Schläge statt Zärtlichkeiten

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Mit Freiheitsstrafen von zweimal einem Jahr und drei Monaten sowie einmal zwei Jahren und drei Monaten wurde am Dienstag am Amtsgericht eine schwere Straftat geahndet, die am frühen Morgen des 15. Juli 2017 auf dem Fußweg neben der Wieseck zwischen Bahnhofstraße und Bahnunterführung verübt worden war. Drei junge Obdachlose raubten dort einen älteren Zechkumpan aus, den sie zuvor im "Bierexpress" kennengelernt hatten. Der homosexuelle Frührentner hatte auf Zärtlichkeiten gehofft, wurde aber brutal niedergeschlagen.

Mit Freiheitsstrafen von zweimal einem Jahr und drei Monaten sowie einmal zwei Jahren und drei Monaten wurde am Dienstag am Amtsgericht eine schwere Straftat geahndet, die am frühen Morgen des 15. Juli 2017 auf dem Fußweg neben der Wieseck zwischen Bahnhofstraße und Bahnunterführung verübt worden war. Drei junge Obdachlose raubten dort einen älteren Zechkumpan aus, den sie zuvor im "Bierexpress" kennengelernt hatten. Der homosexuelle Frührentner hatte auf Zärtlichkeiten gehofft, wurde aber brutal niedergeschlagen.

Die drei Angeklagten im Alter von damals 19, 20 und 27 Jahren waren damals gemeinsam unterwegs, schliefen in der Obdachlosenunterkunft im Falkweg und lebten von der täglichen Barauszahlung ihres Hartz-IV-Satzes von 13,50 Euro. Regelmäßig konsumierten sie Drogen.

Am Abend des 14. Juli hielten sie sich in der Kneipe in der Frankfurter Straße auf, "um die Nacht rumzubekommen". So kamen sie ins Gespräch mit einem alleinstehenden 55-Jährigen, der in dem Lokal auch nach sexuellen Kontakten Ausschau hielt. Das nutzten die Männer aus, indem sie ihn nach dem gemeinsamen Verlassen der Kneipe in die dunkle Ecke an der Wieseck lockten. Dort stülpte einer der Täter dem Mann eine Jacke über den Kopf, während die anderen ihn mit Schlägen und Tritten eindeckten. Der Kopf des Opfers schlug dabei gegen das Geländer.

Als der Rentner ("ich hatte Todesangst") wehrlos am Boden lag, nahmen sie ihm Geldbörse, Handy und Uhr ab und liefen zur Lahnwiese, um sich die Beute zu teilen. Der Überfallene erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen und einen Jochbeinbruch; drei Tage musste er stationär behandelt werden.

Die Polizei kam dem Trio zwei Wochen später auf die Schliche, als das gestohlene Handy mit einer fremden SIM-Karte aktiviert wurde. Der Älteste hatte es an einen anderen Obdachlosen verkauft. Zudem hatte er mit seiner Tat geprahlt. So konnten auch seine Komplizen rasch ermittelt werden. Alle drei zeigten sich geständig. Seit dem vergangenen November sitzen sie in U-Haft.

Bei der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht ging es deshalb nur um das Strafmaß. Dabei bestand Einigkeit darüber, dass für die beiden jungen Täter wegen mangelnder Reife Jugendstrafrecht gilt: Sie sind in schlimmen Verhältnissen aufgewachsen, haben keinen Beruf, sind mit Eigentumsdelikten straffällig geworden, konsumieren regelmäßig Drogen; Entgiftungen blieben erfolglos. Durch den Tod des Vaters aus der Bahn geraten war der 27-Jährige. Er verkaufte 2010 den großen Malerbetrieb, schlug sich als Schausteller durch und ist seit fünf Jahren wohnsitzlos und hat etliche Vorstrafen.

Für die jungen Angeklagten, denen die Jugendgerichtshilfe eine positive Entwicklung bescheinigte, beantragte die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Für den 27-Jährigen forderte man zwei Jahre und drei Monate. Das Gericht unter Vorsitz von Maddalena Fouladfar folgte den Anträgen. Es gab außerdem der Nebenklage statt, die Täter anteilig zu Schmerzensgeld von 3000 Euro und Schadenersatz von 550 Euro zu verurteilen. Dem Älteren hielt Fouladfar angesichts der Vorstrafen vor: "Sie sind nicht belehrbar." Für den kommen noch elf Monate Haft aus einer Gesamtstrafe im Jahr 2014 hinzu.

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