Die Ostschul-Sanierung wird teurer als geplant.
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Die Ostschul-Sanierung wird teurer als geplant.

Baumängel

Ostschule Gießen: Baumängel, „die in diesem Umfang nicht erkennbar waren“ - Deutliche Auswirkungen

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Bei Arbeiten an der Gesamtschule Gießen Ost sieht Baumängel aufgetaucht, die in diesem Umfang niemand erwartet hatte. Die Folge: Es müssen Sonderausgaben eingeplant werden.

Gießen - Keine Nachfragen, keine Diskussion: Es war schon überraschend am Montag vor einer Woche im Corona-Ausschuss, dass eine ungeplante Ausgabe in Höhe von 650 000 Euro wortlos durchgewinkt wurde. Aber vielleicht haben sich die Kommunalpolitiker auch einfach damit abgefunden, dass die Sanierung und Modernisierung von Funktionsgebäuden aus den 1960er und 1970er Jahren stets teurer wird als geplant.

Bei der Gesamtschule Gießen-Ost scheint das nun auch der Fall zu sein, denn bei den Arbeiten im Zuge des ersten Bauabschnitts wurden Baumängel festgestellt, »die in diesem Umfang nicht erkennbar waren«, wie es im Antrag des Hochbauamts auf Genehmigung der außerplanmäßigen Ausgabe in Höhe der besagten 650 000 Euro heißt.

Ostschule Gießen: Schadstoffsanierung »deutlich aufwendiger« als erwartet

Die genannten Mängel sind durchaus typisch für solche Sanierungsvorhaben. Die Schadstoffsanierung sei »deutlich aufwendiger«, als dies die Voruntersuchungen und das vorliegende Schadstoffregister hätten erwarten lassen, erläutert das Hochbauamt. Zudem müsse der Rohbau »umfangreich« statisch verstärkt werden. Diese Notwendigkeit sei erst beim Rückbau von Decken und Wandverkleidungen augenscheinlich geworden. Zudem entsprächen die Betondecken nicht dem heutigen Brandschutz-Standard und müssten ebenfalls »ertüchtigt« werden, heißt es weiter.

Zur GAZ-Anfrage an den Magistrat, was im Zusammenhang mit der GGO-Sanierung noch alles auf den Haushalt zukommen könnte, will Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser jetzt noch nichts sagen. »Über die Baufortschritte im Osttrakt, der aktuell zur Sanierung ansteht, wollen wir nach der Sommerpause im Schulausschuss berichten, bis dahin kann eingeschätzt werden, welche unvorhergesehenen Probleme durch die Bausubstanz insgesamt in diesem Bauabschnitt entstehen«, erklärte die SPD-Stadträtin.

Ostschule Gießen: Kostenrisiko bei Nachkriegsbauten bekannt

Der im Februar 2019 erfolgte Projektbeschluss des Stadtparlaments zur Sanierung der Gesamtschule Gießen-Ost sah Ausgaben in Höhe von 7,2 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt im Osttrakt vor, darin enthalten waren die Kosten für Planung und die Anschaffung von Unterrichtscontainern. Für die folgenden Bauabschnitte des Mammutprojekts gibt es noch keine Kostenschätzungen; sie sollen laut Eibelshäuser im kommenden Jahr vorgelegt werden.

Nicht erst seit den PCB-Funden in der Herderschule vor sieben Jahren - die Schadstoffsanierung kostete zwei Millionen Euro - ist bekannt, dass in Gebäuden, die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten erreichtet wurden, Kostenrisiken lauern. Beim Umbau der früheren Grundschule der US-Armee an der Grünberger Straße für die Helmut-von-Bracken-Schule stiegen die Kosten 2010/2011 von 4,5 auf acht Millionen Euro. Grund: Pfusch am Ursprungsbau. Auch die Sporthalle Ost war so ein Fall: Beim Ausbau der 46ers-Spielstätte 2007 stiegen die Kosten von 2,7 Millionen auf über fünf Millionen. Hauptgrund: Probleme mit der Statik.

Im Fall der Ostschule müssten sich Mängel aus der Entstehungszeit eigentlich in Grenzen halten, denn die wurden Ende der 1990er Jahre mitbehoben, als die Schule nach dem Großbrand vom März 1996 für über elf Millionen Mark saniert wurde.

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