Die Rache einer Mutter

Fans historischer Romane kamen am Mittwoch im Literarischen Zentrum auf ihre Kosten. Dort las die britischen Autorin Zara Karschay aus ihrem noch unveröffentlichten Roman "Indulgence". Darin geht es um Rache, Ketzerei und politischen Intrigen im London und Hamburg des 15. Jahrhunderts.

Von SAK

Indulgence, zu deutsch Ablass, spielt in der Blütezeit des Ablasswesens, als sich "Sünder" von ihren Straftaten freikaufen konnten. Die weibliche Hauptfigur Thomasin Penge wird unfreiwillig in die Machenschaften rund um das fragwürdige Geschäft hineingezogen, als ihr Sohn, der mit Ablassbriefen handelt, plötzlich in London verschwindet. Die privilegierte Penge begibt sich allein auf Spurensuche und reist, als Mystikerin verkleidet, in die deutsche Hansestadt.

Trauer und Willensstärke

Das Ende verrät Zara Karschay bei der englischsprachigen Lesung nicht. Sie weckt aber mit zwei Kapiteln aus der ersten Buchhälfte die Neugier auf ihr Erstlingswerk. Diese spielen im turbulenten London und auf der anstrengenden Überfahrt nach Hamburg.

In kurzen Sätzen gelingt es der Autorin, die Geschichte voranzutreiben und gleichzeitig das Gefühlsleben der Protagonistin wiederzugeben: Von der Trauer und Verzweiflung über den Verlust des Sohnes bis hin zur Willensstärke, ihn wiederzufinden.

Der Nachwuchsautorin zuzuhören, ist unterhaltsam, und zwar nicht nur wegen ihres charmanten britischen Akzents. Sie liest pointiert, mit gezielt eingesetzten Gesten. Im anschließenden Publikumsgespräch erzählt sie gelöst von der Entstehung ihres Buches: "Die Umstände waren ideal. Ich konnte zwei Jahre mit meiner Arbeit als Ghostwriterin pausieren und mich dem Schreiben meines ersten Romans unter eigenem Namen widmen."

Das Geld erhielt sie von der Universität Cambridge im Rahmen des 2017 vergebenen Harper-Wood-Stipendiums für Englische Lyrik und Literatur. Die aktuell in Hamburg lebende Autorin finanzierte dadurch ihre Forschungsreisen: Sie las Originalschriftstücke in der British Library von London und besuchte mittelalterliche Schauplätze in norddeutschen Städten. "Ich wollte nicht nur die Fakten, sondern auch ein Gefühl von der Zeit bekommen."

Die größte Arbeit steht Zara Karschay aber noch bevor. Sie muss nun auf eigene Faust einen Agenten finden, der das Buch veröffentlicht. Den Zuhörern auf ihrer Lesereise, die wissen wollen, wie die Geschichte ausgeht, wäre es zu wünschen.

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