Wort zum Sonntag

#SagIhreNamen

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Selbst nach einer Woche gelingt es kaum, zum Alltag zurückzukehren. Mein Mitgefühl ist bei den Müttern und Vätern, bei den Familien und Freunden von Ferhat, Mercedes, Sedat, Gökhan, Hamza, Kalojan, Vili, Said und Fatih, die in Hanau aus blindem Hass erschossen wurden. Rassistisch motivierte Morde mitten unter uns. Ich möchte den Angehörigen gerne sagen, wie unfassbar traurig mich das macht. Ich möchte ihnen sagen, dass sie nicht alleine sind mit ihren Tränen, nicht alleine mit ihren Gebeten für die Toten. Ich möchte ihnen sagen, dass ich Gott um Trost und Kraft bitte für sie, um Klarheit und Wachheit für uns. Und dass ich mich an Gott wende mit den Worten aus dem bekannten Gebet Jesu: Erlöse uns von dem Bösen.

Meine Gedanken sind in diesen Tagen auch bei Shabnam, der lebensfrohen Lehramtsstudentin. Bei Kagan, dem fleißigen Student der Wirtschaftswissenschaften. Bei Peiman, der gerade die Zulassung für Zahnmedizin bekommen hat. Bei Pierrette, die hart an ihrer Promotion arbeitet. Bei Ahmet, der bald seinen Abschluss im Bauingenieurwesen erreichen wird. Alle fünf leben und studieren hier in Gießen. Ihre Familien sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder in Deutschland.

Ich möchte dazu beitragen, dass die Studierenden von Menschen erzählen können, die sie unterstützen, sich in einer anderen Kultur zurechtzufinden. Von Deutschen, die mit ihnen essen, lachen, Musik machen, auch mal in die Kneipe oder eine Shisha-Bar gehen. Von einer Gesellschaft, in der der Geist der Nächstenliebe spürbar ist für jeden Menschen, ohne dass die Herkunft dafür eine Rolle spielt. Was für mich die Studierenden sind, sind für Sie vielleicht die Nachbarn, die Kollegen oder Mitmenschen in Ihrem Ort. Helfen Sie und setzen Sie jetzt Signale des Vertrauens und der Zuversicht für unser Miteinander. Vielleicht kann dann für jeden Menschen in Deutschland wieder Alltag einkehren.

Pfarrerin Jutta Becher, ev. Studierendengemeinde

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