Die Reisebüros hoffen auf einen Urlaubsboom nach der Krise. SYMBOLFOTO: DPA
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Die Reisebüros hoffen auf einen Urlaubsboom nach der Krise. SYMBOLFOTO: DPA

Corona-Krise

Reisebüros in Gießen: Kein Umsatz wegen Corona

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Fast alle Branchen leiden unter der Corona-Krise. Das trifft auch auf die Reisebüros zu. Sie verlieren nicht nur den aktuellen Umsatz, sondern auch Geld aus den vergangenen Monaten.

Die Osterferien stehen vor der Tür. Normalerweise würde in den Gießener Reisebüros nun Hochbetrieb herrschen. Doch seit dem Corona-Ausbruch ist nichts mehr normal. An Urlaub ist nicht zu denken, und die Reisebüros gehören zu jenen Betrieben, die auf Anweisung des Landes Hessen schließen mussten. "Die Krise trifft uns extrem", sagt Jens Becker, der das Tui-Reisecenter in der Katharinengasse betreibt. "Und das gleich in mehrfacher Hinsicht."

Das Auswärtige Amt rät derzeit von allen Reisen zu touristischen Zwecken ab. Die Warnung gilt bis Ende April, also auch über die Osterferien. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Die Prognose für die Gesamtwirtschaft ist düster, für die Reisebranche gilt das ganz besonders.

Keine Provision für getätigte Arbeit

"Seit zwei Wochen sind die Neubuchungen komplett zum Erliegen gekommen. Der Glaube, dass die Krise in drei Wochen vorbei ist, löst sich langsam in Luft auf", sagt Becker. Der Leiter des Gießener Reisebüros rechnet also nicht damit, in naher Zukunft Umsatz zu generieren. Hinzu kommt, dass er sich auch von den in den vergangenen Monaten erwirtschafteten Geldern verabschieden muss. "Natürlich werden derzeit alle Reisen storniert. Daher erhalten wir auch nicht unsere Provision bzw. wir müssen sie an die Veranstalter zurückzahlen", sagt Becker. Seufzend fügt er hinzu: "Der Wirt hat sein Bier verkauft. Wir müssen alles wieder zurückgeben."

Als ob das nicht existenzgefährdend genug wäre, sorgen diese Stornierungen auch noch für Kosten. "Die Rücknahme der Buchung ist nicht mit einem Knopfdruck getan. Wir müssen also weiterhin Zeit und Arbeit investieren." Es klingt ein wenig fatalistisch, wenn Becker sagt: "Wir müssen viel arbeiten um zu schauen, wie viele Tausend Euro wir jeden Tag an Minusumsatz haben." Sein Unternehmen, zu dem 13 Mitarbeiter und zwei weitere Filialen in Marburg und Schotten gehören, sei zwar gut aufgestellt, sagt Becker. Er fügt aber auch an: "Selbst die stärkste Firma hält das nicht ein halbes Jahr lang durch." Angela Längsdörfer von Pegasus Reisen in der Marktstraße macht sich ebenfalls Sorgen. "Der Verdienstausfall für Reisebüros liegt ja bei fast 100 Prozent". Gleichzeitig würden die Mitarbeiter auch hinter verschlossenen Türen sitzen und sich telefonisch und online um besorgte Kunden kümmern.

Als eine mögliche Rettung für die Branche nennt Längsdörfer eine Maßnahme, die der Deutsche Reiseverband ins Spiel gebracht hat. "Der Vorschlag ist, die Kundengelder als einen ein Jahr gültigen Reisegutschein des jeweiligen Veranstalters, der Fluggesellschaft oder des Hotels auszuhändigen. Dieser könnte im selben Reisebüro bzw. beim selben Reiseveranstalter wieder eingelöst werden." Das würde laut Längsdörfer dazu führen, dass die Provisionen bei den Reisebüros bleiben.

Umbuchung statt Storno hilft Büros

Becker bringt noch einen weiteren Vorschlag ins Spiel, den jeder Kunde selbst umsetzen könnte. "Wir versuchen unsere Kunden dazu zu bewegen, dass sie ihre Reise nicht stornieren, sondern auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen." Trotz finanzieller Anreize der Veranstalter würde dieses Angebot von den Kunden aber nur vereinzelt angenommen. Becker kann das verstehen. "Natürlich ist die Verunsicherung groß. Vermutlich werden die Menschen erst wieder anfangen Reisen zu planen, wenn positive Nachrichten die Runde machen."

Das ist der große Hoffnungsschimmer, der viele Reisebüros durch die Corona-Krise trägt: Dass die Menschen nach Beendigung der massiven Einschränkungen ihre wiedergewonnene Freiheit ausleben wollen. Zum Beispiel mit einer Reise ans Meer oder in die Berge. "Wir hoffen auf den Boom, die Leute wollen ja reisen", sagt der Reisebüro-Leiter gegenüber dieser Zeitung. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu. "Hoffentlich werden sie dann noch wirtschaftlich in der Lage dazu sein."

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