Auf Karussells müssen die Gießener weiterhin verzichten. Ab kommender Woche gibt es in der Innenstadt aber immerhin Zuckerwatte und Co.
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Auf Karussells müssen die Gießener weiterhin verzichten. Ab kommender Woche gibt es in der Innenstadt aber immerhin Zuckerwatte und Co.

Sondergenehmigung

Corona-Krise in Gießen: Nun sollen Buden in der Innenstadt helfen

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Ab kommender Woche werden bis zu zehn Schausteller in der Gießener Innenstadt Verkaufsstände betreiben. Für die gebeutelte Branche ist dies eine kleine Überlebenshilfe.

Gießen - Eigentlich würden die heimischen Schausteller nun über das Land fahren, ihre Buden aufbauen, Zuckerwatte verkaufen und das abenteuerliche Leben genießen, das diese Branche mit sich bringt. Stattdessen sind sie wegen der Corona-Pandemie seit Monaten zum Nichtstun verdammt. Zumindest noch. Ab kommender Woche können die Gießener Schausteller ihren Berufsalltag zumindest in abgespeckter Form wieder nachgehen. Zehn Schausteller dürfen in den kommenden Wochen ihre Buden in der Fußgängerzone aufbauen. Das haben Bürgermeister Peter Neidel und der städtische Wirtschaftsförderer Frank Hölscheidt zusammen mit Patrick Walldorf (Schaustellerverband Gießen Nord-West) und Werner Wambold (Schaustellerverband Mittelhessen) am Donnerstag im Rathaus verkündet. »Wir wollen den Schaustellern eine Möglichkeit bieten, wieder Einnahmen zu generieren«, betonte Neidel.

Schausteller in Gießen: Stände per Los vergeben

Daher habe die Stadt nach Rücksprache mit dem Einzelhandel und den Schaustellern 14 Standorte in der Fußgängerzone bestimmt, an denen Buden aufgebaut werden können. Dazu gehört das Areal hinter Karstadt, der Marktplatz, die Johannette-Lein-Gasse, die Katharinengasse sowie die Plätze vor H & M und den ehemaligen Geschäften Sting und Peek & Cloppenburg. Im Zuge der Ausschreibung hätten sich zehn Schausteller gemeldet und Interesse bekundet. Am heutigen Freitag sollen die Standorte per Losverfahren verteilt werden. »Im Sinne der Chancengleichheit werden wir nach zwei Wochen rotieren. Schließlich sind einige Plätze attraktiver als andere«, sagte Neidel und fügte an, dass die Schausteller lediglich die Verbrauchskosten für Wasser und Strom bezahlen müssten. Der Bürgermeister sagte aber auch, dass er durchaus möglich sei, dass einige Interessenten nach der Auslosung noch einen Rückzieher machen werden.

»Es ist ein gutes Angebot. Eine Art Überlebenshilfe«, sagte Schausteller Wambold. Er betonte aber auch: »Für viele ist das Risiko zu groß.« Seit Monaten liege der Umsatz in der Branche bei Null. Daher seien viele Kollegen vorsichtig. »Ein Minusgeschäft kann sich derzeit keiner leisten.«

Patrick Walldorf sieht es genauso. »Das Risiko ist hoch.« Deswegen hat er wie viele andere Schausteller ein weiteres Angebot der Stadt abgelehnt.

Auf dem Koblenzer Messeplatz drehen derzeit wieder Kinder Runden in Karussells. Auch andere Städte haben zentrale Flächen freigeräumt und dort Rummelplätze geschaffen, auf denen Schausteller unter Einhaltung der Hygienevorgaben ihrer Arbeit nachgehen können.

Schausteller in Gießen: Stände bleiben bis zur Herbstmesse

»Wir haben uns mit dieser Idee ebenfalls intensiv auseinandergesetzt«, betonte Neidel. Dafür seien Gespräche mit dem Regierungspräsidium und dem Gesundheitsamt des Landkreises geführt worden. Schlussendlich habe man diese Art von Freizeitpark auch ermöglichen wollen. Die Schaustellerverbände hätten sich aber dagegen entschieden. Grund sind die strengen gesetzlichen Vorgaben, wie Walldorf betonte. »Bei der Größte des Messeplatzes dürften maximal 250 Gäste aufs Gelände. Das ist zu wenig, um vernünftig wirtschaften zu können.« Wambold sieht es genauso. »Die Schausteller müssten ihren ganzen Betrieb wieder hochfahren. Dazu gehört auch die Anmeldung der Fahrgeschäfte bei den Versicherungen. Ohne die Gewissheit, dass im Laufe des Jahres noch weitere Möglichkeiten zum Geldverdienen folgen, ist das aus finanzieller Sicht nicht machbar.« Von Kollegen, die auf einen der Rummelplätze in anderen Städten vertreten seien, hätte er zudem sorgenvolle Nachrichten erhalten. »Sie sind froh, wenn sie mit einem blauen Auge davonkommen.«

Nun also Rummel light in der Fußgängerzone. Bis zur Herbstmesse sollen die Schausteller hier Mandeln, Würstchen und Co. verkaufen dürfen. Karussells wird es nicht geben. »Dafür sind die Standorte zu klein«, sagte Walldorf.

Neben der Chance, wenigsten ein bisschen Umsatz zu generieren, geht es der Stadt aber auch noch um etwas anderes, sagt Neidel: »Vielen Schaustellern ist es wichtig, endlich wieder arbeiten zu können. Sie sind nicht mehr zum Nichtstun verdammt. Das ist auch für den Kopf wichtig.«

Walldorf und Wambold nicken. Sie würden auch gerne wieder ihrer Arbeit nachgehen. Es muss aber wirtschaftlich tragbar sein. Die beiden Schausteller haben sich an der Ausschreibung für die Innenstadtbuden nicht beteiligt.

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