Ungewöhnlich schmal war der rote Teppich bei der Preisverleihung der Seriale. Doch das internationale Webserien-Festival aus Gießen fand dieses Jahr auch ausschließlich online statt. 
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Ungewöhnlich schmal war der rote Teppich bei der Preisverleihung der Seriale. Doch das internationale Webserien-Festival aus Gießen fand dieses Jahr auch ausschließlich online statt. 

Roter Teppich im Internet

  • vonSebastian Schmidt
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Das Team der Seriale, dem Webserien-Festival aus Gießen, hat sich von Corona nicht abschrecken lassen. Kurzerhand verlegten die Macher ihr Konzept ins Internet. Darin können sie auch Vorteile erkennen.

Wem sollte eine Umstellung auf digital leichter fallen als der Seriale, dem Festival für Webserien in Gießen? Die Verantwortlichen haben wegen Corona alle Beiträge der sechsten Auflage kostenlos online gestellt und am Sonntag in einem Livestream die Gewinner bekannt gegeben.

Wenn die Überlebenden in "Fehler 78" mit Schutzanzügen durch das Bild laufen, weckt das Assoziationen zu Corona, auch wenn es hier nicht zu einem apokalyptischen Szenario gekommen ist. Dass die argentinische Serie nicht heute, sondern in der Zukunft spielt, merkt man erst, wenn die künstliche Intelligenz ihres Vans zu sprechen anfängt. Und das macht sie auf Spanisch.

Beiträge aus 18 Ländern

Bei der Seriale werden die Serien in Originalsprachen gezeigt, aber englische Untertitel eingeblendet. Auf Englisch ist auch die Preisverleihung des internationalen Festivals durchgeführt worden. Insgesamt wurden 71 Serien aus 18 Ländern eingereicht.

Aus dem Programm der Seriale sticht heraus, dass es eine ganze Reihe von Science-Fiction-Titeln gibt. Bei Low-Budget-Produktionen stellt sich da die Frage, wie die Spezialeffekte gemacht wurden. So zum Beispiel, wenn die Astronautin in "Otherside" im Weltall schwebt und der Bildausschnitt vergrößert wird, um zu zeigen: die Verbindung zur Raumstation wurde gekappt. Steht sie vor einem Green-Screen, wird die Kamera nach hinten gezogen. Aber was ist mit dem durchtrennten Kabel, das jetzt in der Schwerelosigkeit liegt?

Genau an diesen Stellen entfesselt das Medium seine Magie, wenn der Fokus des Betrachters auf die Kreativität der Macher fällt. Einer der Gewinner des Abends hat sich das besonders zunutze gemacht und wurde dafür belohnt.

Die Serie "True Demon" hat gleich vier der 19 Preise gewonnen: bestes Sound-Design, beste visuelle Effekte, bester Schnitt und beste Kinematographie. Die Hommage an "Blair Witch Project" (1999) ist darin deutlich zu sehen. Die Horrorserie hat die Elemente einer Pseudo-Dokumentation übernommen - der Kameramann ist Teil der Schauspieler -, wurde aber im gleichen Atemzug verjüngt. Die Protagonistin dreht die Videos nicht für eine angebliche Dokumentation, sondern für ihren YouTube-Kanal. Auch das Thema der jungen Heranwachsenden in einem abgelegenen Wald findet sich wieder. Wofür die visuellen Effekten in der Serie benutzt wurden, war bei der Auszeichnung laut Jury-Mitglied Matthias Noe ausschlaggebend: "Wir wollten den Preis einer Serie geben, in der die Macher nicht nur ihr technisches Können zeigen, sondern in der die Effekte narrativ eine Rolle spielen."

Die Hauptkategorie als beste Serie und damit auch das Preisgeld von 1000 Euro hat die argentinische Serie "Migrant Stories" gewonnen. Sie handelt von einem jungen Mann, der allein nach Buenos Aires reist. Dort trifft er in der fremden Großstadt auf eine freundliche Gemüsehändlerin, die ihm weiterhilft. Jury-Mitglied Astrid Matron begründet die Wahl: "Es ist nicht nur eine rührende, gut produzierte und unterhaltende Serie. Sondern sie verarbeitet auch ein weit verbreitetes und zeitgemäßes Thema."

Nächstes Jahr wieder vor Ort

Veranstalter Csongor Dobrotka erzählt, dass allen Beteiligten besonders gefallen habe, dass fast alle Serien-Macher während der Red-Carpet-Veranstaltung zugeschaltet werden konnten. "Dieses Zuschalten können wir uns auch für die Zukunft vorstellen", sagt er. Man wolle nächstes Jahr aber wieder eine Präsenz-Veranstaltung machen. "Mit den Kino-Vorführungen als Event können wir auf die Webserien besser aufmerksam machen."

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