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Rudolf Haibach in seiner Kanzlei an der Moltkestraße. Das Bild hinter ihm zeigt ihn gemeinsam mit seinem Vater.

Mensch, Gießen

Rudolf Haibach: Jurist, Psychologe und Pastor

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Der Gießener Rudolf Haibach ist vom Magazin Stern als einer der besten Fachanwälte für Familienrecht ausgezeichnet worden. Zu seinen Mandanten gehören viele Promis.

Fast drei Minuten dauert das Imagevideo, das Porsche anlässlich seines 70-jährigen Bestehens veröffentlicht hat. Es geht mal pathetisch, mal augenzwinkernd um den Mythos Sportwagen. Als der Sprecher sagt: »Wir sind 70 Jahre alt, aber kein bisschen erwachsen«, lächelt Rudolf Haibach sanft und tippt mit dem Finger mehrmals auf seine Brust. Der 70 Jahre alte Gießener Jurist sagt, wenn er die Besessenheit sehe, mit der die Ingenieure von Porsche arbeiten, und deren unbedingten Willen zur Leistung, erkenne er sich darin wieder. Bei einer Umfrage des Magazins Stern unter 4500 Rechtsanwältinnen und -anwälten ist Haibachs Kanzlei als beste im Familienrecht ausgezeichnet worden. »Erfolg ist nicht selbstverständlich, sondern Arbeit im Detail auch in vermeintlich unwesentlichen Dingen«, sagt Haibach, der immer wieder Promis wie Lilly Becker zu seinen Mandantinnen und Mandanten zählt. Er überlegt kurz und fügt hinzu: »Und natürlich braucht man Glück.«

Haibach ist gebürtiger Gießener. Sein Vater, erzählt er, war zu dessen Zeit einer von fünf Anwälten in der Stadt. Schon als kleiner Junge habe er ihm über die Schulter geschaut. Dass er mal in die Fußstapfen seines Vaters treten werde, sei ihm sehr früh klar gewesen. Haibach studierte in Gießen und Freiburg Jura und trat 1981 in die Kanzlei seines Vaters ein. Mittlerweile kann er auf 40 Jahre Anwaltstätigkeit zurückblicken.

40 Jahre Anwaltstätigkeit

Haibach ist sich sicher: Wüsste sein Vater, was er aus der Kanzlei gemacht hat, wäre er stolz auf seinen Sohn. »Ich habe nicht einen Tag gedacht: Heute habe ich keine Lust, ins Büro zu gehen.« Der Beruf, betont er, sei seine große Leidenschaft. Und dann sagt Haibach mit einem Lachen einen typischen Haibach-Satz: »Mein Ziel: bis 85 ganztags und danach halbtags.«

Die Sache ist die: Man kauft ihm das ab. Haibach ist ein einnehmender, zugewandter Mensch, der gleichzeitig seine Meinung offensiv vertritt und auch mal anecken kann. Klartext nennt Haibach das, und so spreche er auch mit seinen Mandantinnen und Mandanten. »Wir beenden auch Mandate, wenn wir glauben, dass es nicht passt.« Oder er verweise auf andere Kanzleien, wenn Anfragen kommen, die nichts mit Familien- und Erbrecht zu tun haben. Haibach fügt hinzu: »Was ich sage, ist authentisch und nicht geschönt, aber auch nicht schwarzgemalt.«

Diese beiden zentralen Wesenszüge kann sich Haibach einfach erklären: Die Direktheit, aber auch den Blick fürs Wesentliche habe er von seinem Vater geerbt. Die Freude am Umgang mit Menschen und die innere Ruhe habe ihm seine Mutter mitgegeben. So gebe es keinen Fall, der ihn aufregen würde. Ein Mandant habe ihm mal gesagt, es ärgere ihn, dass Haibach immer so wirke wie Buddha. Haibach schmunzelt, als er das erzählt. Dann sagt er: »Es wäre doch schlecht für ihn, wenn ich aufgeregt sei.«

Es war seine Idee, sich auf Familien- und Erbrecht zu spezialisieren und die Idee seiner Ehefrau, Kanzleien in anderen Städten zu eröffnen. Auch wenn es eine Menge Pendelei bedeutet - »Im Jahr bin ich 80 000 Kilometer auf Achse«, sagt Haibach -, bereut der Anwalt diesen Schritt nicht. Zum einen, betont er, werde die Rechtsprechung immer komplexer. Der Fokus auf ein Fachgebiet sei unumgänglich, damit Juristen sich nicht verzetteln. Dass seine Kanzlei so erfolgreich sei, habe unter anderem mit der Konzentration auf das Familien- und Erbrecht zu tun. Gleichzeitig sei es für ihn wie ein »Lebenselixier«, regelmäßig in seinen Kanzleien in Frankfurt und München, aber auch in Hamburg zu sein, wo er viele Mandate hat. Gießen bleibe seine Heimat, sagt Haibach, »aber die Ländlichkeit hier hat neben ihren positiven auch negative Seiten.«

Schlammschlacht vermeiden

Haibach ist ein Mann des Wettstreits. Wobei »Streit« vielleicht das falsche Wort ist. Der Anwalt demontiert die gegnerischen Parteien möglichst nicht, vermeidet Konfliktverteidigung, sondern versucht zuerst eine außergerichtliche Einigung zu erreichen. »Das ist schneller, billiger und effizienter.« Bei Scheidungen zum Beispiel sollte es in der Regel keine Schlammschlacht geben. »Es ist ein Problem, das es zu lösen gilt. Es geht nicht um juristische Besserwisserei, sondern um konsensorientiertes Arbeiten.« Deshalb durchdenke er ein Mandat nicht bloß juristisch, sondern auch strategisch. Es sei wichtig, betont Haibach, im Familienrecht die Führung als Anwalt nicht aus der Hand zu geben. Gerade Entscheidungsträger in großen Unternehmen seien es gewohnt, zu bestimmen. Aber wenn sie als Mandanten auftreten, sei es wichtig, »als Anwalt zu führen und nicht einfach nur abzuwickeln. Der Kapitän des Schiffs ist der Anwalt und nicht der Mandant«. Denn eines sei klar - und jetzt folgt wieder ein typischer Haibach-Satz: »Wir sind für Erfolge zuständig, nicht für Misserfolge.«

Haibach strahlt diesen unbedingten Willen zum Erfolg aus. Dazu gehört, dass er offensiv damit umgeht, dass seine Kanzlei nicht billig ist - und auch nicht sein will. »Jedes Mandat ist maßgeschneidert«, betont er. »Außerdem vertreten wir immer wieder Mandanten, die nichts bezahlen, aber qualifizierte Hilfe brauchen.« Sogenannte Pro-bono-Fälle zu übernehmen, sei ihm und seinem Team wichtig. »Es tut uns gut, sie zu machen. Das fördert immer wieder die Bodenhaftung.«

Generell scheint Haibach ein Menschenfänger zu sein. Sein Umgang mit seinen Angestellten wirkt sehr eng. Im Gespräch mit dieser Zeitung ruft er zum Beispiel immer wieder Mitarbeiterinnen hinein. Zum Beispiel die junge Anwältin Christina Fend, die er für sehr talentiert hält. Oder Ingrid Debus, die bereits unter seinem Vater gearbeitet hat. Sie ist seit 52 Jahren in der Kanzlei angestellt. Zu ihrem 25-jährigen Jubiläum hat Haibach ihr eine Rolex geschenkt. »Sie ist wie ein Schweizer Uhrwerk, nur mit viel Herzblut«, sagt der Anwalt. Ihm ist es wichtig, dass sich sein Team »sauwohl« fühlt. »Jeder macht hier seinen Job. Wir sind voll ausgelastet, deshalb suchen wir weiterhin Anwälte, die zu uns passen.« Aber keiner wirke gereizt. »Wir sind wie eine große Familie. Und das geben die Mitarbeiter dann auch zurück.«

Der Gießener wird im Boulevard als Scheidungsanwalt der Promis bezeichnet. Von solchen Titeln hält Haibach nichts. Er gibt vielmehr zu, dass ihn manche Mandate lange beschäftigen - selbst, wenn sie schon längst abgeschlossen sind. Das Familienrecht kann eine sehr emotionale und belastende Angelegenheit für die streitenden Parteien sein. »Wir sind Menschen und keine Computer, denen nichts wehtut«, sagt Haibach. Deshalb sieht er seine Rolle nicht ausschließlich als Jurist. »Ich bin gleichzeitig auch Psychologe und Pastor.« Diese Kombination mache seinen Beruf so besonders und reizvoll.

Haibachs Arbeitsethos ist berüchtigt. Er ist um 5 Uhr wach - manchmal auch schon früher - und erledigt die erste Korrespondenz. Um 9 Uhr sitzt er im Büro. Früher habe er 16 Stunden am Tag gearbeitet; dies habe seine Familie zu spüren bekommen. »Ich war ein schlechter Vater«, sagt er, »weil ich mich zu wenig um meine Kinder gekümmert habe.« Seine Ehefrau jedoch habe den Sohn und die Tochter »exzellent« erzogen: Er ist im Risikokapital-Bereich tätig, sie als Anwältin in London. Da klingelt Haibachs Smartphone. Er strahlt, nimmt ab: Seine Tochter ist dran. Er berichtet ihr, dass er gerade dem Redakteur erzählt hat, er sei ein schlechter Vater gewesen. Aus dem Lautsprecher hört man ein herzliches Lachen. »Das würde ich so nicht unterschreiben«, sagt die Tochter. Sie ist vor kurzem Mutter geworden - und Haibach zum ersten Mal Großvater. Er freut sich darauf, bald mit der Großfamilie zusammenzukommen. Dann sagt er: »Ich liebe das Leben, und jetzt bin ich auch mal als Mensch dran.«

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