So humorvoll und dynamisch kennt man ihn: Gerd Steinmüller (mit einer Studentin) bei der Präsentation der jüngsten Ausstellung im KiZ. FOTO: DKL
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So humorvoll und dynamisch kennt man ihn: Gerd Steinmüller (mit einer Studentin) bei der Präsentation der jüngsten Ausstellung im KiZ. FOTO: DKL

Mit Sachverstand und Herz

  • vonDagmar Klein
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Gerd Steinmüller ist eine Institution bei den Kunstpädagogen der JLU. Nach knapp 25 Jahren als Akademischer Rat geht er nun in den Ruhestand.

Gerd Steinmüller ist derzeit dabei, "sich selbst abzuwickeln", wie er schmunzelnd sagt. In einem weitgehend leeren Institutsgebäude ist der Kunsthistoriker dabei, sein Büro zu räumen. Reihenweise Ordner müssen gesichtet, geschreddert oder verteilt werden, Bücher müssen eingepackt werden. Allerdings ist der Abtransport ein Problem, da das Gebäude des Instituts für Kunstgeschichte (IfK) von Bauzäunen und breiten Gräben für neue Versorgungsleitungen umzingelt ist. Man kommt nur zu Fuß heran.

Ausstellung aktuell im KiZ zu sehen

Immerhin sind die Bilder bereits weggebracht, da sie Teil der aktuellen Ausstellung im KiZ sind. Dort werden Arbeiten aus der Sammlung Steinmüllers gezeigt, also von ihm und seiner Frau Anne, die Sekretärin am Institut war. Die Ausstellung wurde im Sommersemester in seinem letzten Projektseminar vorbereitet. Studierende befassten sich mit dem Thema "Künstlerische Positionen am IfK seit 1980", also auch mit der Geschichte des Instituts und den künstlerischen Gastprofessor/innen. Das Eröffnungsvideo zu der sehenswerten Schau, in dem Steinmüller interviewt wird, ist online einsehbar auf den Homepages des Instituts und des städtischen Kulturamts.

Der Zeitraum, in dem Steinmüller an der JLU wirkte, ist jedoch deutlich länger als die 25 Jahre. Ende 1954 in Fellingshausen geboren, besuchte er das Liebig-Gymnasium in Gießen und startete zum Wintersemester 1973 mit dem Lehramtsstudium für Kunsterziehung und Sozialkunde. Dann kam der Wehrdienst dazwischen, eine Verzögerung, die ihn am Ende (Mitte der 80er Jahre) die Möglichkeit zur Aufnahme in eine Referendarstelle kostete. "Das Boot war voll, viele Kommilitonen mussten umsatteln."

Er entschied sich für eine Fortsetzung seines Kunstgeschichtsstudiums, was ein kompletter Neustart war, da in dieser Phase Prof. Gottfried Böhm am Institut für Kunstgeschichte lehrte. Damit kam ein neuer Methodenansatz und wurde erstmals die zeitgenössische Kunst an der Uni gelehrt. Steinmüllers Dissertation (1990) befasste sich mit den suprematistischen Bildern von Kasimir Malewitsch, wurde mit einem Preis bedacht und er erhielt ein Stipendium für New York. Dort forschte er zum Einfluss von Malewitsch auf die amerikanische Kunst, war mehrmals im direkten Gespräch mit Künstlern wie Donald Judd. Eine aufregende Zeit, erinnert er sich.

Während des gesamten Studiums hatte er als HiWi, schließlich auch als Lehrbeauftragter gearbeitet. Uni-Strukturen waren ihm also schon vertraut. Das Bemühen um eine feste Stelle war zunächst von Absagen begleitet, bis ihn Prof. Gundolf Winter, Absolvent der Kunstgeschichte an der Uni Gießen, 1992 nach Siegen holte. In den fünf Jahre an der dortigen Gesamthochschule habe er viel gelernt, vor allem wie ein Institut organisiert und verwaltet wird. Außerdem konnte er den Entstehungsprozess des Museums für Gegenwartskunst in Siegen erleben.

Dann klappte es 1996 mit der Stelle als Akademischer Rat am IfK der Uni Gießen. Ein großer Teil seiner Aufgaben bestand auch hier in der Organisation, angefangen bei der Studiumberatung und -begleitung, der Betreuung von Abschlussarbeiten und Prüfungsabnahmen, das Organisieren der jeweils neuen technischen Mittel, die Betreuung der Fachbereichsbibliothek und -mediathek, und natürlich das Mitarbeiten in Ausschüssen. Ganz so hatte er sich das nicht vorgestellt. "Das eigene Forschen steht hintenan, dazu kommt man allenfalls noch im Rahmen von besonderen Seminaren."

Und für seine Seminare hat er immer wieder interessante, auch öffentlichkeitswirksame Themen gefunden, wie zuletzt zur Kolonialfotografie. Er sorgte für Ausstellungen der Studierenden, etwa in der Reihe Kunst im Wachsen (1998-2004) in der Kanzlei Greilich und Hartmann, organisierte Einzelausstellungen mitsamt Katalogen für frühere Professoren wie von Criegern und Thiele. Als Mitglied im Vorstand des Neuen Kunstvereins (2001-2008) schlug er vor, dass die künstlerischen Gastprofessoren des IfK im Kunstkiosk ausstellen. Er war mehrfach Jury-Mitglied, begonnen mit der Hessiale 2002, als der Berufsverband Bildender Künstler seine landesweite Ausstellung in Gießen abhielt.

Den Kunstweg der Uni stets im Blick

Den Kunstweg am Philosophikum hatte er seit der Studienzeit immer im Blick. Seine erste Beschäftigung galt dem Bildhauer Gerhard Marcks. Dessen "Wiehernder Hengst" war 1974 die erste Skulptur am entstehenden Philosophikum. Steinmüller hat die weitere Entwicklung des Kunstwegs begleitet. Er engagierte sich natürlich in der Arbeitsgruppe, die sich ab 2013 Gedanken darüber machte, wie mit der Kunst umgegangen werden sollte angesichts der kompletten Umgestaltung zum Campus Philosophikum.

Und der Privatmensch Gerd Steinmüller? Der lebt mit seiner Ehefrau in Kleinlinden in einem Fachwerkgebäude, ihrem Elternhaus. Er lernte die Ortsvereine kennen, machte Führungen für sie. Zunehmend tauchten Nachlässe auf, diverse Ausstellungen zur Ortsgeschichte wurden organisiert, bis schließlich 2008 ein Archiv-Verein gegründet wurde, dessen Vorsitzender er ist. Die Krönung war 2019 die Festschrift zum 750-jährigen Bestehen des Dorfes. In diesem Bereich bleibt für ihn auch im Ruhestand genug zu tun, und die Universität wird seine Kenntnis zum Kunstweg auch künftig noch nutzen, angesichts der auf Jahre projektierten Philosophikum-Baustelle.

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