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Hier arbeitet er und engagiert sich für seine Stadt: Gießen-Aktiv-Vorsitzender Robert Balser im Seltersweg. FOTO: SCHEPP

Innenstadt-Entwicklung

Robert Balser kämpft für den Masterplan

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Vor 25 Jahren wurde Robert Balser zum Vorsitzenden des Arbeitskreises Handel gewählt, seit 2010 führt er den Verein Gießen aktiv. Sein Lieblingsthema in all den Jahren: Der Masterplan für Gießen.

Seit Jahrzehnten schwingt sich Robert Balser jeden Morgen im Ostviertel auf sein Rad und fährt durch die Stadt zu seinem Juwelier-Geschäft in den Seltersweg. Veränderungen im Stadtbild und vor allem in der Fußgängerzone nimmt der 59-Jährige wie ein Seismograph wahr. "Wenn man bedenkt, wie die Fußgängerzone vor 15 oder 20 Jahren aussah, dann haben wir in Gießen heute eine Perle", lobt Balser das Erscheinungsbild und die positive Entwicklung, die auch die sogenannten Nebenlagen wie Plockstraße, Neuenweg, Katharinengasse, Löwengasse oder das City Center genommen haben.

Die bauliche Aufwertung der Fußgängerzone stand schon auf der To-Do-Liste des Einzelhandels, da war Robert Balser noch Vorsitzender des Arbeitskreises Handel. Ende Januar 1995 war Balser, damals erst 35 Jahre alt, zum Vorsitzenden und Nachfolger von Ulrich Vieth gewählt worden. Anchorman des AKH war damals Karstadt-Chef Wilfried Behrens, den Balser als sein "Vorbild" bezeichnet. Behrens habe über den Tellerrand der Fußgängerzone hinaus und gesamtstädtisch gedacht. "Er hat immer den Fokus auf die ganze Stadt gelegt und gesagt: Funktioniert die Stadt, dann funktioniert der Handel." Der Satz von Behrens sei noch immer richtig, sagt Balser und bringt sein "Lieblingsthema" ins Gespräch: den "Masterplan" für Gießen. Daran jetzt zu erinnern, passt: 15 Jahre ist es her, dass die Stadt ein "strategisches Entwicklungskonzept 2020" vorgelegt hatte. 2020 ist da, aber einen neuen Masterplan, den sich die aktuelle Koalition aus SPD, CDU und Grünen für diese Wahlperiode vorgenommen hatte, gibt es nicht. Er wird auch nicht mehr kommen; in gut einem Jahr ist Kommunalwahl.

Im kommunalpolitischen Metier muss sich ein Vorsitzender von Gießen aktiv auskennen, und das tut Balser. Er hatte es bis jetzt mit drei OB und vier Planungsdezernent/innen zu tun, mit Roten, Grünen und Schwarzen. 1997 wollte er als Parteiloser für die FDP ins Stadtparlament, aber die Liberalen scheiterten an der damals noch geltenden Fünf-Prozent-Hürde.

Eigentlich ist er ein Mann der leisen Töne. Aber wenn es sein muss, kann der sportliche Fast-Sechziger auch fordernd auftreten. Zusammen mit Wilfried Behrens, Dieter Schormann (Ferber’sche Buchhandlung), dem jetzigen BID-Vorsitzenden Heinz-Jörg Ebert und Sommerlad-Chef Frank Sommerlad zog Balser als Initiative pro Gießen gegen die diversen Ansiedlungspläne für innerstädtische Einkaufszentren zu Felde. Die "Mall" am Berliner Platz konnten die Händler mit ihren Verbündeten aus der Politik verhindern, die am Oswaldsgarten nicht. "Da waren wir außerparlamentarische Opposition", erinnert sich Balser. Da man nicht nur kritisieren wollte, seien damals Stadtentwicklungskonzepte entstanden, von denen die Innenstadt später profitiert habe, verweist Balser auf einige der ersten BID-Projekte.

Dass die Quartiersvereine Gießen aktiv in der öffentlichen Wahrnehmung etwas den Rang abgelaufen haben, findet Balser "nicht tragisch". Themen wie die Weihnachtsbeleuchtung, Sauberkeit und Sicherheit oder Werbemaßnahmen seien eben näher am Alltag der Leute. Hinzu kämen die finanziell anderen Möglichkeiten, über die die gesetzlich hinterlegten BIDs verfügen könnten. Gießen aktiv, das aus dem früheren Verkehrsverein hervorging, sieht der Vorsitzende für den Überbau zuständig.

Auch beim aktuellen Gießener Topthema Verkehr hält Balser viel von einer Gesamtbetrachtung und warnt vor "Schnellschüssen" und "Experimenten". Auch er könne sich eine Radspur am Anlagenring vorstellen, aber eingebettet in ein Gesamtkonzept und nach vorheriger Folgenabschätzung.

Das Problem der Verkehrsmenge verursachen nach seiner Beobachtung nicht die motorisierten Innenstadt-Einkäufer, sondern die Berufspendler. "Der Hauptverkehr, da sind die Mitarbeiter von Betrieben und Behörden", sagt Balser. Für sie müsse es Angebote zum Umstieg geben, zum Beispiel durch bessere Nahverkehrsverbindungen in die Stadt und/oder Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand. Den organisierten Einzelhandel wiederum sieht er eher in der Pflicht, das Uraltthema City-Logistik aufzugreifen. Vor 20 Jahren rollten sogenannte "City-Entlaster" durch die Innenstadt, aber leider nicht lange. Die "letzte Meile" mit umweltfreundlichen Transportern zu fahren, lässt sich seiner Meinung nach kurz- und mittelfristig bewerkstelligen. Deutlich schneller jedenfalls als "Seil- und Straßenbahnen".

Ein ebenfalls wichtiges und aktuelles Thema für Gießen aktiv ist die Neuaufstellung der Gießen Marketing GmbH, zu deren Gesellschaftern Gießen aktiv zählt. Von der Interimslösung, dass mit Frank Höllscheidt der neue Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung auch die Geschäftsführung der Marketing GmbH übernimmt, verspricht sich Balser unter anderem "kürzere Wege" zu den politischen Entscheidungsträgern.

Gießen aktiv: 100 Mitglieder

Gießen Aktiv ging vor 18 Jahren aus dem Verkehrsverein hervor und versteht sich als Förderverein für Gießen mit den Schwerpunkten Veranstaltungen, Unterstütung von Einzelhandel und Gewerbe sowie der Konzeptionierung und Durchführung von Maßnahmen zur Stadtwerbung. Der Verein ist Gesellschafter der Gießen Marketring GmbH und hat rund 100 Mitglieder.

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