Alissa Theiß inmitten der Sammlungsobjekte. FOTO: SCHEPP
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Alissa Theiß inmitten der Sammlungsobjekte. FOTO: SCHEPP

50 Sammlungen, 50 Schätze

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Am 13. Februar startete die Serie "Schätze der Uni". Heute, mit der 50. Folge, geht sie zu Ende. Dr. Alissa Theiß, die an der JLU die Sammlungen koordiniert, blickt noch einmal zurück - und verrät, was sie sich für all die besonderen Objekte wünschen würde.

Alissa Theiß steht im ersten Stock der Hermann-Hoffmann-Akademie. Um sich hat die Sammlungskoordinatorin der Justus-Liebig-Universität einige Dinge drapiert, die in den vergangenen Monaten Protagonisten der Serie "Schätze der Uni" waren. Zum Beispiel der Teddybär aus der Spielmittelsammlung, mit dem Gießener Kinder vor rund 40 Jahren unter den Augen von Wissenschaftlern spielen konnten. Auch die Talare, die viele Jahre ein trauriges Dasein in Alukisten fristeten, hat Theiß hervorgeholt. Und in einer Vitrine ist auch der Theodolit mitsamt der von Bombensplittern durchsiebten Holzkiste zu sehen, der im Februar den Auftakt dieser Serie machte. "Wir haben unglaublich viel positives Feedback für die Serie bekommen. Viele Mitglieder der Uni haben gesagt, dass sie gar nicht wussten, was für tolle Sachen wir haben", sagt Theiß.

Studenten des sprichwörtlich jüngeren Semesters dürften von vielen besonderen Sammlungen und Objekten hingegen wissen. Schließlich bietet Theiß zusammen mit der Honorarprofessorin Dr. Cornelia Weber seit dem Sommersemester 2019 regelmäßig Praxis-Seminare zur Sammlungs- und Objektforschung an. "In diesen Seminaren bekommen die Studierenden Einblicke in die Arbeit mit Unisammlungen und lernen den Umgang mit materieller Kultur in Theorie und Praxis. Auch Kulturvermittlung, Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit spielen eine wichtige Rolle."

Aber nicht nur aus dem Kosmos der JLU war die Resonanz groß. So meldete sich im Sommer Frau Schubert in der Redaktion, nachdem sie den Serienteil 19 über die Sand-Sammlung gelesen hatte. Karin Heidtmann hatte der Justus-Liebig-Universität eine umfangreiche Sammlung von Sandproben hinterlassen, die sie im Laufe der Jahre in etlichen Ländern der Welt gesammelt hatte. Die Sammlung ist umso bedeutsamer, da heutzutage das Mitnehmen von Sand in fast allen Ländern der Erde verboten ist. Als Frau Schubert den Artikel in dieser Zeitung las, musste sie an ihren Sohn denken, der 1991 Mitglied der ersten Expedition des Eisbrechers "Polarstern" zum Nordpol war - und seiner Mutter ein Fläschchen mit Sedimenten mitbrachte. Frau Schubert dachte sich, ihr Regal sei nicht der richtige Platz für solch eine besondere Probe, und vermachte sie der Gießener Uni.

Die Sand-Sammlung, die selbst die Koordinierungsstelle für Universitätssammlungen in Berlin begeisterte, lagert in einem Kellerraum in der Hermann-Hoffmann-Akademie. Ohnehin schlummern in der von Prof. Volker Wissemann geleiteten Einrichtung viele Schätze. Oft aber leider nicht in der Form, die die Objekte verdient hätten. Nicht selten musste sich Wissemann im Keller durch Kartons und Schubladen wühlen, um die besonderen Stücke zu finden.

Der Wunsch nach einem Museum

Wenn es nach Theiß ginge, dürfte sich das gerne ändern. "Natürlich wäre ein Universitätsmuseum, in dem man ausgewählte Sammlungen und Stücke ausstellen könnte, etwas ganz Großartiges." Zumal die Zahl der Sammlungen weiter wächst. So konnte Theiß einige verschollen geglaubte Sammlungen wieder ausfindig machen. Die Sammlungskoordinatorin ist daher der festen Überzeugung, ein Museum würde der JLU gut zu Gesicht stehen und auch überregional für die Hochschule werben. Solch ein Vorhaben umzusetzen, liegt aber nicht in ihrer Macht. Abgesehen davon dürfte nicht nur die Suche nach geeigneten Räumen schwierig werden, sondern auch die Finanzierung. "Ohne Sponsoren geht so etwas nicht."

Aber auch ohne Museum leuchten die Augen der Sammlungskoordinatorin regelmäßig auf, wenn sie einen Blick in die Schatzkammern der 415 Jahre alten Universität werfen kann. Kein Wunder, schließlich ist Theiß Archäologin. Welche Sammlung, welches Objekt ihr am besten gefällt? Hm. "Schwere Frage. Es ist meistens das, mit dem ich mich gerade beschäftigte." Ihr aktuelles Lieblingsobjekt stammt daher aus der Sammlung der Mathematik: ein Satz von vier filigranen Gipsmodellen zur Krümmungsmittelpunktfläche eines dreiachsigen Ellipsoids. Durch eine aufwendige Recherche fand Theiß heraus, dass es sich dabei um einen von einem Studenten gefertigten Prototypen handelt. "Der berühmte Mathematikprofessor Ernst Eduard Kummer hat es 1862 bei der Berliner Akademie der Wissenschaften vorgestellt."

In der Serie "Schätze der Uni" ist das Stück nicht enthalten. Das heißt aber nicht, dass es die Gießener niemals zu Gesicht bekommen werden: "Wir arbeiten gerade an einem Bildband über die Sammlungen der JLU, der im nächsten Jahr erscheinen soll", verrät Theiß. Gleichzeitig betont die Sammlungskoordinatorin, dass sie besondere Stücke gerne weiterhin den Lesern dieser Zeitung vorstellen möchte.

Damit ist klar: Die Serie "Schätze der Uni" endet heute zwar, die Schatzsuche aber noch lange nicht.

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