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Hier soll bis Ende 2024 eine Neubebauung erfolgen.

Städtebauliches Ereignis

Gießen: Samen-Hahn-Bebauung startet - Was nun geplant ist

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Es ist eine Nachricht mit fast schon stadthistorischer Bedeutung: Mit der Einrichtung einer Baustelle im Reichensand sollen nächste Woche erste Arbeiten zur Neubebauung des Samen-Hahn-Areals beginnen. Der Architekt rechnet mit einer zwei- bis dreijährigen Bauzeit.

Gießen - Wenn ab nächster Woche die Einbahnstraßenregelungen in der Neustadt und der unteren Bahnhofstraße aufgehoben werden, bedeutet das nicht, dass der Verkehrsversuch gescheitert ist. Es sind vielmehr die Vorboten einer Baumaßnahme, auf die man in Gießen seit fast einem Jahrzehnt gewartet hat. Rund neuneinhalb Jahre nach dem Abriss des baufälligen Samen-Hahn-Hauses starten mit der Einrichtung einer Baustelle im Reichensand die vorbereitenden Arbeiten zur Errichtung eines Gebäudeensembles auf der Brachfläche. »Es geht um Anschlüsse für die neue Bebauung. Kanal, Fernwärme, Wasser, Strom. Die Arbeiten werden von den Stadtwerken und den Mittelhessischen Wasserbetrieben ausgeführt«, erklärte Stadtsprecherin Claudia Boje zu einer entsprechenden Verkehrsmeldung der Straßenverkehrsbehörde.

Danach bleibt der Reichensand zwischen dem Karstadt-Parkhaus und der Bahnhofstraße voraussichtlich bis zum 19. November gesperrt. Das Parkhaus und die Andienung von Karstadt bzw. die Einfahrt in die Katharinengasse bleiben frei. Damit die Neustadt und die Bahnhofstraße erreichbar bleiben, wird die seit knapp zwei Jahren geltende Einbahnstraßenregelung in den nächsten Wochen aufgehoben.

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Auch von Architekt Björn Trieschmann, der die Bebauung im Auftrag von Bauherr Karim Shobeiri plant, kommt die Bestätigung für den Beginn der Arbeiten. »Wir wollten eigentlich schon Anfang Oktober starten, aber wie viele andere Bauherren hatten auch wir Probleme, Baufirmen zu finden«, sagte Trieschmann. Die Arbeiten auf dem Grundstück selbst sollen spätestens Anfang nächsten Jahres beginnen. Trieschmann rechnet mit einer zwei- bis dreijährigen Bauzeit. »Denn es sind einige Gebäude zu errichten«, erklärte der Architekt. Die Voruntersuchungen seien mittlerweile inklusive eines Beweissicherungsverfahrens an den Gebäuden der Umgebung alle abgeschlossen. Hintergrund: Da unter dem Gebäudeensemble eine Tiefgarage geplant ist, findet der Tiefbau unter Grundwasserhaltung statt.

So sieht das im März 2020 präsentierte Konzept für die Samen-Hahn-Nachfolge aus: Unterschiedliche Fensterformate und kleine Balkone, von denen aus die Bewohner an der Fassade angebrachte Hochbeete bewirtschaften können, zeichnen das Projekt »Stadtgarten« aus. Die Rekonstruktion des Samenhauses Hahn wird in der sogenannten Inverstechnik entstehen. GRAFIK: STUDIOAW

Wie die Neubebauung aussehen soll, ist seit Sommer 2019 bekannt. Damals hatten die Stadt und Eigentümer Karim Shobeiri einen städtebaulichen Vertrag abgeschlossen, der neben baulichen Eckpunkten auch einige Fristen enthielt, die der Bauherr voraussichtlich einhalten kann.

Auf der Brachfläche am City-Center sollen unter der Überschrift »Stadtgarten« drei Neubauten mit insgesamt 60 Wohnungen entstehen. Elementarer Bestandteil wird aber die Rekonstruktion des gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshauses sein, das im Sommer 2012 abgerissen werden musste, nachdem Statikgutachten eine Baufälligkeit attestiert hatten. Als das Projekt im März 2020 präsentiert wurde, war von einer 17-Millionen-Euro-Investition die Rede.

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Die Baugenehmigung hatte die Stadt im vergangenen März erteilt; danach hatte der Bauherr gemäß städtebaulichem Vertrag neun Monate Zeit, mit den Arbeiten zu beginnen. Diese müssen dann innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein.

Mit der Neubauung wird eine schier unendliche Geschichte ein gutes Ende nehmen. Insgesamt sieben Bau- und Planungsdezernenten hatten seit 1981 mit Karim Shobeiris Vater um eine Neubebauung gerungen. Mehrere Projekte scheiterten in einem früheren oder späteren Stadium. Mehrfach traf man sich vor Gericht. Derweil nagten Wind, Wetter und ungebetene Besucher an dem denkmalgeschützten Gebäude, das als einziges 1981 den Abriss des ursprünglichen Biedermeier- und Gründerzeit-Ensembles überstanden hatte. Im Sommer 2012 erteilte die Stadt dann die Genehmigung für den Abriss.

Gleichzeitig forcierte der Magistrat seine Bemühungen für eine Neubebauung und erhöhte mit dem Erlass einer Gestaltungssatzung und der Androhung eines Baugebots den Druck auf den Eigentümer. Mit dem Abschluss des besagten städtebaulichen Vertrags im Sommer 2019 gelang schließlich der Durchbruch.

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