Ein Klassiker als Humorbuch: Michael Quast (r.) und Philipp Mosetter zelebrieren Goethes "Faust I" im Stadttheater. FOTO: SCHUTTE
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Ein Klassiker als Humorbuch: Michael Quast (r.) und Philipp Mosetter zelebrieren Goethes "Faust I" im Stadttheater. FOTO: SCHUTTE

Des Pudels lustiger Kern

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Goethes "Faust I" als ur-komische szenische Lesung - geht das? Ja, wenn zwei so versierte Meister ihres Fachs am Werk sind wie Michael Quast und Philipp Mosetter. Am Freitag begeisterten die beiden im Stadttheater restlos.

Gretchen hat den Blues. Und Mephisto macht sich als Handpuppe gar prächtig. Wer hätte gedacht, dass Johann Wolfgang von Goethes Tragödie "Faust I" in Wahrheit voller Komik steckt?! Wer am Freitagabend die szenische Lesung von Michael Quast und Philipp Mosetter im Großen Haus des Stadttheaters miterlebt hat, der macht sich darüber keine Illusionen mehr.

Denn obwohl die beiden Meister des gepflegten Humors ihr Versprechen einer "größtmöglichen Werktreue" einhielten, fanden die Zuschauer die eigentlich tragische Geschichte zum Brüllen komisch. Quast, mit kunstvoll entgleitender Mimik und kleinen Ausrastern im Vortragen des Textes scheinbar ein Rohdiamant, den es zu schleifen gilt, und Philipp Mosetter, als eine marottenreiche Mischung aus ekstatischem Regisseur und klugscheißendem Literaturwissenschaftler, erwiesen sich als kongeniales Paar. Geschickt verhalfen sie dem lustigen Kern des Faustschen Pudels auf die Sprünge - das obligatorische gelbe Reclam-Heftchen stets vor Augen.

Quast trug markante Verse des Klassikers vor und wurde dabei immer wieder von Mosetter als eine Art personifizierter Fußnote korrigiert. Der Gelehrte Faust als Flüchtender; Dichter Goethe als verklemmter junger Mann, der in den ersten Versen bereits alles gesagt und auch noch die Quantenphysik entdeckt hat - es gab viel zu lachen. Ein herrlicher Spaß, der die Zuschauer die affenartigen Meerkatzen in der Hexenküche entdecken ließ, sie zu den hessisch babbelnden Kerlen in Auerbachs Keller führte oder mit Gretchen vor der drohenden Hinrichtung im Kerker vor ihrem Heinrich grausen ließ.

"Größtmögliche Werktreue"

Kein Wunder also, dass Gretchen den Blues hat, den Quast und Mosetter als lebende Beatmaschinen zelebrierten. Und Mephisto, dem Faust seine Seele versprochen hat, falls dieser ihn dazu bringen könnte, auch nur einmal einen glücklichen Augenblick festhalten zu wollen, machte es sich als kecke Handpuppe entweder auf Quasts Arm oder auf einer Wasserflasche bequem.

Eigentlich sei "Faust I" ein Stück über das "Ach", ließen die Komödianten ihr begeistertes Publikum wissen und seufzten entsprechend ein "Ach" wegen der zwei Seelen, die in Fausts Brust schlagen und ihn in das ganze Schlamassel hineinbugsiert haben. Und weil sie sich einer gewissen Werktreue verpflichtet sahen, brachten sie auch das dem Text vorangestellte "Vorspiel auf dem Theater", in dem über die adäquate Umsetzung auf der Bühne gestritten wird, in ihrer szenischen Lesung geschickt unter. Dass nicht nur Faust, wie von "Regisseur" Mosetter gefordert, den Pudel, in den sich Mephisto verwandelt hat, tatsächlich sehen konnte, sondern auch die Zuschauer, war da nur konsequent. Dass sich die beiden Schauspieler am Ende ihrer 90 Minuten angespornt sahen, auch noch "Faust II", der Tragödie zweiter Teil, vorzutragen, erschien hingegen eher als ein willkommenes Versprechen denn als eine echte Drohung.

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