+
Tess Wiley (l.) und Cordula Poos beim Auftritt in der Galerie 23.

Rundum gelungene Premiere

  • schließen

Gießen (bf). Die Vielfalt der Giennale ist groß, und Konzerte gehören selbstverständlich zum Spektrum. Ebenso wie ungewöhnliche Orte. In der Galerie 23 gab es noch nie ein Konzert, und die Musikerinnen hatten ebenfalls eine Premiere: Tess Wiley und Cordula Poos demonstrierten am Donnerstag, wie fantastisch sie und ihre Instrumente harmonieren. Das Publikum war begeistert.

Wiley, die Amerikanerin, die schon seit Jahrzehnten in Gießen lebt, ist weithin bekannt als Singer-Songwriterin, die zur Gitarre tatsächlich auch Geschichten erzählen kann. Harfenistin Cordula Poos war Orchestermusikerin am Stadttheater. Zudem kennt man sie von zahlreichen sehr erfolgreichen Konzerten mit dem Perkussionisten Markus Reich als Duo Poco Piu. Die Orchesterlaufbahn gab sie vor einiger Zeit auf, weil sie ihr eigenes Projekt Daisy and her Farm mit der Soloharfe weiterentwickeln will. Zufällig trafen sich die zwei erfahrenen Musikerinnen und Komponistinnen und entwickelten ein gemeinsames Auftrittsprojekt. Poos schrieb für Wileys aktuelle CD "Femme sole" einige Begleitungen auf der Harfe, und man fand eine gut funktionierende Basis für gemeinsames Spiel und Gesang.

Musikalische Synthese

Schon der Auftakt mit Wileys "Tornadoes" war ein Vergnügen. Hier zeigte sich die gute Übereinstimmung aller Faktoren: Die Stimmen passen sehr gut zueinander, Poos singt ebenfalls ausgezeichnet und ausdrucksvoll. Zum anderen passen die Instrumente exzellent zueinander. Das liegt vor allem daran, dass Poos die Harfe spieltechnisch verfremdet. Sie spielt sie einmal wie eine Gitarre, dann wieder wie ein Klavier - die Töne sind vorhanden - und setzt natürlich auch die traditionellen Harfen-Klangelemente ein. Von beiden erklangen auch eigene Songs.

Neben dieser musikalischen Synthese hörte man auch Poos mit eigenen Texten und Liedern ("Nacht"), in denen sich die Vielseitigkeit und ihr neuartiger Ansatz zeigten. Nicht zuletzt kann sie neben einer charismatischen Sängerin wie Wiley bestehen: ihre natürliche und expressiv maßvolle Vortragsweise nahm durchgehend für sich ein. Zwei Frauen also, die ihre beachtlichen musikalischen Kompetenzen ebenso zwanglos wie überzeugend vereinigten. Und dann noch Wileys zweite Zugabe für die hingerissenen Zuhörer, "How much I love you", in der sie ihren wunderbar vollen Stimmumfang ganz zeigte - eine rundum gelungene Premiere.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare