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Zwei Kinder und eine Erwachsene: Kein Problem für das E-Lastenrad, an das sich Steffen und Claudia Arnold sowie ihre Töchter Leni und Marie in den vergangenen beiden Wochen schon gewöhnt haben.

Radfahr-Test

Familie Arnold und die "saubere Familienkutsche"

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"Radfahren neu entdecken" heißt die Aktion, die auch in Gießen durchgeführt wurde. Die Arnolds haben dabei ein E-Lastenrad getestet. Ergebnis: Die Familie will nun den Zweitwagen abschaffen.

Wer schon einmal den asphaltierten Weg vorbei an der Kleinlindener Grillhütte Richtung Allendorf hinaufgestrampelt ist, weiß, wie steil das Gelände dort ist. "Das geht richtig in die Beine, aber man hat ja Unterstützung", sagt Claudia Arnold und zeigt nach unten auf den zylinderförmigen Akku am Fahrradrahmen. Der Elektroantrieb hat freilich nicht nur ihr und ihrem Fahrzeug über die Rampe geholfen, sondern auch der fünfjährigen Marie und ihrer dreijährigen Schwester Leni, die vorne wie in einer Rikscha Platz genommen haben.

Zwei Wochen lang hat die Familie aus Allendorf/Lahn das E-Lastenrad der dänischen Traditionsmarke Christiana bikes im Rahmen der Aktion "Radfahren neu entdecken" getestet. Claudia und Steffen Arnold sind begeistert: "Super" oder "herrlich" lauten ihre Urteile. "Schade, dass wir es schon in zwei Tagen zurückgeben müssen", bedauert Claudia Arnold am Dienstag beim Treffen mit der GAZ auf dem Rathausvorplatz.

Die jungen Eltern - er arbeitet an der Technischen Hochschule Mittelhessen, sie studiert noch - standen vor der Frage, ob sie weiter einen Zweit-Pkw fahren wollen oder ob es Alternativen gibt. Claudia Arnold hatte von der gemeinsamen Testaktion von Stadt Gießen und Land Hessen gelesen und bewarb sich um ein Lastenrad.

Zehn E-Bikes, ein schnelles S-Pedelec und acht Lastenräder verlieh die Stadt Anfang Juni für zwei Wochen an Gießener Tester. Insgesamt hat das Land interessierten Kommunen für die hessenweite Aktion unter der Überschrift "Nahmobilität - Mobiles Hessen 2020" 180 Normal- und Lastenräder mit elektronischem Antrieb zur Verfügung gestellt. "Lastenräder erweitern den Einsatzbereich des Fahrrads auf Wegen, die bislang durch motorisierten Verkehr realisiert werden. Sie bieten die Chance, häufiger auf Fahrten mit dem Pkw zu verzichten oder sogar die Anschaffung eines Kraftfahrzeugs neu zu bewerten", heißt es in einer begleitenden Studie zu dem Projekt.

"Kommunikatives Verkehrsmittel"

Die Arnolds gehören exakt zu dieser Zielgruppe. "Es ist richtig angenehm, das Auto nicht für jede Kurzstrecke nehmen zu müssen", sagt Claudia Arnold. Mit dem Lastenrad, das für zweieinhalb Zentner Ladung zugelassen ist, mit geladenem Akku eine Reichweite von 40 Kilometer hat und bei Bedarf mit einem Verdeck versehen werden kann, hat die Familie in den letzten zwei Wochen einige Wege zwischen der Innenstadt und Allendorf zurückgelegt. Dass auf der Lahnstraße aufgrund der Baustelle momentan wenig Verkehr herrscht, macht es angenehmer, wie Steffen Arnold bemerkt. Den dichten Stadtverkehr meidet er mit dem Lastenrad. Aber überall, wo es Radwege oder Schutzstreifen gebe, lasse sich das scheinbar sperrige Gefährt problemlos fahren, wenn man sich an die Lenkung gewöhnt habe. Außerdem sei es ein sehr kommunikatives Verkehrsmittel. "Man erregt viel Aufmerksamkeit damit und wird oft angesprochen", erzählt Steffen Arnold. Auch die beiden Töchter haben viel Spaß, vor allem, "wenn es rumpelt".

Die Entscheidung, den Zweitwagen abzuschaffen, hat das Ehepaar schon vor dem Ende der Testphase getroffen. Sie wollen sich jetzt informieren, wo man Lastenräder kaufen kann, gerne auch gebraucht. Denn neu sind die E-Transporter nicht billig: 4000 Euro muss man für ein Rad dieser Qualität schon hinlegen. Und man sollte auch über einen ausreichend großen und sicheren Abstellplatz verfügen.

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