Poetry Slammer Lars Ruppel (l.) sorgt nicht nur im Gespräch mit Moderator Dietrich Faber für Stimmung. FOTO: CSK
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Poetry Slammer Lars Ruppel (l.) sorgt nicht nur im Gespräch mit Moderator Dietrich Faber für Stimmung. FOTO: CSK

Bei Ruppels unterm Sofa

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Treffen sich vier echte und ein Möchtegern-Botschafter. Sagt einer der echten, seine hessische Heimat habe ihn zu Hause in Berlin immer schon zu poetischen Höchstleistungen inspiriert. Kontert wenig später der Möchtegern: Er setze der Region halt lieber vom Vogelsberg aus ein literarisches Denkmal und verwende dafür konsequent "oberhessische Gegenwartslyrik". Na, das kann ja heiter werden. Tatsächlich wird die vierte "Corona-Kultur-Show" am Donnerstagabend im Volksbank-Forum wieder eine spaßige Mischung aus Musik, Lesung, Comedy und Talk. Als "Special Evening" angekündigt, versammelt sie diesmal vier offizielle Mittelhessen-Botschafter.

Einer davon, der Moderator und Kabarettist Dietrich Faber, fühlt sich eingangs "etwas wie in der Kirche vor dem Gottesdienst". Erwartungsfrohes Geflüster im Saal, dann betritt der Chef die Bühne - und muss sie sofort wieder für sein Alter Ego räumen. Manni "The Cruiser" Kreutzer und der Hit "Systemirrelevant" liefern den Startschuss zur Show. Der Ton ist gesetzt, das Tempo steigt fortan kontinuierlich. Lars Ruppels erster Auftritt sorgt bereits für Lachkrämpfe. In Reimform spottet sich der Poetry Slammer von dem wenigstens phonetisch unschönen Örtchen Griedel sekundenschnell zu eitrigen Nasennebenhöhlen und irgendwie weiter gen Länderfinanzausgleich. Genauere Wiedergabe: unmöglich. Aber lustig ist es.

Gespräch unter Botschaftern

Im Gespräch unter Botschaftern fragt Faber, wie Ruppel die Coronakrise erlebt. Finanziell geht’s, antwortet der. Nur seine genossenschaftlichen Anteile bei der Volksbank, die habe er aufgeben müssen. Der Ernst des Lebens lauerte derweil in der familiären Sphäre. "Mit Zwillingen hast du eigentlich immer schon Krise gehabt", sagt Ruppel und erzählt, dass er im Frühjahr zwei Säcke Sand als Spielplatz-Ersatz auf dem Balkon ausgeschüttet habe. Seither sieht ein Lockdown bei Ruppels wohl nicht nur unterm Sofa aus wie Strandurlaub.

Yana Gercke erklärt, warum eine gebürtige Biedenkopferin nach dem Studium in München freiwillig ins "Marburger Hinterland" (Faber) zurückkehrt. Fest steht: Allein durch diesen Schritt hat sich die Sängerin den regionalen Diplomaten-Status verdient. Faber berichtet, er habe 2012 hauptsächlich aus musikalischer, ein bisschen aber auch aus lokalpatriotischer Überzeugung für Gercke gevotet, als sie sich bei "Unser Star für Baku" bewarb. Gercke schied trotzdem im Halbfinale aus. Die Konkurrenz muss groß gewesen sein, denkt manch einer nach der Live-Kostprobe von "Oh Alaska" (Gercke, Dominik Reh, Sascha Christ).

Der Fußballteil beginnt ob technischer Schwierigkeiten am Tablet ohne einschlägige Faber-Kolumne. Umso länger ist Ex-Nationalspielerin Nia Künzer dran. Natürlich kommt die Rede auf ihr Golden Goal im Finale der WM 2003. Inzwischen leitet die Wetzlarer WM-Heldin, Diplom-Pädagogin und - na klar - Mittelhessen-Botschafterin das Dezernat Sozialbetreuung, Integration und Ehrenamt beim Regierungspräsidium. Ruppels zweiter Auftritt geht schließlich über in ein Gespräch Kreutzers mit Jens Ihle vom Regionalmanagement.

Fast schüchtern bewirbt sich Manni dort um die Botschafter-Würde, scheitert und drängt Gercke zu einem gemeinsamen musikalischen Finale. Der "Kosmoprolet" wird stimmungstechnisch noch überboten - weil Ruppel den Abend in Gedichtform gießt.

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