Am Institut Le Levant gibt es oftmals tagelang kein fließendes Wasser. FOTOS: PM
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Am Institut Le Levant gibt es oftmals tagelang kein fließendes Wasser. FOTOS: PM

Sanitäre Anlagen für Kamerun

  • vonLena Karber
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Seit 2013 gibt es in Gießen eine Regionalgruppe von "Ingenieure ohne Grenzen". Aktuell planen die Mitglieder ein Hilfsprogramm für eine Schule in Kamerun, deren sanitäre Anlagen in einem katastrophalen Zustand sind.

Das Wissen aus dem Studium ehrenamtlich für gute Zwecke nutzen - das war die Idee einiger Studenten, die sich Anfang 2011 zusammenfanden, um sich bald darauf als Regionalgruppe Gießen der bundesweiten Hilfsorganisation "Ingenieure ohne Grenzen" (IOG) anzuschließen. Etwas später, im Jahr 2012, stieß Erik Greß dazu, der auf Themensuche für seine Projektarbeit war und dabei "irgendwie hängen geblieben" ist, wie er sagt. Denn heute ist der ausgebildetete Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, der zudem ein Bachelor-Studium in Gebäudetechnik sowie einen Master-Abschluss im Bereich Energiesysteme vorzuweisen hat, längst kein Student mehr, leitet jedoch noch immer die Regionalgruppe Gießen. Dreimal war er in den letzten Jahren für IOG im Ausland im Einsatz: einmal in Uganda, ein anderes Mal in Ruanda und zuletzt in Kamerun. "Mit Urlaub hat das nichts zu tun", sagt er. "Es ist total anstrengend, weil man den ganzen Tag als Repräsentant der Organisation unterwegs ist, viele offizielle Termine hat und abends noch Berichte schreiben muss." Spaß mache es in gewisser Weise natürlich trotzdem.

Der Spaßfaktor, das merkt man, ergibt sich für Greß aus dem Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und daraus, dass er bei seiner Tätigkeit voll in seinem Element ist - trotz aller Formalien und aller Bürokratie. Projektanfragen und Konzepte laufen in der Geschäftsstelle in Berlin zusammen und werden von dort aus ausgeschrieben. Die Regionalgruppen können sich dann überlegen, welche Projekte sie umsetzen möchten. Bei der Umsetzung selbst sind sie jedoch sehr selbstständig, erklärt Greß. Dies betreffe auch die Spenden. "Jede Regionalgruppe muss selbst zusehen, dass sie die notwendigen Gelder für ihr Projekt zusammenträgt", berichtet er.

Zunächst müsse die Erkundungsphase finanziell gedeckt sein. In dieser würden alle notwendigen Informationen zusammengetragen, Kalkulationen angestellt, Kontakte geknüpft und die Durchführung geplant. "Alle unsere Projekte basieren zudem auf einer Erkundungsreise und einem Erkundungsbericht", berichtet Greß. "Und wir arbeiten immer mit einem lokalen Partner zusammen." Auch die Verwendung lokaler Materialien und Produkte habe Priorität. "Es darf nicht so sein, dass Sachen weggeschmissen werden, weil sie vor Ort nicht repariert werden können oder es keine kompatiblen Ersatzteile gibt", findet er.

Beim aktuellen Projekt der Gruppe, an dem die Mitglieder seit 2014 arbeiten, soll bald die Implementierungsphase, also die aktive Projektphase, beginnen. Gemeinsam mit der ortsansässigen Organisation ALKA (Alumni Kamerun), in der viele Deutschlehrer aktiv sind, sollen in der Stadt Bertoua die hygischen Zustände an einer Schule verbessert werden. Dort gibt es aktuell nur sechs Toiletten für 1300 Schüler.

Krankheiten bekämpfen

"In Deutschland wären es bei dieser Schülerzahl vermutlich etwa 50", schätzt Greß. "Und die sehen ja oft schon so aus, dass man sie nicht gerne benutzen möchte." Außerdem gebe es an der Schule, die zwar an das System angeschlossen sei, oftmals tagelang kein fließendes Wasser und nur wenige Sammeltonnen, die alle nicht abgedeckt seien. Auch von Waschbecken fehle jede Spur, sodass es keine Möglichkeit zum Händewaschen gebe.

IOG will daher vor Ort die sanitäre Situation verbessern, um Krankheiten zu reduzieren. Dabei präferiert die Gruppe Trocken-Trenn-Toiletten, bei denen die Ausscheidungen getrennt werden und dann kompostiert werden können, ohne dass Keime ins Grundwasser gelangen. Zudem soll ein Zwischenspeicher für Wasser gebaut werden.

Wenn alles gut läuft, sollen die Arbeiten in Kamerun Anfang nächsten Jahres beginnen. Etwa zwei der aktiven Mitglieder, die im Vorfeld Schulungen absolviert haben, sollen dann bei der Umsetzung der Pläne vor Ort sein - doch dazu müssen noch Spenden generiert werden. Aktuell geht die Gruppe davon aus, dass für das Projekt noch etwa 30 000 Euro benötigt werden. 7000 davon habe man bereits.

Mit dem Geld muss auch die Durchführung der dritten Phase, der Evaluierungsphase, finanziert werden, bei der das Umgesetzte ca. zwei Jahre später noch einmal kontrolliert und gegebenfalls repariert oder optimiert wird. Schließlich soll alles nachhaltig sein.

"Wir wollen auch Fertigkeiten vermitteln und unsere Projektpartner schulen", betont Greß. "Das Ziel bzw. die Wunschvorstellung ist es, dass es uns gar nicht braucht."

Nachdem die Gruppe 2014 kurz vor der Auflösung gestanden hatte, weil durch das Kommen und Gehen von Studenten eine hohe Fluktuation bestand und kein "harter Kern" mehr da war, hat die Gruppe aktuell etwa 30 Mitglieder. Von diesen seien etwa zehn tatsächlich aktiv, berichtet Greß. Und Studenten wären im Moment tatsächlich gar nicht vertreten. Zudem gibt es bei IOG nicht nur Ingenieure, sondern etwa auch eine Hydrogeologin, eine Geografin und einen Verfahrenstechniker. Auch jemand mit anderen Kompetenzen, etwa PR-Erfahrung, könne sich nützlich machen, sagt Greß. "Wir suchen einfach motivierte Leute, die sich einbringen können und wollen."

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