OK KID beim Videodreh in der Kölner Philharmonie. 	FOTO: PM
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OK KID beim Videodreh in der Kölner Philharmonie. FOTO: PM

Neues Lied

OK KID rechnet mit 2020 ab

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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OK KID hat ein neues Video veröffentlicht. Die Gießener Band spart darin nicht mit Kritik. Gleichzeitig verrät Sänger Jonas Schubert, dass ein neues Album in Planung ist. Auch zum Festival »Stadt ohne Meer« äußert sich der Gießener.

Es ist Frühling in der Stadt und die Welt steht still: Mit dieser Zeile eröffnet die Gießener Band OK KID ihr neues Lied samt dazugehörigem Video - und fängt damit das Lebensgefühl ein, das zu Beginn der Pandemie viele Menschen empfunden haben. »Frühling Winter« ist ein Song, der Corona zum Thema hat, ohne das Wort Corona in den Mund zu nehmen. Jonas Schubert, Moritz Rech und Raffael Kühle kritisieren darin aber auch den fehlenden Einsatz gegen rechte Gewalt und Rassismus, obendrein bemängeln sie die geringe Unterstützung für die Künstlerbranche in Zeiten der Pandemie. OK KID startet das neue Jahr also mit einer Retrospektive des alten. Und das mit gehörig Wut im Bauch.

Kritik an geringen Kulturhilfen

Es gibt kaum eine Branche, die von Corona verschont geblieben wäre. Musiker hat die Pandemie jedoch besonders hart getroffen. »Rund 80 Prozent unserer Einnahmen stammen aus Live-Auftritten oder den damit verbundenen Gema-Geldern. Das ist alles weggebrochen«, sagt Schubert. So gesehen dauert der Lockdown für OK KID, aber auch für die meisten anderen Vertreter der Kulturszene, schon seit dem Frühling des vergangenen Jahres an. In »Frühling Winter« kritisiert Schubert daher auch die Prioritäten der Bundesregierung bei der Verteilung von Corona-Hilfen. Einzelne Firmen wie TUI oder Lufthansa würden Milliarden und somit deutlich mehr erhalten als die gesamte Kulturlandschaft, die über eine Millionen Menschen ernähre. »Kultur wird als Luxusgut betrachtet, andere Sachen werden zuerst gerettet. Dabei verlieren gerade viele Menschen ihre Existenz«, sagt Schubert.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten will die Band daher zumindest ein bisschen helfen. »Den Erlös aus dem Lied spenden wir an die Initiative Alarmstufe Rot, die auf die Probleme der Kulturbranche aufmerksam macht«, erklärt Schubert. Außerdem habe die Band bei der Produktion des zum Lied gehörenden Videos über 40 Kulturschaffende eingebunden, um ein Zeichen zu setzen.

Zeichen setzt das Video auch in visueller Hinsicht. »Frühling Herbst« wurde in der Kölner Philharmonie gedreht. Neben der opulenten Location unterstreichen auch die düsteren, dem Theater entnommenen Szenen die kritische Grundhaltung des Lieds. Die zeigt sich zum Beispiel, wenn Schubert fragt, was von der Black-Live-Matter-Bewegung geblieben ist und anprangert, dass der Anschlag von Hanau noch lange nicht verdaut sei. Bei solchen »Ereignissen« würden die Menschen in den sozialen Medien schnell ihre Profilbilder einfärben und Unterstützung heucheln, aber keine Taten folgen lassen. Spätestens beim nächsten globalen Aufreger sei der vorherige vergessen. Nachhaltige Veränderung? Fehlanzeige. Oder, wie Schubert es singt: »Dafür machen wir uns stark, aber nicht die Hände schmutzig.«

»Wir wollten ehrlich aussprechen, wie wir das vergangene Jahr wahrgenommen haben«, sagt Schubert zur Entstehungsgeschichte des Songs. Durchaus möglich, dass in absehbarer Zeit weitere eindrucksvolle Lieder der Band zu hören sind. Denn Schubert, Rech und Kühle schreiben gerade an einem neuen Album. Wann es erscheinen wird, können die Gießener aber noch nicht sagen.

Corona durchkreuzt Festival-Planung

Wenn eines seit Beginn der Corona-Pandemie gewiss ist, dann die Ungewissheit. Das trifft auch auf das Festival »Stadt ohne Meer« zu. Ob der 22. Mai tatsächlich eingehalten werden kann, steht in den Sternen, sagt Schubert und erinnert daran, dass das Festival bereits zweimal verlegt werden musste. »Es macht momentan einfach keinen Sinn, diesbezüglich groß zu planen.« Der Sänger betont jedoch, dass »Stadt ohne Meer« keinesfalls gestrichen werde. Wenn es nicht im Mai stattfinden könne, dann eben an einem anderen Termin.

Es ist Winter in der Stadt und die Zeit steht still. Auch das singt Schubert in seinem Song. Bleibt zu hoffen, dass es die letzte lahmgelegte Jahreszeit ist.

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