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Quellen sprechen

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Die ehemalige Synagoge vor ihrer Zerstörung im November 1938. © Red

Gießen (pm). Über »Quellen zur Geschichte des Judentums in Gießen« und die wechselvolle Vergangenheit im Spiegel der Archivüberlieferung« referiert Stadtarchivar Dr. Christian Pöpken am Mittwoch, 3. November, um 19.30 Uhr in der Pankratiuskapelle. Veranstalter ist das Forum Pankratius in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde und den Volkshochschulen der Stadt und des Landkreises.

Im Jahr 321 erlaubte der römische Kaiser Konstantin Juden, Ämter in Kölns Stadtverwaltung zu bekleiden - das zugehörige Edikt ist das älteste bekannte Zeugnis jüdischen Lebens in Deutschland. So weit reichen die Wurzeln des hiesigen Judentums freilich nicht zurück. Erst im 14. Jahrhundert begegnen uns in den Urkunden Gießener Angehörige einer jüdischen Minderheit. Deren wechselvolle Geschichte zeichnet Christian Pöpken bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nach, indem er ausgewählte Quellen (unter anderem aus dem Stadtarchiv) zum Sprechen bringt.

Dabei wird deutlich, dass Gießen zahlreiche allgemeine Tendenzen wie in einem Brennglas bündelt: den rechtlichen Ausnahmestatus der Juden im Mittelalter, ihr teils friedliches, teils aber von Gewalt bedrohtes Neben- und Miteinander mit der christlichen Bevölkerung sowie den Weg in ein ambivalentes 19. Jahrhundert, das neben zunehmender Gleichberechtigung auch das Erstarken eines politischen, rassistisch gefärbten Antisemitismus mit sich brachte. Dem NS-Judenmord fielen auch viele Gießener Juden zum Opfer. Schließlich beleuchtet der Vortrag die Frage, warum die Shoah zwar die tiefste Zäsur in der Geschichte des Judentums in Gießen, erfreulicherweise aber nicht ihr Ende bedeutete.

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