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Das Unternehmen Celebrate Streetfood mischt momentan den Catering-Markt auf.

Geschäftsidee

Gießen: Revolution aus dem Imbisswagen

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Jan Dinter und Oliver Meiser schmissen im Jahr 2013 ihre Jobs hin und kauften einen Imbisswagen. Nun wollen die Ex-Studenten aus Gießen mit "Celebrate Streetfood" das Catering revolutionieren.

Die Fernsehsendung Galileo ist der Meinung, Jan Dinter und Oliver Meiser waren 2013 Besitzer von "Deutschlands bestem Foodtruck". Vier Jahre später erhielten die beiden ehemaligen Gießener Studenten den Hessischen Gründerpreis in der Kategorie "Geschaffene Arbeitsplätze". Über 100 Mitarbeiter, 1000 Veranstaltungen im Jahr, über 500 000 Gäste - das 2013 als Burrito Bande und heute unter dem Namen Celebrate Streetfood firmierende Start-up geht momentan durch die Decke und krempelt deutschlandweit den Cateringmarkt um. Kein Grund abzuheben, findet Dinter. Er denkt oft an die Anfänge der Firma zurück: "Damals war nicht nur meine Oma Luise skeptisch, als wir unsere Jobs hingeschmissen haben zugunsten eines Imbisswagens." Ihm und seinem Partner sei das egal gewesen. "Wir wollten Unternehmer sein. Und jedes Unternehmen hat klein angefangen."

Heute sind Foodtrucks auf kaum einer Veranstaltung wegzudenken. Vor sechs Jahren sah das noch anders aus. Das muss man bedenken, wenn man die Geschichte des Hüttenbergers Jan Dinter und des Saarländers Oliver Meiser verstehen will. Kennengelernt haben sie sich 2001 in Gießen während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften. Sie wohnten zusammen in einer WG und schmiedeten abends am Küchentisch Zukunftspläne. Das setzten sie nach dem Studium fort, als Dinter selbständig als Berater und Meiser bei der Lufthansa in Frankfurt arbeitete. Mit nüchternem Blick, erzählt Dinter, seien die meisten Ideen am nächsten Morgen wieder verworfen worden. Nur diese eine Idee brannte sich ein: Burritos - gefüllte Tortillas - nach Deutschland bringen. (Lesen Sie auch: Nachfolger für "Tingal" in Gießen gefunden - Konzept aus Niederlanden)

Gastroerfahrung hatten die beiden damals nicht. Warum auch? Gerade der Blick von Außen scheint geholfen zu haben, dass der Gang in die Selbständigkeit nicht im finanziellen Fiasko endete. "Wir haben erstmal durchgerechnet, ob ein Restaurant überhaupt profitabel ist", erzählt Dinter. Als sie das verneinen mussten, suchten sie nach einer Alternative. Und landeten bei den Foodtrucks. Kennengelernt hatten Dinter und Meiser das Konzept in den USA während der Finanzkrise. "Selbst die großen Restaurants hatten damals Probleme, weil die Gäste fernblieben." Deshalb rückten sie mit Imbisswagen aus. Diese mobilen Küchen boten weiterhin gehobene Gastronomie, die wegen der Rahmenbedingungen auf vier Rädern jedoch leicht angepasst wurde.

Die Grundidee des Gründerduos: Einfache, bekannte Speisen anbieten - aber mit qualitativ hochwertigen Zutaten sowie dem Mut zu Experimenten, gerade bei den Gewürzen. "Wenn zehn Leute probieren, kann es einer richtig doof finden"; sagt Dinter, "aber die anderen sagen: Wow, das schmeckt anders. So habe ich das noch nie gegessen."

Zuerst Einzelkämpfer

Anfangs fuhren Dinter und Meiser noch als Einzelkämpfer mit ihrem Foodtruck durch Frankfurt und bereiteten für die hungrigen Mittagspausler Burritos vor. "Wir waren damals kein schickes Start-up mit einem Investor im Rücken", sagt Dinter, "sondern haben alles selbst finanziert." Der Plan: Schnelles Wachstum mit geringem Verlust der finanziellen Mittel. Das scheint gelungen zu sein: Mittlerweile setzt ihr Unternehmen neben Eventcaterings wie bei Weihnachtsfeiern und Firmenveranstaltungen ab 50 und bis zu 10 000 Gästen auch Roadshows um: Es begleitete zum Beispiel im Mai den bundesweiten Europawahlkampf der SPD und setzte dabei fast 700 Caterings in vier Wochen um.

Dementsprechend hat sich ihr Fokus verschoben. Das klassische Streetfood-Geschäft spielt für das Unternehmen keine Rolle mehr. Dinter und Meiser setzen auf gut planbares Event-Catering. Das hat bei ihnen aber nichts zu tun mit "Das Buffett ist eröffnet" inklusive Schnitzelchen, Frikadellen, Gemüse und Rahmsoße. Vielmehr schreibt Celebrate Streetfood das Wort "Event" in großen Lettern.

"Entertainer" kochen live

Denn das Essen kommt nicht in Warmhaltebehältern zu den Kunden, sondern wird während der Veranstaltung frisch zubereitet: entweder draußen in den Foodtrucks oder im Innenbereich in den mobilen Küchen. "Das ist ein Erlebnis für den Gast", sagt Dinter, "wenn sein Essen vor seinen Augen zubereitet wird. Und es entsteht eine ganz andere Atmosphäre als bei einem klassischem Buffet-Catering." Um das zu unterstreichen, werden die Mitarbeiter, die bei den Veranstaltungen vor Ort kochen, auch konsequent Food-Entertainer genannt. Live vor Publikum kochen - das kann jeder gute Caterer. Der Unterschied, betont Dinter, sei jedoch, dass dann die Kosten in die Höhe gingen und diese an den Kunden weitergegeben werden. Dinter und Meiser haben genau dieses Problem nicht: "Wir bieten den Gästen unserer Kunden Live-Cooking zum Preis eines Buffetcaterings." Unabhängig davon, ob 100 Gäste bewirtet werden sollen oder 10 000.

Das Umsatzwachstum von Celebrate Streetfood hat sich seit der Gründung verzwanzigfacht. Zu den Kunden gehören Global Player wie Mercedes, Porsche, Bayer oder Lufthansa sowie viele mittelständische Unternehmen. Es verwundert nicht, dass der ehemalige Chef der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey Deutschland, Frank Mattern, sowie sein Kollege Carl-Stefan Neumann auf das Unternehmen aufmerksam wurden. Anfang 2017, erzählt Dinter, sei es nur um einen Gedankenaustausch gegangen. Ende 2017 boten Mattern und Neumann ihre finanzielle und inhaltliche Unterstützung an. "Das ist ein tolles Lob und eine Riesenchance", betont Dinter, "weil wir bei jedem Meeting mit ihnen sehr viel lernen." Es klingt, als hätte das Duo, das sich im Studium in Gießen kennengelernt hat, gerade erst angefangen mit ihrer Revolution.

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