Schließung von Kongresshalle "letztes Mittel"

Gießen (mö). Was die Zukunft der Kongresshalle betrifft, hat sich die Stadt Gießen die Pistole selbst auf die Brust gesetzt. Bis 2012 müssen in das Bürgerhaus der Gießener Kernstadt 2,8 Millionen Euro investiert werden, um Auflagen des TÜV und des Brandschutzamtes zu erfüllen.

"Ansonsten behält sich das Bauordnungsamt als letztes Rechtsmittel die Schließung des Hauses vor", formulierte die Stadthallen GmbH (SHG) im aktuellen Beteiligungsbericht der Stadt für das Jahr 2009. Sie habe diese Formulierung ganz bewusst gewählt, "um Druck zu machen", sagte der AZ gestern SHG-Geschäftsführerin Barbara Kallweit. Offenbar hat’s geholfen, denn die Arbeiten laufen.

Dass der Verweis auf das städtische Bauordnungsamt nicht aus der Luft gegriffen ist, belegt die Passage der SHG im Beteiligungsbericht. Danach war neben dem TÜV und dem Amt für Brandschutz auch die städtische Bauaufsicht an der Erstellung eines Sanierungskonzepts beteiligt, das zunächst vorsah, sämtliche festgestellten Mängel im Jahr 2010 zu beseitigen, die geeignet seien, Besucher von Veranstaltungen in "Gefahr" zu bringen. Dieser Zeitplan erwies sich als nicht umsetzbar, so dass die Arbeiten nun bis 2012 erledigt werden sollen. Für dieses Jahr sieht der Haushalt der Stadt eine Ausgabe von 1,5 Millionen Euro vor, der Rest soll dann im kommenden Jahr folgen. Dass dieser Zeitpunkt so etwas wie ein Ultimatum für die Kongresshalle ist, ist auch dem Anhang des Stadtetats 2011 zu entnehmen.

Hier ist von der "Verhängung eines Nutzungsverbots" die Rede, sollten die Mängel bis Ende 2012 nicht behoben sein.

Wie Kallweit sagte, stehe zunächst die Fertigstellung der neuen Sicherheitsbeleuchtung für die Säle und Konferenzräume im Mittelpunkt. Sie soll Besuchern den Weg weisen, wenn es zu einem Stromausfall kommt. Hinzu kommen eine neue Rauchabzugsanlage für die Säle und den Bereich der Garderobe sowie Elektroinstallationen. "Das alles sind zunächst einmal Maßnahmen, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten", erklärte die Geschäftsführerin.

In den 2,8 Millionen Euro seien aber keine Mittel enthalten, um die Kongresshalle als Veranstaltungsort attraktiver und mithin konkurrenzfähiger zu machen. Inwieweit die Stadt hier in den kommenden Jahren zusätzliches Geld in die Hand nehmen will, könne sie nicht sagen, so Kallweit.

Mit der beträchtlichen Investition in den Brandschutz dürfte der Fortbestand der Kongresshalle vorerst gesichert sein. Abrissszenarien hatte der Magistrat in den letzten Jahren auch wiederholt als nicht realistisch zurückgewiesen. Gescheitert sind bislang allerdings auch die Bemühungen, einen Investor für den Bau eines Kongresshotels zu gewinnen, der zudem die bestehende Halle auf Vordermann hätte bringen sollen. Für eine "umfassende Modernisierung" der Kongresshalle müsse die Stadt "in nächster Zukunft" daher "selbst sorgen", formulierte die SHG im Beteiligungsbericht. Aus dem geht auch hervor, dass der TÜV seit 2004 diverse Prüfberichte zu den Brandschutzanlagen der Kongresshalle erstellt hatte.

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