Die Bilder aus der Gießener Innenstadt sind skurril: Querdenker ziehen durch Seltersweg und Co..
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Die Bilder aus der Gießener Innenstadt sind skurril: Querdenker ziehen durch Seltersweg und Co..

Gießen: Querdenker demonstrieren in Innenstadt - Schutzanzüge und Schilder

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Sogenannte Querdenker demonstrieren seit Tagen in Gießens Innenstadt. In Schutzanzügen ziehen sie durch den Seltersweg und die umliegenden Straßen.

Gießen - Sogenannte Querdenker sind in den letzten Tagen offenbar mehrfach in Schutzanzügen durch die Gießener Innenstadt gezogen, um gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu protestieren. Auch am frühen Mittwochabend wurden Passanten in der Fußgängerzone Zeugen einer dieser bizarren Demonstrationen.

Sechs Personen in weißen Schutzanzügen, die von unverhüllten Mitstreitern begleitet wurden, marschierten durch den Seltersweg und durch einige der noch offenen Läden, darunter Optiker und Drogerien. In der dm-Drogerie im unteren Seltersweg wurden sie zunächst von den Verkäuferinnen gestoppt. Die Mitarbeiterinnen gaben der Gruppe den Weg durch den Laden dann aber frei, da die Vermummten augenscheinlich nicht gegen die in dem Geschäft geltenden Hygieneschutzmaßnahmen verstießen.

Die Demonstranten hatten sich Schilder umgehängt, auf denen hintergründig unter anderem Kritik an der Maskenpflicht, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie an Wissenschaft und Statistik geübt wurde. Auf anderen Schildern stand »Still sein«, »Nicht denken« oder »Corona-Hinterfrager ab ins Lager«. Auf die Frage, ob sie wirklich daran glaube, dass Kritiker der Corona-Maßnahmen in Straflager gesperrt würden, antwortete die Frau, die sich diese Parole umgehängt hatte: »Das kommt bestimmt noch.«

Querdenker in Gießen: Demonstration nicht angemeldet

Wie die Stadt am Donnerstag auf GAZ-Anfrage erklärte, sei der Aufzug bei der Versammlungsbehörde nicht angemeldet worden. Daher sei auch keine Ordnungspolizei anwesend gewesen.

Da es sich eindeutig um eine politische Demonstration handelte, hätte sie bei der Stadt gemäß Versammlungsrecht eigentlich angemeldet werden müssen. Eine Ahndung mit einem Bußgeld wird aber kaum möglich sein, da die Teilnehmer der Versammlungsbehörde nicht bekannt sind.

Die Bilder aus der Gießener Innenstadt sind bizarr.

Die Demonstranten in den Schutzanzügen gehören nach eigenen Angaben zu der Gruppe, die bereits seit Monaten samstags an einem Info-Stand in der Löwengasse steht. Auch dort traten die »Querdenker« schon in Schutzanzügen auf. Am Samstag vor dem zweiten Advent, als die Geschäfte alle noch geöffnet hatten, kam es dort zu einem Disput mit einer Streife der städtischen Ordnungspolizei, weil einige der Personen am Info-Stand bewusst keinen Mund-Nase-Schutz trugen. Die Stadt kündigte an, Bußgeldverfahren gegen die Maskenverweigerer einzuleiten.

Auch am vergangenen Wochenende wurde in der Löwengasse gegen »Impfzwang« und Maskenpflicht in den Schulen protestiert. Die Info-Stände in der Löwengasse sind ordnungsgemäß angemeldet worden, hieß es dazu von der Stadt. Am kommenden Samstag sei wieder ein Info-Stand angemeldet worden, diesmal in der Mäusburg.

Querdenker ziehen durch Seltersweg Gießen: Im Frühjahr Zulauf deutlich größer

Koordiniert werden die Demonstrationen der selbst ernannten »Querdenker« in der Regel in offenen oder geschlossenen Chat-Gruppen des sozialen Netzwerks Telegram, zwei namens »Gießen für Freiheit« sind »privat«.

In der Nachbarschaft von Gießen gibt es in Wetzlar und Butzbach regelmäßig Aktionen von »Querdenker«-Gruppen, die offenbar miteinander vernetzt sind. Die Größenordnung ist mit zehn bis 20 Teilnehmern freilich sehr überschaubar.

Im Frühjahr lief das Ganze unter dem Motto »Hygiene-Spaziergänge« und »Corona-Rebellen«. Damals kamen jeden Samstagnachmittag teilweise mehr als 100 Personen zum Stadttheater, um gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Da die Versammlungen nicht angemeldet wurden und reihenweise gegen die damals bereits gültigen Regeln zum Infektionsschutz verstoßen wurde, löste die Polizei ab Juni einige dieser Versammlungen in Abstimmung mit dem Ordnungsamt auf.

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