Susanne Mischke. FOTO: SO
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Susanne Mischke. FOTO: SO

Sauerbraten und entführte Schafe

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Gießen(so). Tragisch, wenn der Tod Tüll trägt. Erst recht, wenn er in der Damentoilette des Landgasthofs "Zum Goldenen Hirsch" daherkommt. Eine Hochzeit auf dem Lande kann lebensgefährlich sein. Wenn Susanne Mischke im Spiel ist, allzumal.

Als Gast des Gießener Krimifestivals ist die vielfach ausgezeichnete Autorin aus Wertach im Allgäu im wahrsten Sinne des Wortes eine Wiederholungstäterin: Seit 2004 zählt die heute 60-Jährige zu den festen Größen der von Uwe Lischper organisierten Veranstaltungsreihe. Etliche ihrer Romane sind verfilmt worden, für wieder andere Krimis lieferte sie die Drehbücher.

Am Dienstag präsentierte Mischke in der Morus-Kirche fünf tödliche Kurzgeschichten. "Schall und Rauch" ist der Titel der ersten. Die habe sie wegen der Akustik der Kirche ausgewählt, scherzte sie. Was folgte, war ein munterer Wechsel tragikomischer bis skurriler Kriminalfälle aus ihren beiden Bänden "Mordsweiber" und "Mordskerle". Vom Altbürgermeister, den der Tod im Bordell ereilt, erzählt Mischke beispielsweise, dass er mit Handschellen aus rosa Plüsch ans Bett gefesselt ist. Saukomisch, wenn Sexarbeiterin Elvira ruft: "Sklave tot. Ich nix gemacht!" Und fast schon absurd, wenn sich die Witwe bei der Beerdigung wundert, warum der tote Gatte im Benz auf dem Parkplatz vor dem Friedhof gefunden wurde: "Dabei habe ich immer geglaubt, dass er heimlich in den Puff geht, während ich in der Messe bin". Wie er dahin kam, das weiß allein die Feuerwehr...

Nicht minder erheiternd das Schicksal des Muttertagsmörders, garniert mit Sauerbraten und Spätlese aus den guten Kristallgläsern oder die Geschichte von den entführten Schafen des Kommissars. Klingt alles ein wenig schräg? Mag sein. Ist ja auch der blühenden Fantasie von Frau Mischke entsprungen. Zu schräg, um wahr zu sein? Aber nicht doch! Das Leben ist irrwitzig bunt und die Menschen sind, wie sie sind. Beste Unterhaltung eben, die die Autorin bietet. Und weil der Abend so schön war, gab es am Mittwoch einen Nachschlag mit einer Lesung in Laubach.

Wer eine ganz andere Susanne Mischke kennenlernen will: Die Autorin hat soeben unter dem Pseudonym Antonia Riepp die deutsch-italienische Familiensaga "Belmonte" vorgelegt. Die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln.

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