Heute beginnt die Spielzeit im taT, am Samstag findet dann die Oper "Macbeth" im Großen Haus statt. FOTO: SCHEPP
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Heute beginnt die Spielzeit im taT, am Samstag findet dann die Oper "Macbeth" im Großen Haus statt. FOTO: SCHEPP

Im Schatten der Pandemie

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Mit "König Ubu" startet das Gießener Stadttheater heute Abend in die neue Spielzeit. Am Samstag steht mit "Macbeth" sogar eine Oper auf dem Spielplan. Dass das möglich ist, ist einem Kraftakt der Mitarbeiter zu verdanken und knapp 700 Corona-Tests in elf Tagen.

Es ist ein Jammer. Wenn am Samstagabend im Großen Haus des Gießener Stadttheaters die Verdi-Oper "Macbeth" aufgeführt wird, werden statt der möglichen 550 Plätze nur knapp 120 besetzt sein. Die Besucher werden auch während der Vorstellung eine Mund-Nase-Bedeckung tragen müssen, die Türen zum Saal und die Fenster zur Straße werden offen stehen. "Wir sind dennoch froh, dass wir überhaupt wieder spielen können", sagte Intendantin Cathèrine Miville am Mittwoch anlässlich des Beginns der neuen Spielzeit, die bei aller Mühe, die sich die Verantwortlichen derzeit machen, doch erheblich unter der Corona-Pandemie leiden wird. Zum Auftakt zeigt das Theater am heutigen Donnerstag das Schauspiel "König Ubu" im taT, am Samstag folgt dann "Macbeth".

Zuschauerraum in Farbzonen geteilt

"Eigentlich hätten wir ein mehrköpfiges Corona-Team benötigt, um alle Veränderungen umzusetzen und zu kommunizieren. Das war ein erheblicher Mehraufwand", betonte Miville. Unter anderem wurden die Mitarbeiter gebeten, Kontakttagebücher zu führen, in denen unter gewissen Bedingungen sämtliche Treffen im Kollegenkreis festgehalten werden sollen. Doch die Mühe hat sich auch gelohnt, immerhin habe man "verantwortbare Verhältnisse" geschaffen. "Wir wissen, dass das Hygienekonzept tragfähig ist", erklärte die Intendantin.

Dass am Samstag auch noch eine szenische Aufführung der Verdi-Oper über die Bühne gehen kann, grenzt beinahe an ein Wunder. "Ein Orchester ist unter Corona-Gesichtspunkten nicht unproblematisch, noch problematischer ist aber das Singen", sagte Miville und bezeichnete das Musiktheater daher als "die Königsdisziplin des Theaters unter Corona-Bedingungen". Dies gilt freilich auch, obwohl die Zahl der an den Aufführungen Beteiligten beschränkt ist. Insbesondere Chor und Orchester seien wegen Corona stark reduziert, zudem würden speziell für kleine Orchesterformationen konzipierte und arrangierte Fassungen musiziert.

Corona: Mitarbeiter testen sich selbst

Die herausragende unter allen Maßnahmen, die das Stadttheater ergriffen hat, um nach dem jähen Ende der vergangenen Spielzeit am 13. März nun endlich wieder Theater zu machen, ist die Entscheidung, alle Mitarbeiter und Gastkünstler engmaschig auf Corona zu testen. In elf Tagen werden so knapp 700 Corona-Tests zusammenkommen, die die Mitarbeiter freiwillig und nach einer Einführung durch das Rote Kreuz mittlerweile in Eigenregie vornehmen und in Kooperation mit der Firma Centogene in deren Testcenter am Frankfurter Flughafen analysieren lassen. "Die nächsten Tests stehen am Freitag an. Wir bekommen die Ergebnisse am Samstag, sodass am Abend kein Sänger ohne negativen Test auf der Bühne stehen wird", sagte Miville. Centogene hatte zunächst dem Orchester kostenlose Tests angeboten, die bislang noch nicht kalkulierten Kosten für die Tests aller anderen Mitarbeiter werden laut Miville Stadt und Landkreis übernehmen. "Unsere Gesellschafterinnen haben grünes Licht gegeben."

Weitere Maßnahmen und Neuerungen - auch für Besucher - in Kürze:

Die Platzkapazitäten sind extrem reduziert, sodass in nächster Zeit im freien Verkauf fast ausschließlich Karten für Gastspiele und Sonderveranstaltungen angeboten werden.

Die Kontaktdaten aller Besucher müssen festgehalten werden.

Bei kostenlosen Veranstaltungen müssen vorab Karten im Ticketshop reserviert und ausgedruckt mitgebracht werden.

Um das Einhalten der Abstände zu erleichtern, gilt "Einbahnstraßenverkehr".

Auch während der Vorstellungen und Konzerte besteht Maskenpflicht.

Die Saaltüren bleiben während der Vorstellung größtenteils geöffnet. Bei entsprechenden Witterungsverhältnissen werden auch Fenster, Eingänge und Luken geöffnet.

Die Foyer-Gastronomie bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Wer für eine Vorstellung eine Karte hat, wird im Vorfeld per E-Mail, Telefon oder Brief informiert, was zu beachten ist. Alle Besucher werden gebeten, nicht zu knapp vor Beginn der Vorstellung ins Theater zu kommen.

Die Platznummern sind aufgehoben. Der Zuschauerraum ist in verschiedenfarbige Zonen aufgeteilt, innerhalb derer freie Platzwahl besteht. Allerdings darf nur jede zweite Reihe besetzt werden. Innerhalb der Reihen müssen von allen Besuchern, die nicht zusammenwohnen, Abstände eingehalten werden.

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