Bilderbuchtage

Ein Schaf in Rot-Weiß erobert Worte und Bilder

  • vonRebecca Hahn
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Gießen (rha). Manchmal malen Worte in der Fantasie Bilder, und manchmal spinnen umgekehrt Bilder Geschichten ganz ohne Worte weiter. Die Illustratorin und Autorin Miriam Koch versteht sich auf beide Techniken und war damit der ideale Gast zur Eröffnung der neunten Bilderbuchtage unter dem Motto "Wenn Worte Bilder malen". In kleiner Runde gab Koch in der Stadtbibliothek am Freitagabend Einblick in ihr Schaffen und führte die Gäste durch die Ausstellung mit ihren Werken.

Gießen (rha). Manchmal malen Worte in der Fantasie Bilder, und manchmal spinnen umgekehrt Bilder Geschichten ganz ohne Worte weiter. Die Illustratorin und Autorin Miriam Koch versteht sich auf beide Techniken und war damit der ideale Gast zur Eröffnung der neunten Bilderbuchtage unter dem Motto "Wenn Worte Bilder malen". In kleiner Runde gab Koch in der Stadtbibliothek am Freitagabend Einblick in ihr Schaffen und führte die Gäste durch die Ausstellung mit ihren Werken.

Kochs Erfolgsfigur ist ein weiß-rot gestreiftes Schaf namens Fiete Anders. Er fühlt sich nicht zugehörig und sucht nach seinem Platz in der Welt, bis er am Meer schließlich einen Leuchtturm entdeckt, der genauso aussieht wie er. Der Einfall dazu kam der Illustratorin kurz vor ihrem Studienabschluss 2005, als sie in Nordfriesland auf dem Deich saß und die Schafe und Leuchttürme dort betrachtete. "Anders ist ein Lebensthema für jeden", sagte Koch. "Jeder fühlt sich manchmal anders."

Trotzdem waren nicht alle gleich begeistert von Kochs Idee. "Nicht noch ein Schaf", sagten ihre Kommilitonen und rieten ihr ab. Doch Koch blieb dabei und schrieb ihre Diplomarbeit zu Fiete Anders. Was darauf folgte, kann sich die Autorin bis heute nicht erklären. Sie spazierte mit ihrer Schafsgeschichte über die Frankfurter Buchmesse, um Klinken zu putzen, und fand prompt einen Verlag.

Ausstellung in der Stadtbibliothek

"Fiete Anders ist seitdem in viele Länder gegangen", erzählte Koch. Auch unzählige Merchandising-Artikel vom rot-weißen Bleistift bis zum Hocker mit Schafsmotiv wurden produziert, darunter auf besonderen Wunsch der Autorin auch gestrickte Wollschafe. Die werden mittlerweile von Lesern nachgestrickt oder auf Reisen fotografiert. Das ungewöhnliche Schaf hat unter Bilderbuchfans Kultstatus erlangt.

Auch ein zweiter Band über Fiete Anders ist inzwischen erschienen, darüber hinaus noch eine Geschichte über einen kleinen Sanderling namens Keentied und viele weitere Arbeiten. "Ich nehme auch rein illustrative Aufträge an, bei denen ich dann nur die Bilder zum Text liefere", sagte Koch. Doch selbst in den Auftragsarbeiten erkennt man immer ihren persönlichen Stil. Fast überall finden sich rot-weiße Elemente. – "Das Thema werde ich jetzt nicht mehr los." – Meistens geht es um tierische Gestalten. Der Stil ist oft grafisch, die Farbgebung immer dezent.

"Ich zeichne per Hand", sagte Koch. "Alles, was Farbe ist, entsteht dann später am Rechner." Zur Veranschaulichung skizzierte sie für ihre Präsentation ein paar Bilder am Flipchart. "Das ist ungewohnt", sagte sie. "Normalerweise sind meine Zeichnungen Lupenarbeit." Davon konnten sich die Besucher beim Anblick der Originalzeichnungen zu Fiete Anders in der Ausstellung anschließend selbst überzeugen. Dort sieht man, mit wie vielen Details Koch arbeitet und wie sich Zeichnung und Farbe schließlich zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügen. Die Ausstellung ist noch zwei Wochen lang zu sehen.

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