Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts
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Ein junges Gießener Pärchen hat in sechs Fällen Männer zu einem Sex-Treffen gelockt, um sie dann auszurauben. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Landgericht Gießen

Raubüberfall statt Sex-Treffen? Ein Gießener Pärchen steht vor Gericht

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Ein junges Gießener Pärchen hat in sechs Fällen Männer zu einem Sex-Treffen gelockt, um sie dann auszurauben. Dafür müssen sich die beiden seit Montag (27.09.21) vor dem Gießener Landgericht verantworten. Die beiden sind geständig.

Gießen – Der junge Mann spürt etwas Kaltes am Hinterkopf. Eigentlich ist der 23-Jährige an diese Ecke in der Nordstadt gekommen, um sich mit einer Frau zu vergnügen. Die dafür fälligen 300 Euro hat er in der Tasche. Doch von der Frau ist nichts zu sehen, stattdessen taucht ein Mann auf und hält ihm den Lauf einer Pistole an den Kopf. Der junge Mann folgt den Anweisungen des Täters, legt das Geld auf den Boden und verschwindet.

Raubüberfall statt Sex-Treffen in Gießen: Geldsorgen als Tatmotiv

Seit Montag muss sich ein junges Pärchen vor dem Gießener Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann besonders schwere räuberische Erpressung in sechs Fällen vor, seine Lebensgefährtin soll zumindest in drei Fällen beteiligt gewesen sein. Und das räumen die beiden auch vollumfänglich ein. »Ich hatte Schulden und wusste nicht, wie es weitergehen soll«, erklärte der 27-Jährige zu den Hintergründen der Tat.

Die Masche war demnach immer gleich: Über eine Internetseite, die sexuelle Treffen vermittelt, nahm das Paar Ende 2019 bzw. Anfang 2020 Kontakt mit potenziellen Freiern auf. Dann wurde das spätere Opfer in die Weserstraße gelotst, wo es ausgeraubt werden sollte. In vier Fällen gelang das, zweimal flüchteten die Männer. Die Polizei kam dem Pärchen auf die Schliche, da sich zwei Opfer meldeten. Der Chatverlauf auf ihren Smartphones führte die Ermittler dann zu den Angeklagten.

Raubüberfall statt Sex-Treffen in Gießen: Schreckschusspistole zum Einschüchtern

Mehrere Stunden dauerte der Auftakt der Verhandlung. Der 26-jährige Angeklagte betonte dabei immer wieder, dass seine 25-jährige Lebensgefährtin nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Er habe sie mehr oder weniger dazu gedrängt, sie habe auch lediglich dreimal während der Taten im Auto gesessen. Die Nachrichten an die Freier habe meist er mit ihrem Handy verfasst, von der Waffe, eine nicht funktionierende Schreckschusspistole, habe sie zumindest bei der ersten Tat noch nichts gewusst.

Die Geldsorgen, die den Angeklagten nach eigener Aussage angetrieben haben, resultierten aus Schulden und einem eingefrorenen Konto. »Ich hatte Angst, die Miete nicht bezahlen zu können.«

Ein psychologischer Gutachter bestätigte zudem, dass die Frau in der Vergangenheit mehrere depressive Episoden durchlitten habe, weshalb sie auch ambulant behandelt werden musste. Eine Schuldunfähigkeit liege jedoch nicht vor. Der Anwalt der Angeklagten betonte jedoch, dass ihre psychische Situation womöglich dazu geführt habe, sich nicht stärker gegen die Pläne des Lebensgefährten gewehrt zu haben.

Raubüberfall statt Sex-Treffen in Gießen: Sechs Opfer im Zeugenstand

Die sechs Männer, die dem Paar zum Opfer gefallen sind, haben am Montag ebenfalls ausgesagt. Einigen von ihnen war es sichtlich unangenehm, sie kneteten ihre Hände, die Scham stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Diese Scham war es auch, die sich die Angeklagten zum Vorteil machen wollten. Nur zwei der sechs Opfer haben die Tat von sich aus bei der Polizei gemeldet. Einige der Männer im Alter von 20 bis 53 Jahren gaben auch an, nach der Tat Ängste verspürt zu haben, vor allem in der Dunkelheit. Größere Folgeschäden wollte aber keiner davongetragen haben.

Eines der Opfer war ein junger Soldat, den der Angeklagte mit vorgehaltener Schreckschusswaffe dazu zwang, mit dem Auto zum Geldautomaten zu fahren. Circa 400 Euro habe er abgehoben und dem Täter übergeben. »Er hat mir die Pistole an die Schläfe gedrückt und angedroht, meiner Familie etwas anzutun, wenn ich zur Polizei gehen würde«, erklärte er. Er habe daraufhin unter Schock gestanden und sich den Kopf zerbrochen, was er tun solle. Schlussendlich habe er sich aber doch seinen Eltern anvertraut. Die hätten ihn dazu ermutigt, die Polizei einzuschalten. Und so brachte er die Ermittlungen ins Rollen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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