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Rettung in der Krise

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Meisterwerke aus der Sammlung des Oberhessischen Museums werden aktuell restauriert. Möglich macht dies die Förderung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung.

Zu Zeiten der Corona-Krise sind vor allem freiberufliche Mitarbeiter an öffentlichen Museen von den wirtschaftlichen Folgen betroffen. Um dem entgegenzuwirken, hat die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung Mitte März eine Corona-Förderlinie für Freiberufler ins Leben gerufen, um selbstständige Wissenschaftler und Restauratoren zu unterstützen. Auch das Oberhessische Museum hat sich für das Projekt beworben und die Bewilligung für die Restaurierung und Konservierung von vier Kunstwerken erhalten, die zu den Meisterwerken der Sammlung gehören.

Werke von Otto Dix und Lovis Conrinth

Zu dem Konvolut zählen zwei Zeichnungen des impressionistischen Künstlers Lovis Corinth. Es handelt sich um die Kohlezeichnung "Gefangennahme Simons" und das Porträt seiner Ehefrau Charlotte Berend-Corinth. Beide Werke gehören zur Sammlung Gustav Bock, die einen herausragenden Bestand der Gießener Kunstsammlung ausmacht.

Corinths Arbeiten sind vor Kurzem von der Dauerausstellung ins Depot des Oberhessischen Museums verbracht worden, um sie vor weiteren Lichtschäden zu bewahren. Durch die Restaurierung wird es zukünftig wieder möglich sein, diese Werke in die Dauerausstellung im Alten Schloss aufzunehmen.

Eine Lithographie des Künstlers Otto Dix, die in der Dauerausstellung zu sehen ist, kann ebenfalls durch die Förderung restauriert und konserviert werden. Sie zeigt ein Mädchen mit Katze. Otto Dix gilt als bedeutender deutscher Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts, der vor allem als Vertreter der Neuen Sachlichkeit bekannt wurde. Das Oberhessische Museum ist im Besitz einer einzigen Arbeit des Künstlers, wodurch diese einen besonderen Stellenwert in der Sammlung einnimmt.

Das vierte Kunstwerk des Konvoluts ist ein Ölgemälde, dessen Entstehung auf das 19. Jahrhundert geschätzt wird und dessen Künstler unbekannt ist. Aufgrund des konservatorischen Zustands ist es nicht ausstellbar. Um zudem weitere Forschungsarbeiten an dem Werk zu ermöglichen, ist eine Restaurierung dringend erforderlich.

Das Oberhessische Museum freut sich, durch die Förderung die Kunstwerke von zwei freiberuflichen Restauratorinnen fachgerecht restaurieren zu lassen und sie dadurch für zukünftige Generationen bewahren zu können. "Die schnelle Reaktion der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung auf die Krisensituation setzt ein unglaublich positives Zeichen für die Museumsarbeit. Die unbürokratische Unterstützung hilft den freiberuflichen Restauratorinnen, sie stärkt unsere Zusammenarbeit und motiviert sehr in diesen Zeiten", äußert sich die Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch zu der positiven Rückmeldung der Kunststiftung.

Aufträge wichtiger als Kredite

Auch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung zeigt sich bislang sehr zufrieden über die Resonanz ihrer Förderung: "Inzwischen haben wir fast 500 000 Euro ausgeschüttet, rund 50 Projekte und damit noch mehr Freiberufler unterstützt. Auf unserer Homepage zeigen wir die Vorhaben und auch Reaktionen der Restauratoren und Museumsleute, um positive Signale zu geben und zum Nachmachen anzuregen. Für die Freiberufler sind Aufträge wichtiger als Kredite, die sie im Zweifel nicht mehr zurückzahlen können! Mein kleines Team ist auch super motiviert und wir bewilligen relativ schnell - Stiftungsmotto: ›Machen statt twittern‹", berichtet Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Kunststiftung.

Weitere Informationen zu dem Projekt und der Stiftung findet man unter www.ernst-von-siemens-kunststiftung.de.

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