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Räucherbilder und Tannenzapfen

  • vonDagmar Klein
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Wenn Christian Eisenberger die Bauernhöfe in seiner Heimat Steiermark besucht, dann freuen sich die Besitzer. Denn der Künstler kehrt ordentlich durch. Er sammelt Spinnweben ein. Die verwendet er für seine Kunstwerke. Zu sehen ab Freitag in der Kunsthalle - und noch viel mehr.

Ein "Ölteppich" aus Tannenzapfen, totemartige Köpfe aus Spinnweben in Glaskästen, ein schwebender Kokon aus Klebeband - die erste institutionelle Einzelschau des Künstlers Christian Eisenberger in Deutschland bietet in der Kunsthalle eine große Vielfalt. Schließlich ist das Werk des Österreichers, der mit bemalten Pappfiguren von gesellschaftlichen Außenseitern bekannt geworden ist, enorm breit gefächert. Und immer gehört eine ordentliche Portion Humor dazu, was sich auch im Titel der Schau "Cola Bier Ente Herr Tee 9975-15413-32682" andeutet. Phonetisch lässt sich das wie "Kollabierende Herde" verstehen und auch die Zahlen haben eine versteckte Bedeutung: Die 9975 steht für die Anzahl besagter Pappfiguren, 15413 Tage wird Eisenberger am Tag seiner Ausstellungseröffnung auf der Welt sein und 32682 Skizzen hat er seit 1998 angefertigt. Eisenberger versteht das als eine Anspielung auf die "Zahlenfixiertheit" der heutigen Menschen.

Aber auch die "Kollabierende Herde" ist bedeutungsvoll. Schließlich arbeitet der Künstler viel mit Feuer und Rauch. Leinwände und Papier hat er für seine "Räucherbilder" über eine Feuerstelle gehängt und mit dem Ruß der Flammen Motive entstehen lassen. Ein Produkt des Zufalls sind auch die beiden Kopfbilder, die übereinandergehängt die Farbe auf das unten liegende Bild haben tropfen lassen.

Eisenberger, so erläutert Kuratorin und Kunsthallenleiterin Dr. Nadia Ismail, nehme mit seinen Arbeiten Bezug auf die Land Art der 1960er Jahre, in der Künstler in die Natur gingen und die in Flora und Fauna entstandenen Arbeiten mit den Medien Film und Foto festhielten. Eisenberger holt die Natur direkt in den Ausstellungsraum, worauf auch drei Fahnen vor dem Rathaus aufmerksam machen werden. Eines der Motive darauf wird eine von Eisenberger mit Alu überzogenene Skulptur zeigen, die natürliche Materialien wie Äste mit Zivilisationsmüll kombiniert. Auch ein Aluguss des Kreuzes, an das er während seiner 40-tägigen Klausur in einer Kirche einen Frosch genagelt hatte, ist in der Kunsthalle zu sehen. Überraschende Kombinationen sind auch die Blätter aus Skizzenbüchern, die Eisenberger mit echten Spinnweben überzogen hat. Das filigrane, kunstvoll gewebte Netz der Spinnen spielt voller Ironie auf die Aufgabenstellungen zum Zeichnen an. "Ich hole das Leichte hervor", kommentiert er seine "Spinnenbilder".

Ameisenbild als Edition zur Schau

Auch Klebebänder haben es ihm angetan. Mit ihnen hat er eine neue Form des Malens erfunden. Er platziert Farbe auf Paketband, drückt dies auf Leinwand und die Farbreste bleiben darauf haften. Fünf solcher Bilder in Schwarz-Weiss sind in der Kunsthalle ausgestellt. In direkter Nähe befindet sich ein großer Kasten, an dem die Besucher mittels zweier Hebelarmaturen im Inneren Schilfrohrsamen zum Schweben bringen können. Nicht berühren sollte man allerdings den riesigen "Ölteppich" am Eingang. Hier hat Eisenberger auf dem Boden der Kunsthalle Hunderte von Tannenzapfen so gelegt, dass man dank Schattenwurf in riesigen Lettern die Buchstaben O, I und L lesen kann - oder eben von der anderen Seite aus die Zahl 710.

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