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Was der eine nicht mehr braucht, kann für den anderen noch von Nutzen sein. FOTO: CHH

Schatzsucher und Schnäppchenjäger

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Schlappe zwei Euro kostet das Ticket in die Vergangenheit. Wer die Pforte zum Trödelmarkt in den Hessenhallen passiert, begibt sich auf eine Zeitreise. Unmengen an Zeugnissen vergangener Tage warten darauf, an den Erinnerungen der Kunden zu kitzeln und bestenfalls für einen kleinen Obolus den Besitzer zu wechseln.

Doch statt Schätzen erwartet die Besucher zunächst einmal Tristesse. Vor den Hallen stehen Verkäufer mit langen Gesichtern. Die Dutzende Pappkartons, die sie hier unter freiem Himmel aufgestellt haben, sind vom Dauerregen aufgequollen. Den darin befindlichen Büchern dürfte es nicht besser ergehen, und auch die technischen Geräte, die dort draußen ungeschützt im Regen stehen, lösen bei den Besuchern keine Begeisterungsstürme aus.

Wohl dem, der einen Verkaufsplatz in den Hallen ergattert hat. Eine lange Schlange aus Schatzsuchern und Schnäppchenjägern schiebt sich durch die Gänge. Die Blicke wandern über die Tische und scannen Relikte aus vergangener Zeit. Geschirr aus den 50ern, Schallplatten aus den 60ern, Lampen aus den Seventies und jede Menge Game Boys, die bei den Kindern der 80er und 90er Jahre die Langeweile vertrieben haben. Alles andere als langweilig ist auch der silberfarbene Blazer, den eine Frau gerade begutachtet. "Da gibt’s auch noch die passende Handtasche dazu", sagt der Verkäufer in der Hoffnung eines doppelten Geschäfts. Doch die potenzielle Kundin winkt lachend ab. "Das wäre nur für Fasching." Es bleibt beim Konjunktiv, die Frau legt den Blazer zurück und zieht weiter.

Am nächsten Tisch fachsimpeln zwei ältere Herren über die Qualität von russischen Münzen aus dem Zarenreich. Daneben interessiert sich eine ältere Dame für Puppen. Ein Geschenk an die Enkelin? Eine Erinnerung an die eigene Kindheit?

In der steckt das Mädchen am Nebentisch noch drin. Sie dürfte etwa sechs Jahre alt sein und blickt ein wenig ratlos auf eine alte Nähmaschine. "Damit kann man nähen, zum Beispiel einen Pullover", erklärt ihre Mutter. Dem skeptischen Blick der Tochter nach zu urteilen, sorgt die Erklärung eher für Fragen als für Antworten.

Offenbar haben an diesem Sonntag viele Besucher ein Schnäppchen gemacht. Mit Kisten, Tüten und Kartons steuern sie ihre Autos an. Der wahre Preis des Flohmarktbesuchs wird für den einen oder anderen aber deutlich höher ausfallen. Am Straßenrand stehen Uniformierte und schreiben die Nummernschilder von Falschparkern auf. Das größte Geschäft an diesem Sonntag macht offenbar das Ordnungsamt. (chh)

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