Hans Wichert vom ADFC Gießen zeigt, wie man vor der Probefahrt die Sattelhöhe des Fahrrades richtig einstellt. FOTO: SEG
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Hans Wichert vom ADFC Gießen zeigt, wie man vor der Probefahrt die Sattelhöhe des Fahrrades richtig einstellt. FOTO: SEG

Das richtige Gebraucht-Rad

  • vonSebastian Schmidt
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Es muss nicht unbedingt ein Neues sein. Gebrauchte Räder werden immer wieder im Internet und auf Flohmärkten angeboten. Aber worauf soll man beim Kauf eines Gebraucht- Rades achten? Hans Wichert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad- Club ADFC Gießen beantwortet die wichtigsten Fragen.

?Ist das angebotene Fahrrad das Richtige für mich?

Diese Anfangsfrage könne der Käufer letztendlich nur selbst beantworten, sagt Hans Wichert. Er rät, sich vor dem Kauf Gedanken zu machen. Was will man mit dem Rad alles machen? "Wenn man es zum Beispiel oft die Kellertreppe hochtragen muss, sollte es besonders leicht sein", betont der Experte. Fahre man oft im Regen, brauche man Schutzbleche. Das Fahrrad müsse die Anforderungen erfüllen, die man habe. Hans Wichert scherzt: "Ich ziehe ja auch keine Gummistiefel zum Fußballspielen an."

?Hat das Fahrrad die richtige Größe?

Bevor man sich beim Fahren verletzt oder einem die Beine einschlafen, sollte man die Größe des Fahrrads und die Höhe des Sattels überprüfen. Wenn ein Fahrer das Rad zwischen seinen Beinen hat und auf dem Boden steht, sollten zwischen dem Schritt und dem Oberrohr des Rades noch einige Zentimeter Abstand sein. "Sonst kann man sich bei einem Notabstieg verletzten", erklärt Wichert. Wenn das passt, sollte man vor einer Probefahrt den Sattel auf die richtige Höhe einstellen. Dazu setzt man sich aufs Rad, stellt ein Bein mit der Ferse auf ein Pedal und drückt es zum tiefsten Punkt. Kann man dabei das Bein nicht ganz durchstrecken, muss man den Sattel höher stellen. Kann man mit der Ferse das Pedal nicht mehr berühren, muss der Sattel niedriger eingestellt werden.

?Worauf kommt es bei der Probefahrt an?

"Es muss einfach rund laufen. Da darf nichts haken oder schleifen", erklärt der Gießener Fachmann. Ein Fahrrad sei eigentlich sehr leise. Was man hören könne, sei der Freilauf am Hinterrad. Der mache sich mit einem konstanten Klickern bemerkbar. Bei anderen Geräuschen sollte man vorsichtig sein, sagt Wichert. Außerdem sollten Interessenten die Gangschaltung testen. Geht jeder Gang rein oder gibt es vielleicht sogar Probleme? Springt die Kette sogar über mehrere Gänge drüber? Das könne ein teures Problem sein, falls man es nicht selbst lösen kann, sagt Wichert.

?Wie steht es um die Verkehrssicherheit des Rads?

Vorder- und Rückbremse müssen greifen und das Rad zum Stillstand bringen, erläutert der Experte. Außerdem braucht das Fahrrad Reflektoren. "An den Pedalen, den Laufrädern und vorne und hinten müssen welche sein", zählt Wichert auf. Beim Licht gebe es mehrere Möglichkeiten. Neuere Räder haben oft einen Nabendynamo, der sich in der Vorderachse befindet. Ältere Räder haben den bekannten Seitenläufer-Dynamo, den man an die Felge schiebt. Wichert selbst empfiehlt ein Akku-Licht. Da könnten keine Kabel reißen, erklärt er. "Das muss man aber immer dabei haben, auch bei gutem Wetter im Hochsommer." Was für ein Licht man habe, sei Geschmackssache. Wichtig sei, dass das Licht funktioniere.

?Worauf kann man als Laie sonst noch achten?

Wenn man zum Beispiel überlegt, ob man ein Rad mit Ketten- oder Nabenschaltung kaufen will, sagt Wichert: "Die Nabenschaltung ist viel wartungsärmer als eine Kettenschaltung." Die Kettenschaltung bietet aber mehr Gänge und somit eine feinere Abstufung beim Schalten.

Federgabeln sind heute an vielen Rädern, aber der Experte rät zur Vorsicht: "Die müssen auch regelmäßig gewartet werden." Und gerade die günstigen Federgabeln verkanten durch Dreck und funktionieren dann schnell nicht mehr. "Und sie haben relativ viel Gewicht", ergänzt Wichert. Er empfiehlt, wenn man mehr Komfort will, lieber größere Räder mit weniger Luftdruck zu fahren. Das federe auch.

?Wie viel soll man für ein gebrauchtes Fahrrad zahlen?

Bei dieser Frage weiß selbst der Experte keine gute Antwort. Er erklärt das Dilemma: "Sie können für 50 Euro Glück haben und ein gutes Fahrrad finden. Sie können aber auch bei einem 500-Euro-Rad Pech haben."

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