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Viele glückliche Gesichter bei der Spendenübergabe der Tour der Hoffnung. Foto: Bendlin

Reiche Bescherung

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Gießen(csk). Selten hat es vor dem ersten Advent schon so sehr geweihnachtet. Und das nicht nur wegen der Musik. Denn im Mittelpunkt stand am Samstagvormittag im Hermann-Levi-Saal des Rathauses naturgemäß die Bescherung. Und die fiel wieder üppig aus bei der Spendenübergabe zur diesjährigen Tour der Hoffnung. "Viel Geld ist schön, aber es muss auch gut verteilt werden", betonte die Schirmherrin Petra Behle deshalb vorsorglich in ihrer Ansprache. Kurz darauf standen Dutzende reich beschenkte Menschen auf der Bühne. Sie repräsentierten etwa die Hälfte der 62 Kliniken und Elterninitiativen aus der gesamten Republik, an die der Rekorderlös von 2,38 Millionen Euro ausgezahlt wird.

Neben Worten des Dankes und der Freude schlug Gerhard Becker in seinem Rückblick auch ein paar nachdenkliche Töne an. "Das Ziel weicht ständig vor uns zurück", zitierte der Organisationschef zu diesem Zweck keinen Geringeren als Mahatma Gandhi. Zwar machten die seit der Premieren-Tour 1983 stetig verbesserten Heilungschancen für krebs- und leukämiekranke Kinder allen Aktiven Hoffnung. Aber letztlich bleibe selbst das Wirken der größten privat finanzierten Charity-Veranstaltung Deutschlands begrenzt: "Krebs und Leukämie sind Gegner, die nicht vollends zu besiegen sind", sagte Becker.

Spaß am Helfen

Umso beherzter muss man wohl dagegen ankämpfen. 190 Sportlerinnen und Sportler traten bei der 36. Auflage der Tour in die Pedale, um möglichst viele Spenden zu sammeln. Zwischen dem 14. und dem 18. August führte sie die Strecke über 373 Kilometer durch Hessen und Nordrhein-Westfalen bis zum Ziel, der Kinderklinik St. Augustin. Ein besonderer Höhepunkt war die Ankunft in Biebertal am Ende des ersten Tages. Sie spielte in sämtlichen Rückblicken eine wichtige Rolle, besonders bei Petra Behle.

Seit 19 Jahren ist die Biebertalerin Schirmherrin. Mit Prof. Fritz Lampert erinnerte sie daran, was den Einsatz der Radler ausmacht. "Jeder Einzelne kann sich nur aus einem Grund engagieren", sagte sie. "Weil er es will und sich identifiziert mit dem, was er tut." Mitbegründer Lampert variierte einen Vers aus dem Talmud: "Wenn man nur einen einzigen Menschen rettet, ist es, als ob man die ganze Menschheit gerettet hätte." Die gut 40 Millionen Euro, die seit Beginn der Tour laut Becker gesammelt wurden, haben Unzählige in ihrem Kampf gegen den Krebs unterstützt.

Über die größten Spenden freuten sich das Kinderhospiz Mitteldeutschland (110000 Euro), die Elterninitiative Siegen und die Kinderklinik Heidelberg (je 100000 Euro) sowie das Uniklinikum Freiburg (85000 Euro). Allerdings, sagt Mathias Rinn, gehe es bei der Tour nicht nur um Geld, sondern immer auch um das Gemeinschaftsgefühl und den Spaß am Helfen. Eine aktualisierte Version des vor einem Jahr präsentierten Imagefilms verdeutlichte sogleich, was der Sportliche Leiter meinte.

Nimmt man alle typischen Bestandteile zusammen, entsteht "ein großer, andauernder Erfolg", wie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz feststellte. Dass in dem Dauerbrenner "100 Prozent Gießen" steckten und er "immer noch Wachstumspotenzial" zeige, machte die Rathauschefin stolz. Zu imponieren wussten während der Feierstunde Irina und Robert Varady am Flügel und mit der Geige, der Saxophonist Stephan Geiger und Jessica Kessler, musikalische Botschafterin der Tour.

Im kommenden Jahr führt die Rundfahrt vom 12. bis zum 16. August durch Hessen und Franken, bis zum Ziel an der Kinderklinik in Würzburg. Unmittelbar vor dem ersten Advent wird für etliche begünstigte Einrichtungen dann auch im Jahr 2020 schon wieder Weihnachten sein. So wie am Samstag, als die gut 200 Gäste vor dem gemeinsamen Mittagessen noch "O Tannenbaum" und "O du fröhliche" anstimmten.

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