keh_JLUApfel_050521_4c_1
+
Das Werbebanner für »Justus Kinderuni« 2021.

Raus aus der Uni, rein in die Natur

Gießen (keh). Dieses Bild ist inzwischen Alltag an der Justus-Liebig-Universität (JLU): Ein Dozent steht alleine im Hörsaal und redet nur in eine Kamera, statt vor hunderten Studierenden zu sprechen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Vorlesung dann online live zur Verfügung gestellt, so geschehen auch am Dienstag an der Hermann-Hoffmann-Akademie.

Auf den Vortrags-Folien von Prof. Volker Wissemann, Leiter der Akademie, waren aber keine hochtrabenden Fremdwörter oder Fachausdrücke zu sehen, sondern zum Beispiel Bilder der Biene Maja - denn nach einjähriger Pause war wieder Zeit für »Justus Kinderuni«.

Was die Öffnung der Universitäten für Kinder angeht, ist die JLU einer der Vorreiter Deutschlands. Bereits seit 1968 bietet sie regelmäßig Vorlesungen für die Forscher von Morgen an. Und dieses Angebot kommt an - etwa 150 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren nahmen an der Einführungsveranstaltung des Sommersemesters teil.

Wissemann referierte kindgerecht zum Thema: »Wann öffnet sich eine Apfelblüte? - Und warum interessiert das Pflanzenforscherinnen und Pflanzenforscher?«. Dabei stellte er auch seinen »Vor-Vor-Vor-Vorgänger« Hermann Hoffmann vor, der ebenfalls Professor für Botanik an der JLU war. Der berühmte Gießener Pflanzenforscher Hoffmann hatte vor etwa 140 Jahren beobachtet, wann bestimmte Pflanzen blühen und ihre ersten Früchte tragen. Er gilt als Begründer der Blühphänologie, die bis heute wichtige Erkenntnisse über den perfekten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte liefert. Damit ist die Blühphänologie zum Beispiel besonders wichtig für die Landwirtschaft. Fragen, die sich Hoffmann als Phänologe stellen musste, waren etwa: »Wann beginnt eine Pflanze zu blühen?« oder »Wann wird die erste Erdbeere rot?«. Auf ihn gehen auch die über 70 Phänologischen Gärten und Beobachtungsstellen in Europa zurück. In unseren Breiten, so Wissemann, werde die Pflanzenentwicklung maßgeblich durch den Temperaturverlauf bestimmt. Anhand phänologischer Beobachtungen könne man also wichtige Erkenntnisse zur Auswirkung von Klimaänderungen ziehen.

Zudem stellte Wissemann noch die Blumenuhr von Carl von Linné vor. Diese zeigt, welche Blumen sich wann das erste Mal öffnen, um bestäubt werden zu können. Den Bienen ginge es dabei wie den Kindern, wenn sie Schokolade im Laden nebenan kaufen möchten. »Wenn die Öffnungszeiten immer anders sind, hat man keine Lust mehr.«

Thema der Vorlesung: Botanik

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von »Justus Kinderuni« ist neben der Lehre auch die Interaktion mit den Schülern. Da diese Interaktion coronabedingt jedoch ins Wasser fällt, sind die Kinder nun zum Mitmachen ermutigt.

Deswegen haben sich die Verantwortlichen etwas ganz besonderes ausgedacht. Nach der Vorlesung können die Kinder selbst auf Entdeckungstour in der Natur gehen und Pflanzen beobachten. Auf der Website der Kinderuni stehen dazu Steckbriefe und Bilder der Pflanzen sowie ein Beobachtungbogen zur Verfügung. Die Idee dabei ist, auf den Spuren Hoffmanns zu wandeln und ein eigenes Pflanzentagebuch zu erstellen. Hat ein kleiner Forscher mindestens drei verschiedene Pflanzen beobachtet und den ausgefüllten Bogen an kinderuni@uni- giessen.de geschickt, wird er mit einem Zertifikat belohnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare