Die Gesamtschule Gießen-Ost bietet eine Sommerschule an. ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Die Gesamtschule Gießen-Ost bietet eine Sommerschule an. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Rindswurst und Mathe

  • vonSebastian Schmidt
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Trotz Ferien sind diese Woche 83 Schüler der Gesamtschule Gießen-Ost zum Unterricht erschienen. Viele Schüler haben sich sogar über die Sommerschule gefreut - weil sie dort mit ihren Freunden zusammen sein konnten.

Die coronabedingten Schulschließungen haben bei Schülern Lücken gerissen. Das Pauken in den eigenen vier Wänden hat nicht bei allen gut funktioniert. Aber wie soll das Schulsystem damit am besten umgehen? Die Gesamtschule Gießen-Ost hat es mit einer freiwilligen Sommerschule versucht. "Wir wollten diese Chance für die Schüler nicht verstreichen lassen", sagt Schulleiter Frank Reuber.

Von Montag bis Freitag sind 83 Schüler der Klassenstufen fünf bis neun zur Schule gegangen. Und das obwohl es eigentlich ihre zweite Ferienwoche gewesen wäre. Manche Eltern mussten deswegen in die Trickkiste greifen. Eine Schülerin erzählt und lacht: "Ich hatte keine Gelegenheit, mich zu beschweren. Meine Eltern haben mir erst am Tag davor gesagt, dass ich hin muss." Aber ganz so schlimm, wie befürchtet, sei es in der Schule nicht. Nur das frühe Aufstehen störe.

Der Unterricht geht von 9 bis 15 Uhr. "Wir dachten, wenn wir früher anfangen, haben die Kinder noch etwas vom Tag", erklärt Reuber und fügt an: "Aber vielleicht denken auch nur Erwachsene so."

Fünf Fachlehrer und fünf Referendare unterrichten Mathe und Englisch in Kleingruppen von höchstens acht Kindern. In Englisch habe das aktive Sprechen gefehlt. Das habe man im Heim-Unterricht nicht adäquat ersetzen können. Und Mathe sei sehr erklär-intensiv. Auch da habe es Nachholbedarf gegeben, erklärt Reuber.

Neben dem Lerneffekt hat die Sommerschule aber auch eine soziale Komponente. Eine Schülerin freut sich: "Es ist ganz cool, dass ich wieder meine Freunde sehen kann." Reuber erklärt, dass die Distanz zu ihren Schulfreunden für viele Schüler in der Corona-Hochphase ein großes Problem gewesen ist. "Man darf nicht vergessen, dass die Schule auch ein sozialer Ort ist, an dem sich die Schüler aufgehoben fühlen." Manche erzählen deswegen auch, dass sie nur zur Sommerschule gehen, weil auch ihre Freunde gehen.

Zwischen den Stunden hält der Sportlehrer die Kinder auf Trab. Der heimliche Star der Pause ist aber die Rindswurst aus der Kantine. Fast jeder Schüler läuft mit einem Weck und der Wurst über den Hof.

Die Koordinatorin der Sommerschule, Rebekka Ott, ist vom Konzept "Sommerschule" überzeugt: "Durch die kleinen Gruppen nehmen die Schüler viel mit." Sie habe mit den Sechstklässlern in zwei Tagen das Halbjahr nachgeholt. Sie sagt: "Ich hoffe, dass auch das Schulamt erkennt, dass man in kleinen Gruppen viel besser lernen kann."

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