Mit Kaffee im Zaubergarten: Steffen Schwarz genießt die Zeit in seinem Hinterhof. 
+
Mit Kaffee im Zaubergarten: Steffen Schwarz genießt die Zeit in seinem Hinterhof. 

"Mensch, Gießen"

Schauspieler, Lehrer, Genießer: Gießener Steffen Schwarz stand schon mit Til Schweiger auf der Bühne 

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Der Gießener Steffen Schwarz wollte schon als Kind Schauspieler werden. Doch dieser Traum ist früh geplatzt. Dafür ist sein Berufswunsch heute seine Freizeit-Passion.

Steffen Schwarz trinkt seinen Kaffee im Zaubergarten. So nennt der Gießener das Stück Grün, das im Hinterhof seiner Wohnung in der Bruchstraße liegt. Zugegeben, bei Tageslicht betrachtet braucht es Phantasie, in dem Areal etwas Magisches zu sehen. "Aber abends", sagt Schwarz, "wenn die Glühwürmchen herauskommen und um den mit Efeu bewachsenen Baumstamm schwirren, hat das etwas Magisches". Und plötzlich braucht es gar nicht mehr viel Phantasie, darin einen Zaubergarten zu sehen. Schwarz kann mit seinen Worten die Vorstellungskraft beflügeln. Gute Voraussetzung für einen Lehrer also. Und gleichzeitig Merkmal eines guten Theaterschauspielers.

Schwarz ist mit seinen beiden Brüdern und den Eltern in Hausen aufgewachsen. "Mit meinen Freunden habe ich viel Zeit in der Natur verbracht", sagt der 49-Jährige. Er nippt an seinem Kaffee, bevor er hinzufügt: "Es war eine behütete, schöne, gute Welt."

Nach der vierten Klasse ging es auf die Ludwig-Uhland-Schule in Gießen. Es sollte der erste Berührungspunkt mit jener Stadt sein, der er bis heute treu geblieben ist. Dabei wäre ein Umzug aus rein praktischen Gesichtspunkten durchaus nachvollziehbar gewesen.

Gießener Steffen Schwarz: Nach seinem Studium Lehrer in Frankfurt 

Seit dem Ende seines Lehramtstudiums in Gießen unterrichtet Schwarz in Frankfurt. Und auch seiner großen Leidenschaft, der Schauspielerei, geht er in der Mainmetropole nach. Entfacht wurde dieses Feuer aber schon viel früher: Während seiner Kindergartenzeit in Hausen.

"Damals sind wir immer zum Weihnachtsmärchen gefahren. Obwohl ich so klein war, kann ich mich noch genau an die erste Aufführung erinnern. Peterchens Mondfahrt", erzählt Schwarz. Der Besuch des Weihnachtsmärchens wird zum festen Bestandteil seiner Kindheit.

Als jungen Jugendlichen zieht es ihn dann selbst auf die Bühne. "1985 wurde am Gießener Stadttheater ›Der Sängerkrieg der Heidehasen‹ aufgeführt. Dafür wurden ganz viele Heidehasen gesucht." Und so hoppelte Schwarz vor 35 Jahren zum ersten Mal über die Bühne des Stadttheaters. Übrigens mit niemand geringerem als Til Schweiger. Schwarz lacht: "Wenn ich meinen Schülern erzähle, dass ich schon mit ihm auf der Bühne stand, sind sie immer ganz begeistert." Auf die Statistenrolle folgten erste Auftritte als Kleindarsteller. Sein "Lebenstraum", wie der Gießener es formuliert, sollte trotzdem nicht in Erfüllung gehen.

Gießener Steffen Schwarz: Mit Til Schweiger auf der Bühne

Nach dem Abitur wollte Schwarz nur eines: Schauspieler werden. Also setzte er sich während seiner Zivildienstzeit am Uniklinikum regelmäßig in den Zug und steuerte die Schauspielschulen des Landes an. Doch die Vorsprechen verliefen nicht so wie erhofft. Einmal, in München, schaffte er es unter die letzten 60 Bewerber. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass sich 800 Menschen für die renommierte Ausbildung beworben hatten. "Trotzdem musste ich akzeptieren, dass dies nicht mein Lebensweg sein sollte." Der geplatzte Traum machte ihm aber nicht lange zu schaffen. Zum einen war er froh, es wenigstens probiert zu haben. Zum anderen fand er einen Weg, seine Leidenschaft doch ausleben zu können - und das ohne die finanziellen Sorgen, die viele Theaterschauspieler plagen.

Schon vor den gescheiterten Vorsprechen hatte sich Schwarz an der Gießener Uni eingeschrieben. Also konzentrierte er sich nun auf sein Lehramtstudium der Germanistik und Politikwissenschaft. In Frankfurt fand er dann zunächst eine Anstellung als Referendar, später als Lehrer an einem Oberstufengymnasium.

Gießener Steffen Schwarz: Gründete mit Gleichgesinnten eine Kabarettgruppe 

Die Schauspielerei ließ ihn trotzdem nicht los. Über ein Filmprojekt lernte er Gleichgesinnte kennen, mit denen er eine Kabarettgruppe gründete. Auch in der Stalburg, einem kleinen Theater im Frankfurter Nordend, traten sie auf. Dem Leiter gefiel, was er sah, und er bot der Gruppe weitere Auftritte an. "Wir hatten die Idee, die Hesselsbachs zu spielen", erzählt Schwarz. Die Vorstellung habe eingeschlagen wie eine Bombe, sagt er schmunzelnd. "Und jetzt stehe ich schon seit 20 Jahren als Babba Hesselbach auf der Bühne." Man merkt Schwarz an, dass er mit dem Weg, den sein Leben genommen hat, sehr zufrieden ist. Das liegt nicht nur an seinen Auftritten auf der Bühne, sondern auch an seiner Arbeit im Klassenzimmer. Der 49-Jährige unterrichtet junge Menschen in Germanistik, Politik und Wirtschaft sowie Darstellendes Spiel. Gerade bei letzterem profitiere er stark von seinem privaten Bühnenengagement, sagt er. "Die Schauspielerei ist ein Hobby, der meine ganze Leidenschaft gehört. Durch die praktische Arbeit auf der Bühne lerne ich zudem viel für meinen Unterricht. Ich bilde mich quasi immer fort. Das ist die perfekte Symbiose." Und offenbar auch fruchtbar für seine Schüler. Eine von ihnen hat Schwarz schon im "Tatort" beobachten können, jüngst hat sie einen renommierten Filmpreis gewonnen. "Das macht mich natürlich stolz."

Die anderen Fächer sind ihm aber nicht weniger wichtig. "Es ist sehr erfüllend, Menschen etwas mit auf den Weg geben zu können und ihre Entwicklung zu begleiten. Sie aufzufordern, kritisch nachzudenken und Dinge zu hinterfragen." Schwarz räumt aber ein, dass sein Idealismus in den letzten Jahren bröckelt. "Durch das Landesabitur werden die Vorgaben aus Wiesbaden immer strenger. Vorher habe ich versucht, die Schüler in ihren Lebenswelten abzuholen. Texte auszuwählen, die zu ihnen passen. Mit den vorgegeben Lektüren hat man diese Möglichkeiten nicht mehr." Den Grundgedanken von Bildungsstandards könne er zwar nachvollziehen, sagt Schwarz, in der Praxis würden die Lehrer aber einen Teil ihrer Kreativität beraubt. "Der Unterricht wird zu sehr darauf reduziert, eine Checkliste von Kompetenzen abzuarbeiten. Es gibt wenig Raum, auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen." Das sei umso schlimmer, da es in seiner Schule auch einige junge Menschen mit schwierigen Hintergründen gebe. Nicht genügend auf sie eingehen zu können, belaste ihn auch zu Hause, sagt Schwarz. "Das kann ich nicht am Schultor abschütteln."

Gießener Steffen Schwarz: Liebe zum Kochen von seiner Mutter geerbt 

Über solche und andere Dinge denkt Schwarz häufig nach, wenn er abends in seinem Zaubergarten sitzt. Es sind aber längst nicht nur Probleme, die den Gießener umtreiben. Freunde beschreiben ihn mit den Worten Schauspieler, Lehrer - und Genießer. "Ja, das passt", sagt Schwarz ohne lange nachdenken zu müssen. "Ich liebe es zum Beispiel, mit und für Freunde zu kochen. Das habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie ist eine begnadete Köchin." Auch Wein und Gin habe er für sich als Gaumenschmeichler entdeckt. Genießen heißt für den 49-Jährigen aber nicht nur Essen und Trinken, sondern vor allem auch Zeit mit lieben Menschen zu verbringen. Seine glückliche Beziehung, die er seit vier Jahren führt, spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle.

Übrigens auch für seine Wohnortwahl. Schwarz arbeitet in Frankfurt und lebt dort auch seine schauspielerische Passion aus. Trotzdem steht aktuell nicht zur Debatte, sein Zuhause in der Bruchstraße mit einer Wohnung in Sachsenhausen zu tauschen. Das soziale Umfeld, die vielen Freunde, die Nähe zu seinen Eltern hielten ihn hier, sagt er. "Ich verbinde ganz viele Geschichten meiner Jugend mit Gießen. Das möchte ich nicht missen." Schwarz lächelt einen Moment. Womöglich denkt er gerade an solch eine prägende Episode. Dann sagt er: "Ich liebe diese Stadt. Sie ist Teil meines Lebens."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare