Julian Roth-Brennecke hat während der Corona-Einschränkungen sein Zweites Staatsexamen bestanden. FOTO: SCHEPP
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Julian Roth-Brennecke hat während der Corona-Einschränkungen sein Zweites Staatsexamen bestanden. FOTO: SCHEPP

Referendariat im Ausnahmezustand

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Das Referendariat ist für angehende Lehrer in der Regel kein Spaziergang. Und nun findet wegen der Corona-Pandemie der Unterricht im Ausnahmezustand statt. Einer dieser Referendare ist Julian Roth-Brennecke vom Landgraf-Ludwigs-Gymnasium.

Wer Lehrer werden will, muss erst mal ein Referendariat absolvieren. Für manche ist dieser Abschnitt ihrer Berufsausbildung schon ohne äußere Einflüsse eine stressige Herausforderung. Und nun kommt auch noch die Corona-Pandemie hinzu. Julian Roth-Brennecke ist angehender Lehrer und am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) in Gießen eingesetzt. Er hat trotz der widrigen Umstände sein Zweites Staatsexamen abgelegt und seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die letzten Wochen dieser Zeit, so der Mathe- und Bio-Lehrer, seien "nicht so entspannt" gewesen. Dafür sei die Schulgemeinschaft zusammengerückt.

Alternative Prüfung

Vater Lehrer, Mutter Lehrerin: Dass Roth-Brennecke diesen Beruf einmal selbst ausüben wird, ist vor diesem Hintergrund kein Wunder. Vor allem sein Vater, der ebenfalls Mathe unterrichtet hat, habe ihn geprägt, erzählt der 31 Jahre alte Mann. Dabei sei Mathe nie sein Lieblingsfach gewesen. Als der gebürtige Nordrhein-Westfale jedoch einen Zeitungsartikel über Albrecht Beutelspacher las, entschied er sich für Gießen als Wunschstudienort.

Dort studierte er zwischen 2007 und 2018 Mathematik und Biologie auf Lehramt. Im November 2018 begann er sein Referendariat am LLG. "Und nun bin ich der Erste an meiner Schule mit einem Corona-Examen", sagt er.

Roth-Brennecke stand kurz vor seiner letzten Prüfung, als der Lockdown das gesamte Land in eine Art Schlummerzustand schickte. Auch die Schulen waren bis auf die Notbetreuung geschlossen; die Schüler wurden zu Hause mit Aufgaben versorgt. Eigentlich stand noch ein Unterrichtsbesuch bei ihm aus, sagt Roth-Brennecke. Bei dem begutachtet der Ausbilder den Lehramtsanwärter in Aktion. Nur musste der Besuch wegen der fehlenden Schüler ausfallen. "Meine Sorge war, dass ich mein Referendariat deshalb verlängern muss", sagt Roth-Brennecke. Bis die Entscheidung stand, dass in Hessen die Referendariate regulär beendet werden können - im Rahmen einer alternativen Prüfung. "Es war nicht die beste Lösung, aber die machbare."

Normalerweise besteht die letzte Prüfung aus zwei Lehrproben mit Schülern und einer mündlichen Prüfung. Wegen der aktuellen Lage musste Roth-Brennecke wie andere Referendare auch zwei fiktive Stunden planen und dazu Unterrichtsentwürfe erstellen. In der anschließenden Prüfung musste er theoretische Fragen beantworten. "Die Vorbereitung war nicht so entspannt, weil man nicht wusste, was einen erwartet", sagt der 31-Jährige. "Meine Nerven haben schon geflattert." Bedauert hat Roth-Brennecke, dass der Fremdprüfer, dem er beim Examen das erste Mal begegnete, seinen Umgang mit den Schülern nicht sehen konnte.

Das Thema Corona, erzählt der 31-Jährige, sei während der Prüfung nur am Rande behandelt worden. Auch im Unterricht will Roth-Brennecke Fragen rund um die Pandemie vorerst nicht behandeln. "Ich hatte die Idee, exponentielles Wachstum im Mathe-Unterricht durchzunehmen." Im Hinblick auf die Infektionszahlen ein für die Schüler lebensnahes Thema. Vielleicht zu lebensnah - falls ein Gymnasiast oder ein Familienmitglied an Covid-19 erkrankt ist oder war. Deshalb hat sich Roth-Brennecke dagegen entschieden.

Trotz allem kann er der Situation auch etwas Positives abgewinnen. "Die Schulgemeinschaft ist eng zusammengerückt", sagt der 31-Jährige. Er habe sich zum Beispiel viel intensiver mit Kollegen ausgetauscht als zuvor. Auch hätten ihm seine beiden Mentoren am LLG immer Mut gemacht und ihn unterstützt. "Ich bin froh, an dieser Schule zu sein", sagt er. "Und ich würde gerne bleiben."

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