteil gesprochen werden.

Gießen/München(khn). Der Prozess um lebensgefährliche Stromschläge am Landgericht München, in dem eine Gießenerin als Nebenklägerin auftritt, steht vor dem Abschluss: Die Plädoyers wurden jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten; am Montag wird ein Urteil erwartet. Ein möglicher Schuldspruch wird wohl nur die erste Etappe sein: Eine Revision von einem der Prozessbeteiligten ist sehr wahrscheinlich - zu weit liegen die Ansichten über den Tatbestand auseinander.

Dem heute 30 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, in mindestens 88 Fällen junge Frauen über das Internet zu Stromexperimenten überredet zu haben, um seinen sexuellen Fetisch zu befriedigen. Er gab sich als Mediziner oder Hochschulmitarbeiter aus, versprach hohe Geldbeträge für die Teilnahme an seiner angeblichen Forschungsreihe. Der aus dem Raum Würzburg stammende Mann hatte dies zwischen 2013 und 2018 immer wieder übers Internet orchestriert: Er machte Videoaufnahmen von den Experimenten - während er für die Probandinnen nicht zu sehen, sondern nur zu hören war.

Wie der Münchner Merkur jetzt berichtet, fordert die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Titelmissbrauchs und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Der Mann soll eine Haftstrafe von 14 Jahren erhalten und in einem psychiatrisches Krankenhaus untergebracht werden. Die Verteidigung des Mannes beruft sich auf eine psychische Störung des Angeklagten - er leidet unter dem Asperger Syndrom - und plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Titelmissbrauchs und der Erstellung von Bildaufnahmen oder hilfsweise die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise fahrlässiger versuchter Tötung. Die Verteidigung fordert außerdem, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zur Bewährung auszusetzen.

Öffentlich verhandelt wurde jedoch über zwei Anträge, mit denen die Anwälte zweier Geschädigten Schmerzensgeldansprüche geltend machten; eine davon ist eine zur Tatzeit 22 Jahre alte Gießenerin. Sie hatte Stromstöße an den Schläfen und Füßen erlitten. Weil sie während des Versuchs mit dem nackten Fuß einen Heizkörper berührte, kam es zu einer Körperdurchströmung. Der Angeklagte habe es "billigend in Kauf genommen, einen Menschen zu töten", zitiert der "Merkur" den Gießener Rechtsanwalt Alexander Hauer. Die Folgen seien Schmerzen sowie Strommarken an den Schläfen gewesen. Der Vorfall sei "Bestandteil einer erneut ausgelösten Psychose" bei seiner Mandantin.

In der Frage der Höhe des Schmerzensgeld kam ein Vergleich zustanden. Die Gießenerin erhielt laut "Merkur" 2000 Euro, eine weitere Nebenklägerin 800 Euro.

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