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Dr. Susanne Ließegang (l.) mit Nicolaus Koliusis und Renate Seeger-Brinkschmidt.

Sammlung von emotionalen Pflastern

  • VonDagmar Klein
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Die Buchvorstellung »Was macht die Kunst im Klinikum - Ein Foschungsbericht« glich einem kleinen Festakt. Illustre Gäste waren angereist, um der symbolischen Buchübergabe an den Ärztlichen Geschäftsführer des Universitätsklinikums, Prof. Werner Seeger, beizuwohnen.

Kunst im Klinikum, das ist in Gießen seit Jahren eine feste Größe. 2003 hat Renate Seeger-Brinkschmidt damit begonnen, Ausstellungen zu organisieren, bei denen Kunst von Patienten und Mitarbeitern gezeigt wurde. Das begann in der alten Klinik für Innere Medizin, später kam das Herzkatheterlabor dazu. Dabei entwickelte sich die Freundschaft zur Kunsthistorikerin Dr. Susanne Ließegang.

Als das neue Uniklinikum 2011 eröffnet wurde, war beiden klar, dass es mit Kunst im Klinikum weitergehen solle, aber mit neuem Konzept. »Kunst ist mehr als Bildchen an die Wand hängen«, lautet ein zentrales Statement von Ließegang. In der Folge wurde 2014 die Projektstelle der Kunstbeauftragten im Klinikum eingerichtet, und 2016 der unterstützende Freundeskreis gegründet, deren Vorsitzende Seeger-Brinkschmidt ist.

Die Pandemie-Zwangspause nutzte Ließegang um ihre Reflektionen zur Kunst-im-Klinikum weiter voranzutreiben und ein Buch zu erstellen. Sie erhielt ein Stipendium der Hessischen Kulturstiftung, deren Vertreterin Claudia Scholtz eigens aus Wiesbaden anreiste, um ein Grußwort anlässlich der Buchübergabe zu sprechen. Der ärztliche Geschäftsführer des UKG, Prof. Werner Seeger, nahm das Buch mit Freude entgegen. Er habe die Kunst im Klinikum all die Jahre befürwortet, lobte Ließegang. Das sei in der Folge der »harmonischen Schwingungen« durch seine Frau Renate geschehen, sagte er schmunzelnd. Für Dr. Christiane Hinck-Kneip, die kaufmännische Geschäftsführerin, ist die Kunst, die außer am Kapellengang noch an anderen Stellen des Klinikums zu sehen ist, wichtiger Bestandteil ihres Arbeitsplatzes. »Künstler schauen anders als wir in unserem Alltag. Das wahrzunehmen, ist eine Bereicherung.«

Auf Kommunikation ausgerichtet

Für die Bucherstellung wollte Ließegang eine »bildmächtige« Aufmachung. Darum bat sie den Künstler Nikolaus Koliusis dazu, mit dem sie 2018/19 schon die Ausstellung »Was macht die Kunst im Klinikum?« erstellt hatte. Das sei damals der erste Schritt der Reflektion gewesen, erzählt sie den Anwesenden, doch habe sie sich immer gewünscht, die Entwicklung gedruckt nachlesbar zu machen. Damit alle daran teilhaben und den Prozess weiterentwickeln können. Bei ihr stehe die Idee »Kunst heilt« nicht im Vordergrund , das sei nicht wirklich belegt. Für sie sind die Unterbrechungen des Alltags das Wichtige. »Wenn man hier durch die Gänge geht und irgendwo ein sinnbildliches ›Hallo‹ wahrnimmt, das von Gedanken und Sorgen ablenkt, dann ist viel erreicht.«

Aber nicht nur die Kunst an den Wänden wird im Buch gewürdigt, auch die anderen kulturellen Events sind mit vielen Bildern und wenigen Worten dokumentiert. Dazu gehören die Kunstgespräche, das umfängliche Fotoporträtprojekt im Klinikum (270 Berufe, 30 Nationen) sowie die Beiträge der Tanzcompagnie des Stadttheaters zur TanzArt. Ballettdirektor Tarek Assam erfreute die Anwesenden mit der Erzählung von der Spende Pflasterpäckchen für die Tänzer. »Darüber sind alle hocherfreut,« berichtet er, auch wenn die Geste zunächst klein erscheint.

Der aus Stuttgart angereiste Nikolaus Koliusis (von ihm stammt auch die Blaue Kugelvor dem Chirurgie-Treppenhaus) nahm diesen Faden auf und bezeichnete das Buch als eine Sammlung von »emotionalen Pflastern«. Die Kunst im Klinikum des UKG komme ohne festes Programm daher, sei offen und auf Kommunikation ausgerichtet - ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Wer das Buch »Was macht die Kunst im Klinikum - Ein Forschungsbericht« schnell erstehen möchte, wende sich an die Autorin (s.liessegang@t-online.de). Ansonsten ist es bei Kunstgesprächen und Vernissagen für 24 Euro zu erstehen.

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