Unfall-Atlas

Rote Punkte stehen für Verkehrs-Verletzte

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528 Menschen sind 2018 in Gießen bei Verkehrsunfällen verletzt worden. Auf dem Anlagenring und in der Frankfurter Straße gibt es viele Unfälle. Auch Radfahrer leben gefährlich.

Auf dem Baumstumpf steht eine rote Kerze. Sie erinnert an den Mann, der am 9. Juli 2018 in der Udersbergstraße mit seinem Wagen gegen eine Birke geprallt ist. Jede Hilfe kam zu spät. Dieser Zusammenstoß ist der einzige tödliche Unfall, der sich im vergangenen Jahr im Gießener Stadtgebiet ereignet hat. 2016 starb ebenfalls eine Person, 2017 kamen zwei Menschen durch Unfälle ums Leben. Das alles ist aus dem Unfallatlas zu entnehmen, den das Statistische Landesamt jetzt im Internet veröffentlicht hat.

Unfälle mit Todesfolge sind in der Stadt Gießen zum Glück die Ausnahme. Keine Seltenheit sind hingegen Kollisionen, bei denen Menschen verletzt werden. Der Unfallatlas liefert zwar keine absoluten Zahlen, einer Nachfrage beim Landesamt zufolge ereigneten sich im vergangenen Jahr jedoch 528 Unfälle in der Universitätsstadt. Dabei wurden 475 Menschen leicht und 62 schwer verletzt. Das ist in allen Kategorien ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die interaktive Karte zeigt, dass es auf der Frankfurter Straße besonders häufig kracht. Vor allem der Abschnitt zwischen Elefantenklo und Klinikstraße ist betroffen. Hier haben sich im vergangenen Jahr mindestens 13 Unfälle ereignet, bei denen Personen verletzt worden sind. 2017 waren es genauso viele, 2016 sogar 19.

Was viele Gießener fühlen, wird durch Fakten aus dem Unfallatlas bestätigt: Auch der Anlagenring ist für Verkehrsteilnehmer ein gefährliches Pflaster. Rechnet man Nord-, Süd-, Ost- und Westanlage zusammen, kommt man auf 36 Punkte - jeder einzelne steht für einen Unfall mit Personenschaden. In die Ludwigstraße musste die Polizei im vergangenen Jahr ebenfalls häufiger ausrücken, zudem sind die Licher und die Grünberger Straße sowie der Schiffenberger Weg stärker betroffen. Das gilt auch für die Rudolf-Diesel-Straße.

Dass es an diesen Straßen häufiger zu Kollisionen kommt, ist keine Überraschung. Schließlich pendeln jeden Tag über 35 000 Arbeitnehmer in die Stadt, ein Großteil davon mit dem Auto, nicht wenige über eben jene Einfallstraßen.

Das sagt auch Polizeisprecher Jörg Reinemer. "Natürlich passieren auf stark frequentierten Straßen mehr Unfälle." Er würde diese Straßen aber nicht generell als Gefahrenquellen bezeichnen, zumal solche Abweichungen in Statistiken immer mal wieder vorkämen. "Man sollte diese Spitzen daher nicht überbewerten." Fakt sei jedoch, dass die Polizei immer wieder auch zu schweren Unfällen zwischen Auto- und Radfahrern gerufen werde. "Die Schuldfrage ist dabei in etwa ausgeglichen. 50 Prozent der Unfälle werden durch Autofahrer verursacht, die anderen 50 durch Radfahrer."

21 Unfälle innerhalb des Rings

Ein Blick in den Unfallatlas zeigt, dass Fahrräder nach Autos am häufigsten in Unfälle verwickelt sind. Und im vergangenen Jahr ist es besonders innerhalb des Anlagenrings zu Unfällen mit Verletzten gekommen. Rund um Neustadt, Marktplatz, Neuen Bäue und den umliegenden Straßen hat sich die Zahl der verletzten Personen verdreifacht. Während 2017 lediglich sieben Menschen (2016: 13) bei einem Unfall zu Schaden kamen, waren es im vergangenen Jahr 21. In 15 Fällen war ein Radfahrer beteiligt. Jan Fleischhauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) will daraus aber nicht zwingend einen Trend ablesen. "Das können zufällige Schwankungen sein", sagt der Verkehrsexperte. Zudem fügt er an, dass lediglich einer von drei Radverkehrsunfällen mit verletzten Radfahrern polizeilich aufgenommen werde. "Von daher könnte zum Beispiel auch eine höhere Polizeipräsenz in der Innenstadt zu mehr Unfallaufnahmen geführt haben." Nicht zuletzt könnte aber auch schlicht die Anzahl der Radfahrer gestiegen sein. "Wenn es wärmer und trockener ist - so wie 2018 - wird mehr Rad gefahren - und es passieren auch mehr Unfälle."

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