Die Teilnehmer der Premieren-Führung vor dem neuen 3Steps-Bild zu Wilhelm Conrad Röntgen neben dem Theaterlabor.
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Die Teilnehmer der Premieren-Führung vor dem neuen 3Steps-Bild zu Wilhelm Conrad Röntgen neben dem Theaterlabor.

Rundgang zu Röntgen-Orten

  • vonDagmar Klein
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Das diesjährige Röntgen-Jubiläumsjahr 2020 fiel weitgehend dem Corona-Lockdown zum Opfer. In Gießen wurden Teile der ursprünglichen Planung dennoch umgesetzt, wie im Juni/Juli die Ausstellung mit künstlerischen Röntgen-Bildern im Uniklinikum. Nun hatte die neu konzipierte Stadtführung zu Röntgen-Orten in Gießen Premiere.

Startpunkt der neu konzipierten Stadtführung zu Röntgen-Orten in Gießen war zur Premiere das Röntgen-Denkmal im Theaterpark, das am 21. Oktober 1962 feierlich enthüllt wurde. "Es ist das erste moderne Denkmal im Nachkriegs-Gießen und das erste Röntgen-Denkmal überhaupt, bei dem die Entdeckung der X-Strahlen im Vordergrund steht und nicht die Person des Entdeckers", erläuterte Stadtführerin Dagmar Klein.

Und warum erhielt Gießen ein solches Denkmal? Weil der Physiker in den Jahren 1879 bis 1888 an der Universität Gießen lehrte. Von Gießen aus ging er nach Würzburg, wo er am 8. November 1895 die X-Strahlen entdeckte. Also vor 125 Jahren. Die Entdeckung sorgte für Aufruhr nicht nur in der Wissenschaftswelt, sondern weit darüber hinaus. Erstmals konnte man ins Innere des Menschen blicken! Das hatte für die Medizin eine immense Bedeutung, aber auch auf Rummelplätzen und Varietébühnen wurden X-Strahlen genutzt.

Röntgen hat diese Entdeckung nicht patentieren lassen, hat zum Thema keine weiteren Vorträge gehalten und nicht selbst geforscht. Das überließ er anderen. Sogar bei der Verleihung des (ersten) Nobelpreises für Physik blieb er die Nobel-Rede schuldig. Dem Medien-Hype hat er sich verweigert.

Während des Spaziergangs lernten die Teilnehmer die Wohn- und Arbeitsorte Röntgens kennen. Nur die Monate des Sommersemesters 1879 wohnte das Ehepaar in der Alicenstraße 33 und Prof. Röntgen nutzte das Laboratorium im Hinterhof der Frankfurter Straße 10. Dieses hatte Röntgens Vorgänger Heinrich Buff errichten lassen, doch entsprach es längst nicht mehr den Ansprüchen der Zeit. Röntgen verhandelte mit der Universitätsleitung und schon zum Wintersemester konnte er die Räume im soeben fertig gestellten neuen Hauptgebäude an der Ludwigstraße beziehen. Dort störte allerdings der bald angeschaffte Gasmotor mit seinem permanenten Lärm die akademische Ruhe. Streitigkeiten waren die Folge.

Eine neue Wohnung fand das Ehepaar Röntgen in der Südanlage 17, im Nachbargebäude zogen seine Eltern ein. Vater und Mutter Röntgen starben in den ersten Gießener Jahren, weswegen sich die Familiengrabstätte Röntgen auf dem Alten Friedhof befindet. Dort am Grab endete nach 2,5 Stunden die interessante Führung mit dem Verlesen von Auszügen der Grabrede.

Lob der "guten Luft" in Gießen

An allen Stationen ging die Stadtführerin mit Wort und Bild auch auf die Stadtentwicklung ein. Zum Beispiel war die Südanlage in Röntgens Zeit zur Hälfte noch ein baumgesäumter Fußweg und die Johanneskirche noch gar nicht gebaut. Und mit Staunen nahm man zur Kenntnis, dass Berta Röntgen in einem Brief eine Freundin einlud, sich in Gießen zu erholen, weil hier die Luft so gut sei. Gießen als Luftkurort, wer hätte das gedacht! FOTO: BF

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