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Noah (vorne) und Paul freuen sich, endlich wieder Gewichte in die Luft stemmen zu können. FOTOS: FRIEDRICH

Corona-Krise

Pumpen in der Pandemie: Studios in Gießen geöffnet

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Für viele Sportbegeisterte waren die vergangenen Wochen eine Qual. Kein Training, keine Geräte, keine Eisen. Doch diese Zeit ist nun vorbei. Fitnessstudios haben wieder geöffnet.

Georg ist der Erste. Mit gesenktem Kopf läuft er den Vorraum des Fitnessstudios McFit auf und ab. Wie ein Tiger im Zoo, der nicht weiß, wohin mit seiner Energie. Zwischendurch blickt der Gießener immer wieder auf die Uhr. 23.45 Uhr. Noch 15 Minuten. Dann treffen auch Sven und Tim ein. Sie wollen endlich wieder trainieren. Mit Gewichten, großen Spiegeln "und den geilen Lichtern", wie Sven es formuliert. Bis zum nächsten Morgen warten ist für die drei jungen Männer keine Option.

Nach vielen Wochen Pause haben am Freitag die hessischen Fitnessstudios wieder den Betrieb aufgenommen. Einige 24-Stunden-Anbieter haben ihre Türen bereits um 00.01 Uhr geöffnet. In Nordrhein-Westfalen - hier durften die Studios schon einige Tage früher öffnen - hat das auch zu Kritik geführt. Ein McFit-Studio in Köln hatte die nächtliche Wiedereröffnung mit einem Gewinnspiel verknüpft, bei dem die Studiobesucher eine Reise gewinnen konnten. Eine Schlange von mehr als 100 Leuten war die Folge, was nicht nur Politikern, sondern auch Vertretern anderer Studios sauer aufstieß.

Freitagmorgen, acht Stunden später. Man kann das Lächeln hinter den Masken nur erahnen, aber offenbar freuen sich die FitX-Mitarbeiter auf ihre Gäste. Die Muckibude in der Galerie Neustädter Tor empfängt um 8 Uhr morgens die ersten Mitglieder. Ein gutes Dutzend steht vor dem Drehkreuz. "Wir haben uns gegen eine Öffnung um 24 Uhr entschieden. Wir hatten Angst davor, was uns erwartet, und wollten kein Risiko eingehen", erklärt Bereichsleiter Stefan Eckardt. Zusammen mit Pressesprecher Alexander Morel schildert er das Sicherheitskonzept: Jedes zweite Gerät ist gesperrt, die Duschen ebenfalls, überall stehen Desinfektionsmittel herum, Flächen und Geräte werden gereinigt, auf Schildern wird auf den Mindestabstand von eineinhalb Metern verwiesen. "Wir haben uns in den vergangenen Wochen intensiv vorbereitet", betont Morel, "alle Mitarbeiter haben Schulungen zum Infektionsschutz erhalten". Dazu gehört auch die Maske. Allerdings nur bei den Trainern. "Es gibt keine Pflicht, dass auch die Mitglieder einen Mundschutz tragen müssen", sagt Eckhardt. "Wir empfehlen es aber."

Melissa und Eylen gehören zu den wenigen, die die Masken nicht nur auf dem Weg zwischen den Geräten tragen, sondern auch beim Work-out. Die jungen Frauen sitzen gerade auf dem Ergometer. "Anstrengender als sonst", schnaubt Melissa durch die Maske. "Aber so ist es sicherer", fügt Eylen hinzu. Die zusätzliche Anstrengung durch den Mundschutz nehmen die beiden gerne in Kauf: Hauptsache wieder Fitness.

Mit Mundschutz auf dem Ergometer

So geht es auch Noah und Paul. Die beiden jungen Männer wuchten gerade 100-Kilo-Eisen in die Höhe. Der Schweiß läuft über ihre Gesichter. "Zu Hause hat man eben nicht solche Möglichkeiten", sagt Paul, der genauso wie Noah vor dem Shutdown mindestens dreimal die Woche ins Studio gegangen ist. Jetzt heißt es, die verlorene Kraft wieder anzutrainieren.

Nicht nur die großen Ketten, auch die lokalen Anbieter haben sich auf die Öffnung intensiv vorbereitet. "Wir haben Desinfektionsmittel aufgestellt, die Theke mit Plexiglas abgehängt und Geräte gesperrt", erzählt Muskelkater-Chef Alexander Kapp. Sauna und Umkleiden seien ebenfalls tabu, weshalb die Mitglieder gebeten werden, sich zu Hause umzuziehen. Am Freitagmorgen um kurz vor 10 Uhr sind es bereits 38 Männer und Frauen, die hier in der Siemensstraße an ihrer Fitness feilen. "Von der Größe her dürften wir 150 hereinlassen, wir haben die Personenzahl aber auf 150 begrenzt", sagt Kapp und lobt neben seinem Team auch die Unterstützung der Mitglieder. "Wir haben einen engen Bezug zu unseren Mitgliedern und während der Schließung viele private Nachrichten erhalten. Alle freuen sich, dass es endlich wieder losgeht."

Die Nacht zuvor: Georg, Sven und Tim warten auf den Einlass. Klar, alle drei haben die vergangenen Wochen auch zu Hause trainiert, doch das sei nicht das Gleiche. "Die Motivation fehlt einfach", sagen Sven und Tim. Georg stimmt ihnen zu: "Der Gang in die Küche ist nicht weit." Inzwischen haben sich weitere junge Menschen vor dem Studio versammelt. Alle in Sportklamotten, alle mit dem nötigen Abstand zueinander. Keine Kölner Verhältnisse. Als der Mitarbeiter um 0.01 Uhr aufschließt, sind es elf Personen, die mit einem Grinsen auf den Lippen das Studio betreten. Georg muss lachen: "Ich habe es einfach viel zu sehr vermisst."

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