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Eine gute Note (2,4) gibt es für das Angebot an Leihrädern in der Stadt. ARCHIVFOTO: SCHEPP

ADFC-Fahrradklima-Test 2020

Gießen: Nur Note 3,9 für Radverkehr – Umfrage zeigt Mängel auf

Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 hat Gießen nur die Note 3,9 erhalten. Für die Breite der Radwege haben die Umfrageteilnehmer sogar eine Fünf vergeben.

Gießen – Gießen tritt auf der Stelle; den Eindruck vermittelt zumindest das Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020. Denn obwohl im vergangenen Jahr die Goethestraße zur Fahrradstraße wurde und die Grünberger Straße einen Fahrradstreifen bekam, vergaben die Gießener wieder nur die Gesamtnote 3,9 - ausreichend.

Die 609 Teilnehmer der Umfrage haben die Breite der Radwege mit einer Fünf besonders schlecht bewertet. Der ADFC Gießen fordert die Stadt daher zum Handeln auf. ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer sagt: »Die Corona-Zeit hat viele Menschen neu auf das Rad gelockt - und wir wollen, dass sich auch die Neuaufsteiger auf dem Rad wohl und sicher fühlen.«

Gießen bekommt „Ausreichend“: Fulda und Wetzlar schlechter

Alle zwei Jahre befragt der ADFC Radfahrer deutschlandweit nach ihrer Zufriedenheit mit der Verkehrssituation. Gießens Abschneiden mit einer Gesamtnote knapp unter der Vier reiht sich dabei in die vergangenen Jahre ein. Bereits 2018 erhielt die Stadt eine 3,9 und das beste Ergebnis seit 2012 gab es 2014 mit einer 3,7. Im Vergleich zu anderen hessischen Städten in der Kategorie 50 000 bis 100 000 Einwohner schneiden Marburg (3,6) und Rüsselsheim am Main (3,6) besser, Fulda (4,3) und Wetzlar (4,3) hingegen schlechter als Gießen ab.

Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden Gießens sind Falschparker auf Radwegen. Dafür vergaben die Umfrageteilnehmer die Note 4,9. Der ADFC Gießen kritisiert in dem Zusammenhang, dass Kontrollen zu selten stattfinden und zu lasch bestraft würden. Fleischhauer sagt: »Statt Autos bei gefährdendem Falschparken konsequent abzuschleppen wird oft nur ein Knöllchen angebracht.«

Nicht nur schlechte Urteile über Fahrradverhältnisse in Gießen: Auch Lichtblicke

Auch die Beschilderung von Baustellen wurde mit einer 4,7 schlecht benotet. Fleischhauer erklärt, dass an Baustellen »immer wieder« nicht die Schilder aufgestellt werden, die die Straßenverkehrsbehörde vorgebe. »Auch nach Beschwerden ändert sich das nicht.«

Es gibt aber auch Lichtblicke im Testergebnis. So benoteten die Umfrageteilnehmer die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung mit einer 2,2. Auch das Angebot an Leihrädern (2,4) und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,7) wurden positiv bewertet.

Gießen: Verkehrsversuch am Anlagenring wichtiges Thema bei der Kommunalwahl

Der ADFC Gießen fordert zur Radverkehrsverbesserung ein geschlossenes Netz aus Fahrradstraßen, aber auch, dass der Verkehrsversuch auf dem Anlagenring im Herbst startet. Für bauliche Veränderungen würde der Bund mit dem Sonderprogramm »Stadt und Land« ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Der Verkehrsversuch am Anlagenring dürfte bei der Kommunalwahl ein ausschlaggebendes Thema gewesen sein, durch das die Grünen Stimmen gewannen. Auch der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland sieht im Ausgang der Kommunalwahl ein »deutliches Votum« für die Verkehrswende. Ob Gießen durch den Verkehrsversuch im Fahrradklima-Test 2022 eine bessere Note bekommen wird, wird sich zeigen. (Sebastian Schmidt)

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