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Ist dieser unbekannte Täter (Symbolfoto) ein Mann oder eine Frau? Und kann er oder sie mit gerichtsfesten Beweisen der Tat überführt werden? Forensische Gutachter wie Dr. Kerstin Kreutz können hierzu vor Gericht wichtige Angaben machen.

Räuber scheuen das Laufband

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Die Anthropologin und forensische Gutachterin Dr. Kerstin Kreutz berichtet im Rahmen des Krimifestivals sehr unterhaltsam über den Gang als Merkmal zur Täterüberführung. Bei einem Quiz können Zuschauer dann auch noch herausfinden, wie gut sie selbst Emotionen einschätzen können.

Dr. Kerstin Kreutz kennt sich aus mit dem Gang des Menschen. Ihr Wissen stellt die Anthropologin und forensische Gutachterin seit vielen Jahren vor Gericht zur Verfügung, wenn es darum geht, etwa bei Überfällen gefilmte Täter anhand ihres Gangbildes zu überführen. Ihre »Kunden« sind überwiegend Gerichte und Staatsanwälte, aber auch Unternehmen, ihre »Forschungsobjekte« Straftäter, die am Tatort gefilmt wurden und denen man nun die Tat nachweisen will - und das oft erst Jahre nach der Tat.

Symbiose von Kunst und Wissenschaft

Wie kompliziert und nur durch Präzision in der Beobachtung und Analyse leistbar diese Aufgabe ist, davon vermittelte die Wahl-Krofdorferin nun den Besuchern der Krimifestival-Veranstaltung im Alten Schloss einen Eindruck. »Der.. die..das geht doch nicht«...!« lautete das Motto des Abends, der am Ende mit einem unterhaltsamen Quiz endete, bei dem mit Rechtsanwalt Henner Maaß als kundigem Rechtsberater und mit überraschenden Entertainer-Qualitäten die Zuschauer nur mit dem Körper ausgedrückte Emotionen zuordnen sollten. Wut, Trauer, Angst, peinlich berührt sein - es war gar nicht so einfach, das nur aus der Körperhaltung herauszulesen. Aber ein großer Spaß für alle, bei dem die Berliner Tanzpädagogin Nadia Lorenz per Videoeinspieler für die ursprünglich angekündigte, aber an diesem Abend wegen einer Ballettvorführung verhinderte Stadttheater-Tänzerin Magdalena Stoyanova einsprang.

Doch bis es so weit war, berichtete Kreutz gewohnt unterhaltsam aus ihrem beruflichen Alltag. Nicht immer ist die Identifikation eines Täters so einfach, wie im Fall jenes jungen Tankstellenräubers, den eine Tankstellenpächterin anhand seines markanten »coolen Gangs« und seiner schlacksigen Statur eindeutig als einen ihr bekannten Jugendlichen identifizieren konnte. Wenn Kerstin Kreutz einen Täter an seinem Gang zuordnen soll, sind die Voraussetzungen deutlich schwieriger. Dank moderner Technik können Bilder aus Aufnahmen sequenziert werden, können Parameter wie Größe und Statur bestimmt und gerichtswirksame Beweise gesammelt werden. »Alles ist aber nur gerichtstauglich, wenn Merkmale zur Überprüfung da sind«, betont Kreutz. »Auffälligkeiten müssen durch die Forschung als solche erforscht sein«, in einem Spannungsfeld, das sich zwischen Wissenschaft (Stichwort: Biometrie) und Kunst (Sinne/Ästhetik) bewegt.

Eine echte Gangbildanalyse könne nur ein Orthopäde machen, indem er den Probanden auf ein Laufband schickt, ausgerüstet mit Sensoren und aufgenommen mit Kameras aus verschiedenen Positionen, klärt Kreutz auf. Anders sei das bei forensischen Gutachten: »Ich habe noch keinen Täter auf dem Laufband gesehen«, scherzt Kreutz und berichtet von nach anwaltlichem Rat plötzlich »wenig bewegungsfreudigen Tatverdächtigen« - »übrigens zu 99,9 Prozent Männer«. Zum täglichen Brot der Gutachterin, die europaweit im Einsatz ist und in der Regel rund 30 Stunden für ein Gutachten braucht, gehören aber auch verschwommene Tatortaufnahmen, veraltete Aufnahmetechniken, schwierige Lichtverhältnissen, die Körperkonturen verdeckende Bekleidung oder enge Platzverhältnisse am Tatort, die den Täter in seinem Gangbild begrenzen. Gehen, Walken, Laufen, Sprinten - das sind die vier gut erforschten Gangarten des Menschen. Aber auch Spurbreite, Schrittlänge und Kopfposition sowie die allgemeine Konstitution gilt es präzise zu beobachten und mit gerichtstauglichen Beweisen zu verknüpfen.

Dr. Kerstin Kreutz Anthropologin

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