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Hightech-Rastplatz geplant

"Radweg Deutsche Einheit" führt auch nach Gießen

  • Burkhard Möller
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Unter einem Radweg, der als Thema die deutsch-deutsche Geschichte hat, stellt man sich eine Route entlang der früheren Grenze zwischen BRD und DDR vor. Tatsächlich führt er aber von Bonn nach Berlin. Gießen soll ein wichtiger Zwischenstopp werden - mit Hightech-Rastplatz an der Lahn.

Ein Schrägdach mit Solarzellen, ein Bildschirm mit digitalen Touchpads, freies WLAN und ein Anschluss, um das E-Bike aufzuladen. So sieht der Radler-Rastplatz der Zukunft aus, die keineswegs in weiter Ferne liegt. In Gießen soll so eine "Radstätte" bald im Bereich des Wasserspielplatzes am Lahnufer stehen.

Mit der futuristisch anmutenden Station wird optisch deutlich werden, was wahrscheinlich die wenigsten Gießener bislang wissen: Unsere Stadt ist seit einigen Jahren Etappenziel und Etappenstartpunkt auf dem 1100 Kilometer langen "Radweg Deutsche Einheit", der von Bonn nach Berlin führt und den das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit sieben Bundesländern konzipiert hat. In Hessen führt die Route zunächst entlang der Lahn über Limburg, Weilburg, Wetzlar, Gießen und Marburg, dann weiter nach Osten ins frühere Zonenrandgebiet um Bad Hersfeld und Rotenburg/Fulda, zum berühmten "Point Alpha" in die Rhön und schließlich hoch nach Kassel. Beworben wird er unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und dem Deutschen Tourismusverband.

Drei Gießener "Highlights"

Der Zusammenhang zwischen Gießen und der deutsch-deutschen Geschichte ist allgemein bekannt. Im Meisenbornweg befand sich das Notaufnahmelager für Flüchtlinge und Auswanderer aus der DDR, das in den Jahren 1989/90 zu einem Brennpunkt in der Wendezeit wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass diese historischen Aspekte auf der Homepage des Radwegs bislang keinerlei Berücksichtigung gefunden haben. Als Gießener Attraktion wird das Mathematikum genannt, zudem gibt es einige Tipps zum Einkehren. "Hautnah" kann man die "einzigartige Erfolgsgeschichte unserer Wiedervereinigung", wie es auf der Homepage heißt, zu Gießen bislang nicht erleben.

Das indes wird nicht so bleiben, versichert Stadtsprecherin Claudia Boje. Auf der Stele werden auf Glas drei Gießener Highlights zu sehen sein, die von Fernradlern in der Nähe des Rastplatzes besucht werden können. Das Mathematikum sei auch aus Sicht des Ministeriums gesetzt. "Wir haben dann entschieden, dass der Botanische Garten mit der Keimzelle Gießens, dem Kirchenplatz, einschließlich Museum und Fußgängerzone empfohlen werden", erläutert Boje. Und natürlich das Notaufnahmelager im Meisenbornweg. Es werde auf der Stele einen Hinweis geben, dass in der früheren HEAE-Zentrale in den nächsten Jahren auch ein "Lern- und Gedenkort" entstehen wird. Eine Aktualisierung der Homepage werde zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen.

Die Kosten für den Bau der Hightech-Radstation an der Lahn belaufen sich auf knapp 160 000 Euro und müssen in Vorleistung von der Stadt erbracht werden, die die Errichtung auch selbst beauftragen muss. Da die Förderung des Bundes nur noch in diesem Jahr läuft, musste eine überplanmäßige Ausgabe im noch laufenden Haushalt 2020 verbucht werden. Die Radroutenschilder sind um das blaue Logo des Einheits-Radwegs bereits ergänzt worden.

Laut Stadträtin Gerda Weigel-Greilich waren gleich mehrere Standorte für die "Radstätte" diskutiert worden, auch die frühere Erstaufnahmeeinrichtung am Meisenbornweg, aber schließlich habe man sich für den innenstadtnahen Platz an der Lahn entschieden. Der liege direkt an der viel befahrenen Lahnroute und sei damit hoffentlich nicht so anfällig für Vandalismus.

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