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Leere Koffer, leere Liegestühle und Kassen: Die Reisebüros (nicht nur in Gießen) kämpfen um ihre Existenz. FOTO: MÖ

Corona-Folgen

Reisebranche fordert Soforthilfen - "Umsatz ist bei null"

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Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros demonstrieren auch in Gießen für mehr staatliche Unterstützung.

Gießen(mö). Der kurze Moment am Mittwochnachmittag hat Symbolkraft. Eine Windböe fegt durch die Fußgängerzone und wirbelt die Liegestühle und leeren Koffer von den Stufen des Kugelbrunnens. In der Reisebranche geht es seit Wochen nicht einmal mehr drunter und drüber, es geht gar nichts mehr. "Der 13. März war unser schwarzer Freitag", sagt Mirjam Becker von TUI ReiseCenter aus Gießen und Schotten.

Gemeinsam mit rund 20 Inhabern und Mitarbeitern mittel- und südhessischer Reisebüros steht sie in der Mäusburg und macht auf die katastrophale Situation der Unternehmen aufmerksam. "Unser Umsatz ist Null, wir brauchen echte Soforthilfen und eine Perspektive", sagt Becker. Von hinten ruft eine Kollegin. "Wir machen sogar Minusumsatz."

Damit meint sie, dass in den Büros noch gearbeitet, aber nichts mehr verdient wird. Sie kümmerten sich um Stornierungen, erhielten dafür von den Veranstalterin aber keine Aufwandsentschädigung. Zudem müssten sie die Provisionen, die sie für die vermittelten, aber nicht angetretenen Reisen erhalten hatten, nun an TUI, Dertour, ITS und die andere Veranstalter zurückzahlen. "Wir sind doppelt gestraft", heißt es. Buchungen gibt es keine mehr, vereinzelt allenfalls Umbuchungen aufs nächste Jahr. "Das Geld ist dann aber auch schon verdient", sagt Rolf Neu vom Lollarer Büro S.U.N. Er, seine Frau Monika und die anderen Reiseverkaufsfrauen und -männer gehen nicht davon aus, dass der Auslandstourismus in diesem Sommer noch einmal in Gang kommt. Am Mittwoch verlängerte das Bundesaußenministerium wegen Corona die Reisewarnung vorerst bis Mitte Juni. "Unsere Ware ist die Welt, und die ist krank", sagt Monika Neu.

Vom Inlandstourismus, der im Sommer vielleicht wieder möglich sein wird, haben die Reisebüros nichts. "Da waren wir noch nie im Geschäft", sagt Rolf Neu.

Die Soforthilfen, die das Land Hessen für in Not geratene Unternehmen gewährt, haben sie alle beantragt und teilweise schon bekommen. Aber mehr als "ein Tropfen auf den heißen Stein" seien die 10 000 Euro nicht. In Deutschland gebe es 11 000 stationäre Reisebüros mit rund 100 000 Beschäftigten, aber ein Lobby habe man nicht, beklagt Monika Neu. Deshalb zeigen sie am Mittwoch bei Demos im ganzen Bundesgebiet Flagge. Ob’s hilft? Monika Neu ist skeptisch: "Wir sind wohl nicht systemrelevant."

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