Ortstermin mit Schafen am Rande von Wieseck (v. l.): Hütehund Prinz, Schäfer Manfred Jauernig, Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, Ludwig Wiemer (Liegenschaftsamt), Fabian Zech (LPV) und Gerd Hasselbach (Umweltamt). FOTO: MÖ
+
Ortstermin mit Schafen am Rande von Wieseck (v. l.): Hütehund Prinz, Schäfer Manfred Jauernig, Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, Ludwig Wiemer (Liegenschaftsamt), Fabian Zech (LPV) und Gerd Hasselbach (Umweltamt). FOTO: MÖ

Tierische Helfer

Schafe im Einsatz als Landschaftspfleger

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Das Gebiet nahe der "Drei Teiche" in Wieseck wird mit Hilfe von Schafen entbuscht. Mit der Maßnahme soll das Verschwinden von Streuobstwiesen durch Wohnbebauung ausgeglichen werden.

Prinz hat es sich im schattigen hohen Gras gemütlich gemacht, aber Feierabend hat der schwarze Hütehund noch nicht. "Prinz auf" ruft Schäfer Manfred Jauernig seinem Mitarbeiter zu, der einen Feldweg hinabdüst und einige seiner mähenden Schützlinge einsammelt. Es sind über 300 Schafe, die am Dienstagnachmittag auf einer kargen Fläche am Waldrand oberhalb des Wiesecker Naturschutzgebiets "Drei Teiche" weiden.

Bis Ende der 1990er Jahre befand sich hier das Fahrerlager der Motocrossstrecke, weiter unten knatterten die Motorräder durch den Schlamm, ehe die Strecke 1998 geschlossen wurde. Es entstand ein artenreiches Biotop, aber weiter oben, Richtung Marburger Straße, konnte von einem Idyll keine Rede sein. Das zwischen Kleingärten und Wald gelegene Gelände verbuschte, immer wieder wurden hier illegal Hausrat und Bauschutt entsorgt, erzählt Ludwig Wiemer vom Liegenschaftsamt der Stadt am Dienstag bei einem Ortstermin.

Das ging so, bis sich die Landschaftspflegevereinigung Gießen im Auftrag der Stadt Gießen den Flächen im vergangenen Winter annahm und - gemeinsam mit einem Landwirt und Schäfern - ein weiteres Entbuschungsprojekt vorantrieb. "Hier sind wertvolle Biotope entstanden", stellte Umweltamtsleiter Dr. Gerd Hasselbach fest.

Hasselbachs Aussage indes bezieht sich nicht nur auf die vorgestellte Maßnahme, sondern eine ganze Reihe von Pflegeprojekten, mit denen das Verschwinden von Streuobstwiesen durch die Wohnbebauung Marburger Straße West seit etwa sechs Jahren ausgeglichen wird. Knapp 300 000 Euro hat die Stadt laut Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich in die naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen für das Wohngebiet gesteckt.

Auf der Fläche oberhalb der "Drei Teiche" wurden nicht standortgerechte Gehölze und und Müll beseitigt, Solitärbäume, ein kleiner Waldbereich sowie heimische Gehölze blieben stehen. Mithilfe der Schafe soll dort extensives Weidegrünland entstehen. Fabian Zech, Geschäftsführer der LPV, kündigte weitere Maßnahmen an. "Um eine bessere Erreichbarkeit der etwas abgelegenen Fläche zu gewährleisten, wird ein weiterer Korridor im Osten freigestellt, der dann ebenfalls beweidet wird." Auch Jauernig ist zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der LPV, weil er für die Beweidung auch eine Vergütung erhält. Bei anderen ökologischen Landschaftspflegeprojekten sei es in der Regel so, dass der Pächter das Geld einstreicht und die Entlohnung der Schäfer darin bestehe, die Schafe weiden zu dürfen. "Wir räumen die Landschaft auf, aber vom Geld sehen wir nichts", erzählt der wettergegerbte Mann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare