Janina Foos (l.) und Alexandra Feldhaus sind für die Schulgemeinde da. FOTO: KHN
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Janina Foos (l.) und Alexandra Feldhaus sind für die Schulgemeinde da. FOTO: KHN

In der Schaltzentrale der Schule

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Das Sekretariat am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium ist für Schüler und Lehrer gleichermaßen wichtig. Gerade in einer Zeit der Unsicherheit. Zu Besuch bei zwei Frauen, die am LLG nicht einfach nur die Stellung halten.

Wenn es mal eine Zeit gegeben haben sollte, in denen Schulsekretariate der unangenehme Vorhof zur Schulleitung war, wenn man etwas angestellt hatte, dann ist diese längst vorbei. Vielmehr sind sie mittlerweile eine Schaltzentrale und für Leitung, Lehrer sowie Schüler gleichermaßen wichtig. In Zeiten der Unsicherheit können sie sogar ein Anker sein. Weil sie die Gewissheit geben: Hier kümmert sich jemand, es geht schon weiter. Zu Besuch bei Janina Foos und Alexandra Feldhaus, zwei der vier Sekretärinnen am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) in Gießen.

Ein Vormittag am LLG: Schüler und Lehrer kommen in regelmäßigen Abständen ins Sekretariat, stellen Foos oder Feldhaus eine Frage oder holen etwas ab. Schulleiterin Antje Mühlhans bittet darum, eine Kollegin anzurufen und mit ihr etwas zu klären. Klingt alles irgendwie ziemlich normal und alltäglich. Wären da nicht die Masken, die die meisten tragen, oder die Plexiglasscheiben, die auf der langen Theke aus hellem Holz befestigt sind.

Schilder mit Pfeilen und Absperrband

Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf den Alltag in den Schulen: Es gibt Hygiene-, Wege- und Unterrichtskonzepte, um die Vorgaben des Landes für den Präsenzunterricht zu erfüllen. Aber eines immerhin ist im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit gleich geblieben: Das Lächeln der beiden Sekretärinnen für jeden, der in das lang gezogene Durchgangszimmer tritt.

Als in den Schulen ab Mitte März nur noch die Notbetreuung gewährleistet werden konnte, hielten Foos und Feldhaus am LLG die Stellung. Genug zu tun gab es ja neben der alltäglichen Arbeit, die in einer Schule für 1000 Kinder und Jugendliche ohnehin anfällt. Eltern informieren, Kontakt zum Kollegium halten, parallel dazu die Rahmenbedingungen für die Abiturprüfungen und den bevorstehenden Beginn des Präsenzunterrichts schaffen. "Wir mussten von heute auf morgen 500 Schilder mit Pfeilen, Stop- oder Einbahnstraßenzeichen gestalten, ausdrucken und laminieren", erzählt Foos. "Damit waren wir zwei Wochen lang beschäftigt." Feldhaus sagt: "Dann haben wir Absperrband gesucht, aber das war in den heimischen Baumärkten ausverkauft." Genauso wie Desinfektionsmittel oder Sprühflaschen.

Foos und Feldhaus arbeiten zusammen mit Eveline Schuck und Tina Geathers im Sekretariat des LLG. Sie sind froh, ganz normal zur Arbeit gehen zu "dürfen", wie Feldhaus betont, und nicht wie andere von zu Hause aus tätig sein zu müssen. Auch den Beginn des Präsenzunterrichts konnten sie kaum abwarten. "Als die ersten Lehrer und Schüler wieder hier waren, haben wir uns riesig gefreut", sagt Foos. Man glaubt ihr sofort, dass dieser Satz nicht bloß so daher gesagt ist. "Das macht Schule aus", betont sie. "Die Arbeit mit Menschen und vor allem mit Kindern." Sie erzählt, wie sie zu einem großen Teil der Schüler vertrauensvolle Verhältnisse aufbauen. Und ihre Kollegin ergänzt: "Endlich ist wieder Leben in der Bude. Das ist schon ein schönes Gefühl." Die beiden Frauen lachen.

Angst vor einer möglichen Infektion hat keine von beiden. "Der Schulbetrieb muss ja weitergehen", sagen sie. Und ja: Es brauche doch jemanden, an den sich die gesamte Schulgemeinde wenden könne. Der vielleicht nicht immer genau weiß, wie es weitergeht - gerade zu Beginn der Schulschließungen. Aber der für andere da ist. Das hilft oft schon.

Es bleibt nicht bei netten Worten

Es ist nicht so, dass die Sekretärinnen am LLG keine Anerkennung im Alltag erhalten - das Gegenteil sei der Fall, erzählen Foos und Feldhaus: "Man fühlt sich hier wohl und aufgehoben." Aber durch die Corona-Pandemie habe sich das noch einmal verstärkt. "Danke, dass ihr hier die Stellung haltet" - diesen Satz haben die beiden Frauen oft gehört. Und es bleibt nicht bei schönen Worten: Als es darum ging, die Schilder für die Wegeführung in der gesamten Schule aufzuhängen, waren alle da: Schulleitung, Lehrer und Verwaltungsmitarbeiterinnen. Und Foos betont: "Keiner hat einen Unterschied gemacht, wer Lehrer, Leitung oder Sekretärin ist."

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