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Reiserückkehrer bereiten Sorge

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Biergärten und Parks sind voll, gleichzeitig halten sich die neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Stadt und Landkreis Gießen weiterhin in Grenzen. Die Reiserückkehrer bereiten aber Sorgen. Das ist die Lage im Monat Juli. Teil 5 der Gießener Corona-Chronik.

Mittwoch, 1. Juli:Bei den Corona-Infektionen in Stadt und Landkreis Gießen gibt es wenig Bewegung. 251 Fälle und vier Tote zählt das Sozialministerium seit März. In der letzten Juniwoche kommen vier Neuinfektionen hinzu.

Donnerstag, 2. Juli:Das überschaubare Infektions- geschehen rechtfertigt nicht weiter den Betrieb der Schwerpunktpraxis für Atemwegserkrankungen in der Rivers-Sporthalle an der Licher Straße. Anfang des Monats wird sie vom Gießener Netzwerk der Hausärzte in den "Ruhemodus" versetzt. Das vom Ärtzlichen Bereitschaftsbetrieb betriebene Testcenter soll bis Anfang Oktober in Betrieb bleiben.

In einer erneuten Sitzung unter Corona-Bedingungen bringt das Stadtparlament ein weiteres Hilfspaket für Unternehmen, Kunstschaffende und Familien auf den Weg. Kernstücke sind ein Gebühren- erlass für die Kitas und die Auflage eines Corona-Hilfsfonds. Eine schlechte Nachricht für die südlichen Stadtteile bestätigt Stadtwerke-Dezernentin Astrid Eibelshäuser: Die Stadtteil-Freibäder in Kleinlinden und Lützellinden bleiben in dieser Saison zu.

Montag, 6. Juli:Ferien- beginn in Hessen. Das Ferienkarussell der Stadt steht in diesem Sommer still. Das Not-Programm für Kinder wird zurückhaltend angenommen, obwohl es kostenlos ist. 30 der 48 ursprünglich aufgelisteten Angebote finden statt. Dafür sind die 14 Extra-Familien- veranstaltungen ausgebucht.

Freitag, 10. Juli:Bands. Theater-Ensembles, Kinos oder Chöre: Die Künstler trifft die Corona-Krise auch im fünften Monat seit dem Lockdown hart. Das ist Erfindungsreichtum gefragt. Der Gießener Chor Cantamus zeigt im Rahmen eines Online-Wettbewerbs mit einem Video und virtueller Teamarbeit, dass Chorgesang auch so auf höchstem Niveau möglich ist.

Samstag, 11. Juli:Die Geschäfte in der Innenstadt sind seit zwei Monaten wieder geöffnet, aber von den alten Umsätzen sind die Betriebe noch weit entfernt. 50 Prozent fehlen. Der BID-Verein Seltersweg startet daher eine Werbekampagne und flankiert sie mit Forderungen an die Stadtpolitik und Ideen: Aussetzung von Parkgebühren, Verteilung von Gutscheinen an die Bürger, weniger Hürden für verkaufsoffene Sonntage und die Einrichtung einer regionalen Markthalle in den Räumen der Karstadt-Lebensmittelabteilung, die vor der Schließung steht.

Dienstag, 14. Juli:Es wird heiß - und damit schwieriger, einen der 500 Plätze im Freibad Ringallee zu ergattern. Nach einem geruhsamen Auftakt beim Badebetrieb unter Corona-Bedingungen sind die Plätze zu Wochenbeginn erstmals ausgebucht.

Mittwoch, 15. Juli:Seit Monatsbeginn sind zu den 251 Infektionen im Kreis Gießen zehn und damit deutlich mehr als im Juni hinzugekommen.

Der Uni-Senat tagt weiterhin mit Abstand in der Aula. Eine Professorin regt eine andere Sitzordnung an: "Wir können uns gar nicht richtig sehen." Für eine Runde reiche der Platz nicht, sagt Präsident Joybrato Mukherjee. Hauptthema der Sitzung: Das Corona-Sommersemester ist gelungen, doch die digitale Lehre sollte noch besser werden. Die Pandemie werde das Hochschul- leben sicher noch bis weit ins nächste Jahr einschränken.

Freitag, 17 Juli:Die Besuchsverbote in Krankenhäusern und Altenheimen werden von vielen Menschen als mit am schmerzlichsten empfunden. Nun wird aber auch hier gelockert. Der befürchtete Besucherandrang bleibt am ersten Tag im Gießener Universitätsklinikum aus. Das Großkrankenhaus mit seinen mehr als 1000 stationären Patienten verzeichnet knapp 200 Besucher. Vor Corona waren es in der Spitze häufig mehr als 900 Besucher pro Tag.

Samstag, 18. Juli:Nicht jeder kann diese Entscheidung nachvollziehen: Die Uni entscheidet, dass der Botanische Garten in dieser Saison geschlossen bleibt und erst wieder im Frühjahr öffnen wird. Die Hygienevorgaben seien nicht einzuhalten, zumal eine Baustelle für zusätzliche Engstellen auf dem Gelände sorge, lautet die Begründung.

Sonntag, 19. Juli:Andere probieren es, so wie die Flohmarkt-Veranstalterin Andrea Haas. Erstmals seit März wird im Gewerbegebiet West wieder an den Ständen gestöbert, natürlich mit Maske und Zugangsbeschränkung. Maximal 250 Besucher dürfen sich auf dem Gelände gleichzeitig aufhalten. "Besser wären 500", sagt die Veranstalterin.

Montag, 20 Juli: In der Fußgängerzone läuft die Hilfsaktion der Stadt für die gebeutelten Schausteller an. 14 Budenstandorte haben Ordnungsamt, Marketinggesellschaft und BID-Vereine ausgewählt, aber nur vier Betriebe nehmen das Angebot an. Bürgermeister Peter Neidel hofft auf die "zweite Runde", denn alle zwei Wochen wird rotiert.

Donnerstag, 23. Juli:Die einen Kilometer langen Schiffenberg-Serpentinen werden zum Schauplatz einer coronagerechten Charity-Challenge zugunsten der Tour der Hoffnung. RV-Kleinlinden-Vorsitzender Wolfgang Rinn fährt sie 21 Stunden lang über 300-mal hoch und runter, bis er nach 311 Kilometern 8848 Höhenmeter auf dem Tacho hat - der Mount Everest lässt grüßen.

Freitag, 24. Juli:Diese Entscheidung sorgt über Gießen hinaus für Aufmerksamkeit. Die Gießener Fassenachtsvereinigung sagt bereits Ende Juli die kommende Fassenachtskampagne im Grunde komplett ab. Fassenacht mit Mundschutzmaske, ohne Schunkeln und Singen und ohne großen Zug: Das ist die Perspektive - und die macht keinen Sinn. Andere Vereine folgen dem Gießener Beispiel.

Samstag, 25. Juli:Auch die Technische Hochschule Mittelhessen sorgt überregional für Schlagzeilen. Die Grafikbilder ihrer Versuchsanordnung, die zeigt, wie sich das Virus in einem Büro verbreitet, dessen Nutzer oben ohne, mit Maske oder Gesichtsschild, mit und ohne Ventilator arbeitet, sind ein eindrücklicher Appell für das Tragen einer Mund-Nase--Bedeckung.

Freitag, 30. Juli:Corona-Ausbrüche in Bayern und Österreich, Quarantäne für Spanien-Urlauber in England, steigende Infektionszahlen in der Fläche auch in Deutschland. Es sind beunruhigende Nachrichten, die noch im Kontrast zum Infektionsgeschehen im Kreis Gießen stehen. Mit leicht steigender Tendenz haben sich die Zahlen der Angesteckten im Laufe des Monats entwickelt. Am Ende sind über 20 Neuinfektionen hinzugekommen, etwa jeweils zehn in der ersten und zweiten Monatshälfte. Fast alle sind bei Reiserückkehrern festgestellt worden, informiert das Kreisgesundheitsamt.

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