In der Gießener Kongresshalle wurde das Regierungspräsidium Gießen vor 40 Jahren gegründet. Die Zahl der Beschäftigten stieg seitdem von 158 auf aktuell rund 1350. 	FOTO: FRIESE
+
In der Gießener Kongresshalle wurde das Regierungspräsidium Gießen vor 40 Jahren gegründet. Die Zahl der Beschäftigten stieg seitdem von 158 auf aktuell rund 1350.

Region sollte gestärkt werden

Regierungspräsidium Gießen wird 40 Jahre alt

  • vonRedaktion
    schließen

Vor genau 40 Jahren wurde das Regierungspräsidium Gießen gegründet. Nach dem Scheitern der Stadt Lahn sollte die Region Mittelhessen so strukturell gestärkt werden.

Das Regierungspräsidium Gießen wird 40 Jahre alt. Während eines Festaktes am 14. Januar 1981 gab der damalige Hessische Innenminister Ekkehard Gries in der Gießener Kongresshalle den offiziellen Startschuss für die Arbeit der Mittelbehörde. »Seitdem verstehen wir uns nicht nur als die zentrale Verwaltung des Landes Hessen hier in Mittelhessen, sondern auch als unermüdlicher Förderer einer mittelhessischen Identität«, sagt der aktuelle Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Eine Feier zum runden Geburtstag kann Corona-bedingt nicht stattfinden.

Bereits ein Dreivierteljahr vor dem Festakt hatte der spätere RP Knut Müller, bis dahin Polizeipräsident in Frankfurt, mit einem zehnköpfigen Team die herausfordernde Aufgabe übernommen, ergänzend zu Darmstadt und Kassel, das Gießener Regierungspräsidium aufzubauen: Und zwar »aus dem Nichts« heraus für einen Bezirk, der zwischen Limburg und Schlitz, Münchhausen und Hungen fünf Landkreise umfasst. Hintergrund war einerseits das gescheiterte Großprojekt der Stadt Lahn und andererseits der Wille der Landesregierung, die Region strukturell zu stärken.

Die Zahl der Beschäftigten stieg von 158 seitdem auf aktuell rund 1350, berichtet Ullrich. Nicht darin eingerechnet sind die dem RP Gießen nachgeordneten sechs hessischen Versorgungsämter sowie das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen.

Für 101 Städte und Gemeinden

Was Knut Müller als erster RP etablierte, ist von seinen Nachfolgern Dr. Tilman Pünder (1987 - 1989), Dr. Alois Rhiel (1989 - 1991), Hartmut Bäumer (1991 - 1999), Wilfried Schmied (1999 - 2009) und Dr. Lars Witteck (2009 - 2015) fortgeführt worden.

Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 wird die Mittelbehörde von Dr. Christoph Ullrich geleitet. Dabei gelte es, etwa die gesetzlichen Voraussetzungen für einen nachhaltigen Umweltschutz mit den Bedürfnisse der Wirtschaft für Mittelhessen in Einklang zu bringen. »Das ist unsere Stärke und zugleich unser Alleinstellungsmerkmal, den richtigen Weg und die gerechte Abwägung zwischen unterschiedlichen Interessen im Sinne des Gemeinwohls zu finden.« Das sei nicht immer einfach

»Die Aufgaben sind so vielfältig, dass es unmöglich ist, alle aufzuzählen«, sagt Ullrich. Für insgesamt 101 Städte und Gemeinden mit über einer Million Menschen ist das Regierungspräsidium Gießen zuständig. In sieben Fachabteilungen arbeiten Generalisten und Spezialisten aus über 60 Berufen eng zusammen. »Unsere Experten wirken bei der Regional- und Bauplanung und bei großen Infrastrukturvorhaben mit und leisten wichtige Beiträge, die Region Mittelhessen weiterzuentwickeln.« Außerdem weise das RP Gießen auch Schutzgebiete für Natur und Landschaft sowie zur Trinkwassergewinnung aus, genehmige industrielle Anlagen sowie solche der Abwasser- und Abfallentsorgung, der Rohstoffgewinnung sowie für den Hochwasserschutz.

Wer mit diesen Themen im Alltag nichts zu tun hat, der kennt das RP Gießen vermutlich als Betreiberin des Lahnfensters in Gießen, einem Besuchermagnet, der bereits über 120 000 Gästen an der Klinkel’schen Mühle einen tiefen Einblick in die Lahn ermöglicht hat.

»Wir haben aber auch viele Aufsichtsfunktionen, und unsere Fachabteilungen gewährleisten die Sicherheit der Bürger.« Dazu zählen neben dem Brand-, Katastrophen- und Arbeitsschutz auch Fachbereiche wie beispielsweise der Strahlen-, Pflanzen- und Verbraucherschutz, der Natur-, Arten- und Umweltschutz sowie das Gewerbe-, Landwirtschafts- und Forstrecht. »Besonders die Überwachung gefährlicher Einrichtungen bildet einen Schwerpunkt unserer Tätigkeit.« Dazu kommen viele Bereiche hessenweit, etwa im Sozialen, wie dem Schwerbehindertenrecht, Heimrecht, Elterngeld oder auch der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. »

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare